Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Daß Frauen jahrhundertelang an der öffentlichen Musikausübung gehindert wurde, das können sich viele nicht vorstellen, nicht verstehen. Das Verstehen als solches ist schon keine einfache Sache. Schwer ist auch das Erklären, vom Verändern ganz zu schweigen.
Daß Frauen vor allem beim Singen und Musizieren in Krichen außen vor waren, das versteht sich für Kenner und Kritiker fast von alleine. Religion geht mit Reichtum einher und mit nichts anderem. Dafür ist jeder Lug und Trug recht und billig.
Das und daß auch Frauen komponierten und komponieren wissen nur wenige. In einer Pressemitteilung der Schwindkommunikation vom 21.2.2025 wird unter dem Betreff „Berlin feiert den Internationalen Frauentag mit Geistlicher Chormusik“ darauf hingeweisen, daß „versteckt in den Archiven … geistliche Musik, die frühesten Werke stammen aus der Barockzeit“, schlummern würden und „aus Anlass des Internationalen Frauentags … Stefan Schuck für den NoonSong erstmals einige dieser Kompositionen einstudiert“ habe. „Qualitativ muss sich keines dieser Stücke (Barock bis Gegenwart) vor der männlichen Konkurrenz verstecken“, sagt Schuck über seine Auswahl, die am Sonnabend, den 8.3.2025, um 12 Uhr inder Kirche am Hohenzollernplatz, Nassauische Straße 67, 10717 Berlin, zu Gehör gebracht werden sollen.
„Das älteste Werk stammt von der komponierenden Nonne Isabella Leonarda (1620-1704). Sie schrieb das Magnificat vermutlich für ihre Heimatstadt Novara im Piemont, wo sie als Musikerin hoch geehrt war“, heißt es und weiter: „Im Wien des 18. Jahrhunderts war Marianna Martines (1744-1812) bekannt. Aus einer wohlhabenden Familie stammend und von ihrem Gönner Metastasio unterstützt (er war Hofdichter von Kaiser Karl VI), war sie finanziell unabhängig und konnte sich selbstbewußt ausschließlich der Musik widmen. Als Sängerin und Komponistin genoß sie legendären Ruf weit über die Grenzen des Landes hinaus. Ihr klagendes „Miserere“ für Soli, Chor und Orgel verbindet gekonnt barocke Stilelemente mit der Formsprache der Wiener Klassik.
Im erweiterten romantischen Stil erklingt die sensible und farbenreiche Vertonung des berühmten 91. Psalms, der ‚Aufruf zum Vertrauen in Gott‘. Komponiert hat sie 1921 die britisch-amerikanischen Komponistin Rebecca Clarke (1886-1979), einer bekannten Bratschen-Virtuosin. Als Studentin von Charles Villiers Stanford war sie natürlich auch mit der englischen Chortradition vertraut.
Die liturgischen Rahmentexte wurden extra für den NoonSong von unserer Sängerin Elisabeth Fischer-Sgard komponiert.“
Wer nicht hören will, der sollte sich wenigstens einmal die im letzten Großkrieg in deutschen Landen zerstörte Kirche, die von 1930 bis 1934 nach unserer Zeitrechenung anhand der Entwürfe von Ossip Klarweins aus dem Architekturbüro Fritz Högers gebaut wurde, ansehen. Das Gebäude, das 1943 ausbrannte und bis 1961 wieder aufgebaut wurde, 1991/92 wurden die letzten Schäden ausgemerzt, gilt als Hauptwerk deutscher expressionistischer Architektur.
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