Zeichner Mort Drucker tot. Mad. Adventures. Time. Thrash-Metal. Anthrax

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Mort Drucker signiert Comic Book bei MAD-Magazin-Megaevent in Manhattan.
Am 9. November 2000: Der Zeichner Mort Drucker gibt bei der Feier zur 400sten Ausgabe des amerikanischen MAD-Magazins in Manhattan Autogramme. "Das Event fand im Jahr 2000 im früheren Warner Bros Studio Store statt." Photograph/ author: Gustavo Morales / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Mort Drucker heißt eigentlich Morris, doch kennen ihn alle unter seinem Spitznamen. Der Cartoonist aus den USA ist wohl am bekanntesten geworden durch sein Engagement beim MAD-Magazin, zu dem er 1956 stieß. Weitere wichtige Zeichner waren Sergio Aragones, Dave Berg und Ron Martin (in alphabetischer Reihenfolge).

Mort Druckers drei Hauptmitstreiter bei MAD

Don Martin wird man vielleicht noch kennen, uns war er bereits in der Jugend ein Begriff; der Cartoonist aus Paterson war etwa im gleichen Alter wie Mort Drucker und hätte am 18. Mai wieder Geburtstag, wäre er nicht am 6. Januar 2000 in Miami verstorben.

Dave Berg kommt genau wie Drucker aus Brooklyn in der Stadt New York. Er war 9 Jahre älter als Mort Drucker und 11 Jahre älter als Don Martin: Jahrgang 1920. Berg starb später als Martin 2002 in Kalifornien. 81jährig. Am 17. Mai jährt sich sein Todestag.

Der Dritte im Bunde der vier ist der jüngste. Am 6. September 1937 erblickte er das Licht der Welt. In Sant Mateu, Castellón. Sergio Aragones, der gebürtige Spanier, emigrierte dreimal: Zunächst als kleiner Junge mit seiner Familie nach Frankreich. Seit 1936 tobte der spanische Bürgerkrieg, – Legion Condor, Pablo Picassos Guernica – der bis 1939 andauerte. Dann weiter nach Mexiko, ein spanischsprachiges und gastfreundliches Land, dass auch Juden das leben rettete. Dort studierte er an der Universität UNAM Architektur. Aber er zeichnete immer, schon damals, schon als Kind und auch für die Schulzeitung. An der Uni lernte er Pantomime bei Alejandro Jodorowsky.

In New York kam er 1962 an. Nach eigener Auskunft nur mit gerade mal 20 US-Dollar in der Tasche – gut, das waren zu John F. Kennedys Zeiten noch viel Geld – und seiner Zeichen-Mappe. Nachdem er sich mit verschiedenen Jobs durchgeschlagen hatte, ging er in die Madison Avenue zu MAD. Trotz mangelnder Sprachkenntnise und einiger Verwirrung fing er 1963 dort an, den Herausgebern gefiel, was sie sagen. Aragonés: sie sagten mir : „’Make Mad your home’“, (fühl dich wie zuhause) „und das nahm ich wörtlich“. Als 2009 die 500. Ausgabe erschien, hatte Aragonés zu 424 beigetragen. Nur Al Jaffee schaffte mehr, auch Mort Drucker nicht.

Der Preis, den die Gesellschaft der Berufszeichner vergibt, der „Comic Art Professional Society award“, heißt ihm zu Ehren „The Sergio“, ‚Der Sergio‘.

Adventures. Bob Hope

Zurück zu Drucker. 1959-1963 zeichnete er das Comic book The Adventures of Bob Hope .

Time Magazine

Nachdem Mort Drucker bei MAD aufgehört hatte, arbeitete er für andere Zeitschriften, darunter das renommierte Time Magazine. Am 10. September 1973 erschien auf dem Titelbild Druckers Karikatur von Bobby Riggs mit schräger Eckbinde „THE HAPPY HUSTLER“. Riggs hatte Schwein. Wörtlich. Drucker verpasste ihm ein Abzeichen mit einem Schweinekopf – mit dunklen Augenhöhlen, Bartstoppeln und einem unangenehmen Grinsen- und dem Label „Male Chauvinist“ (männlicher Chauvi).

Bereits am 26. Oktober 1970 durften Drucker dafür sorgen, dass sein Titelbild gedruckt wurde (auf englisch: Cover). „The Battle for the Senate“ (‚Die Schlacht um den Senat‘) zeigt Unhold Nixon antik gekleidet und in lächerlicher Siegespose; daneben andere Politiker bei einem Hauen und Stechen mit antiken Waffen, Schwertern, Schilden und sogar einem Elefanten. Eine Anspielung auf Hannibal? Der Senat ist eine der beiden Kammern des US-amerikanischen Kongresses. https://content.time.com/time/covers/0,16641,19701026,00.html

Thrash-Metal. Anthrax

Ein weiteres Cover – zu deutsch oder denglisch: Plattencover – malte und zeichnete Drucker für Anthrax, eine Thrash-Metal-Band („State of Euphoria“, Island Records, 1988). Genauer gesagt gestaltete er die Rückseite (Don Brautigam die Vorderseite). https://de.wikipedia.org/wiki/State_of_Euphoria

M.D. (1929-2020)

Unter anderem arbeitete Mort Drucker an den Comic-Strips „Debbie Dean“ (40er) und „Benchley“ (80er) mit.

1987 als „Outstanding Cartoonist of the Year“ mit dem Reuben Award ausgezeichnet, erhielt er dieselbe Ehrung wie Gary Larson oder Charles Schulz (Peanuts).

Star-Wars-George Lucas lernte er persönlich auf dessen Anwesen kennen, weil diesem Druckers Parodie gefiel.

Mort Drucker feierte vor einem Jahr seinen 90. Geburtstag und am 22. März seinen 91. Er verstarb in Woodbury am 9. April; im selben Bundesstaat, in dem er geboren wurde.

Etwas, das irgendwie beruhigend ist, ist, dass das abseits des jetzigen Medienterrors oder -hypes geschah. Morris Drucker starb. Aber er wird nicht als COVID-19-Opfer geführt, genausowenig wie die beiden Motorradfahrer, die in Schleswig-Holstein verunfallten. Damit hat uns Drucker quasi post mortem noch ein Geschenk gemacht. Das der Normalität. Die wir jetzt gerade so sehnlichst herbeiwünschen, wo wir sie verloren hatten. Dafür und für seine tausendfach angeschauten Zeichnungen an dieser Stelle ein Dankeschön.

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