Familie Kracht ist nervös – Annotation zum Roman „Eurotrash“ von Christian Kracht

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"Eurotrash" von Christian Kracht. © Kiepenheuer & Witsch GmbH

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Krachtromanende ist wirklich großartig. Erinnert manchmal an Thomas Bernhard und den Glavinic aus „Das bin doch Ich“. Zu solchem Selbsthass (möglicherweise „erfunden“ bei Kracht) sind nur Bewohner von Ministaaten in der Lage, die alle fünf Kilometer über sich selbst stolpern.

„Eurotrash“ liest man locker zwischen dem letzten Kaffee und dem ersten Rotwein weg, wer auf Schweizer Selbstverstümmelung steht, wird ziemlich begeistert von dieser schön verwobenen Ebenen von Alpengrind- Noir (voller erlesener Bösartigkeiten) und dreckiger Mutter-Sohn-Story sein. Kracht kann Dinge, die nur er kann. Oder zumindest, die ich nur von ihm kenne. Wahre Literaturfresser haben vielleicht noch andere Referenzen.

Zugegeben, ich brauchte etwa Zeit zum Reingrooven. Vielleicht war ich zu hart zu Kracht. Bis Seite 53 fand ich Eurotrash gut, dann störte mich, neben schludriger Sprache, (anscheinend Absicht…) die plötzlich klarsichtig gewordene Mutter. Nach einer inneren Standpauke (Cervantes „Quichote“) und neuerlichem Leseversuch: kam ich auf Seite 74 wieder in die Spur und finde es jetzt doch gut. Nicht so gut wie „Faserland“, doch besser als „Die Toten“, d.h., etwa so gut wie den Kokosmann. Gute Nacht, +!

Bibliographische Angaben

Christian Kracht, Eurotrash, 224 Seiten, Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 1. Auflage, 4.3.2021, ISBN: 978-3-462-05083-7, Preise: 22 EUR (Deutschland), auch als E-Buch erhältlich für 18,99 EUR

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