Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Richard Linklaters neuster Film „Novelle Vague“ entpuppt sich als liebevolle und lockere Hommage an die gleichnamige Filmbewegung Nouvelle Vague und deren Film „Außer Atem“ von Lean-Luc Godard.
Der Film„Außer Atem“ von Jean-Luc Godard mit Jean Seberg und Jean-Paul Belmondo aus dem Jahr 1960 gilt als Filmklassiker und Wegbereiter der „Nouvelle Vague“, jener Filmbewegung aus Frankreich die in der Inszenierung von Filmen neue Wege bestritt und dann ab 1967 auch das New Hollywood maßgeblich beeinflusste.
Richard Linklater setzt diesem Film mit seinem dementsprechenden Titel „Nouvelle Vague“ nun ein filmisches Denkmal. Wobei das Wort Denkmal in dem Fall etwas übertrieben klingt. Es ist eine locker und hingebungsvolle Würdigung der Entstehung von „Außer Atem“ und der Novelle-Vague-Bewegung.
Im Zentrum der Handlung steht der Regisseur Jean-Luc Godard (Guillaume Marbeck), der seinen ersten Spielfilm drehen will und wir sehen ihm dabei zu oder besser über die Schulter, wie er seinen Produzenten, sein Team und seine Darsteller findet und überzeugt. Wie er sich im Kreis seiner „Nouvelle Vague“ Mitstreiter bewegt. Und schlussendlich sehen wir ihm und seinem Team beim Drehen von „Außer Atem“ zu. Der Film ist also nichts anderes als ein Making of in Spielfilm-Form.
Making-of-Dokumentationen und Filme über das Filmemachen gibt es viele. Einen der bekanntesten hat der Nouvelle Vague angehörende Francois Truffaut mit „Die amerikanische Nacht“ sogar selbst herausgebracht. Das ein Spielfilm aber explizit auf das Making of eines einzelnen Films eingeht noch nicht so gängig. Am ehesten fällt einem hier noch die Serie „The Offer“ ein, die in 10 Teilen die Entstehung des Film „Der Pate“ zum Inhalt hat.
Und der Film „Nouvelle Vague“ beweist, dass ein Making of nicht unbedingt der dokumentarischen Form bedarf sondern auch als Spielfilm zu überzeugen vermag. Wobei hier Richard Linklater einen Schritt weiter geht. Linklater hat hier eine exakte Kopie des Originalfilms angestrebt. Er inszeniert ihn wie das Original nicht nur in Schwarzweiß und im gleichen 35-mm Seitenverhältnis von 1.37:1 sonder sogar in französischer Sprache. Er ist dem Originalfilm als gleichwohl in seiner Form filmisch ergeben. So das der Zuschauer zugleich visuell das Gefühl bekommt bei der Entstehung des Originalfilms dabei zu sein.
Um so erstaunlicher, das hierbei kein hölzerner Film herausgekommen ist. „Nouvelle Vague“ ist in seiner Darstellung der Entstehung von „Außer Atem“ und seiner handelnden Personen sehr genau, behält sich aber die filmischen Freiheiten vor die es für einen Spielfilm braucht. Er ist leicht und spielerisch inszeniert und für jeden Cineasten und Filmfreund ist es ein Genuss Jean-Luc Godard, Jean Seberg, Jean-Paul Belmondo, François Truffaut und Kameramann Raoul Coutard hier zuzusehen wie sie „Außer Atem“ auf den Pariser Straßen entstehen lassen. Doch Linklater geht es hier nicht nur um die genaue Umsetzung dieser Zeit und dieses Films. Für ihn ist die Philosophie, Ästhetik und innovativen Idee, die die Nouvelle Vague ausmachen und sich eben in deren ersten Film wie „Außer Atem“ widerspiegeln genauso wichtig. So sieht man Jean-Luc Godard bei den Dreharbeiten wie er dann am Tag einfach mal nur zwei Stunden dreht oder von einer Einstellung nur einen Take macht und dann mit seinen Darstellern und Team im Café sitzt und über die Idee des Film spricht und zugleich weiter am Drehbuch dichtet und sich komplett gegen die konventionellen Regeln des Filmemachens stellt, sehr zum missfallen des Produzenten natürlich. Genua so, sehen wir alle anderen Beteiligten an dem Projekt, die dann jeweils mit eingeblendetem Namenstitel vorgestellt werden; Jean-Paul Belmondo (Aubrey Dullin), der sichtlich Spaß an den Dreharbeiten und der Arbeit mit Godard hat, Jean Seberg (Zoey Deutsch), die eigentlich nicht wirklich Lust auf den Film hat und wieder nach Amerika zurück will und ebenso mit mehr oder weniger kurzen Auftritten alle Wegbereiter der Novelle Vague wie François Truffaut, Claude Chabrol, Agnes Varda, Suzanne Schiffmann, Pierre Rissent, Eric Rohmer oder der Produzent Georges de Beauregard. All das verstärkt das Gefühl hautnah dabei zu sein. Bei den Dreharbeiten wie auch der Nouvelle Vague Bewegung.
Am Ende ist „Nouvelle Vague“ eine filmische Hommage und ein großes Kinovergnügen zugleich. Linklater schafft es, beides unter einen Hut zu bringen. Der Film ist stimmig in seiner historischen Umsetzung und zugleich locker und unbeschwert in seiner Inszenierung. Er ist umso beachtenswerter, wenn man bedenkt, das Linklaters Version in puncto Aufwand, Umsetzung und Kosten aufwendiger ist als der Originalfilm.
Man muss den Originalfilm „Außer Atem“ nicht unbedingt gesehen haben um „Nouvelle Vague“ zu verstehen und unterhaltend zu finden. Wenn man „Außer Atem“ kennt ist es aber deutlich unterhaltsamer und zugleich informativer.
Filmographische Angaben:
- Orginaltitel: Nouvelle Vague
- Staat: Frankreich
- Erscheinungsjahr: 2015
- Regie: Richard Linklater
- Drehbuch: Richard Linklater, Hooly Gent, Vincent Palmo Jr., Michèle Pétin, Laetitia Masson
- Kamera: David Chambille
- Schnitt: Catherine Schwartz
- Darsteller: Zoey Deutch (Jean Seberg), Guillaume Marbeck (Jean-Luc Godard), Aubry Dullin (Jean-Paul Belmondo), Matthieu Penchinat (Raoul Coutard), Adrien Rouyard (François Truffaut), Alix Bénézech (Juliette Gréco), Benjamin Cléry (Pierre Rissient), Jade Phan-Gia (Sebergs Maskenbildnerin), Paolo Luka Noé (Francois Moreuil9, Bruno Dreyfürst (Georges de Beauregard), Pauline Belle (Suzon Faye), Benoît Bouthors (Claude Beausoleil), Antoine Besson (Claude Chabrol), Jean-Jacques Le Vessier (Jean Cocteau), Jodie Ruth-Forest (Suzanne Schiffman), Blaise Pettebone (Marc Pierret), Jonas Marmy (Jacques Rivette), Roxane Rivière (Agnès Varda), Côme Thieulin (Éric Rohmer), Niko Ravel (Michel Fabre), Laurent Mothe (Roberto Rossellini)
- Produktion: Mike Blizzard, John Sloss, Michèle Pétin, Laurent Pétin, Emmanuel Montamat
- Spieldauer: 105 Minuten






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