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Das Festival Pop-Kultur und Der Boykott gegen die Besatzung

Das Festival Pop-Kultur und Der Boykott gegen die Besatzung
Die Trennungsmauer in Jerusalem. © 2015, Foto: Dr. Bernd Kregel

Berin, Deuschland (Kulturexpresso). Seit 50 Jahren unterwirft Israel das palästinensischen Volk. Schlimm. Dass Palästinenser oder Männer und Frauen aus den Brudervölkern nicht mit Israelis an einem Musikfestival teilnehmen wollen, das finden einige schlimmer.

Klaus Lederer, ein linker Lump, der vom Rostkehlchen über Quasselbuden des Kapitals bis in Staatsdienste flatterte, erklärt zum Fernbleiben arabischer Musiker vom Festival „Pop-Kultur“, dass er den Boykott „widerlich“ findet und enttäuscht sei, wenn „Boykottaufrufe, Unwahrheiten und – anders kann ich es nicht nennen – Hass die Vorbereitungen auf das Festival beeinträchtigen.“

Widerlich ist nicht nur Lederer, widerlich ist die seit 50 Jahren währende Unterwerfung des palästinensischen Volkes von und mit Israel.

Ein Boykott ist ein legitimes Mittel im Spannungsbogen von Protest und Widerstand, der diesen nicht spannt, weswegen Israel weder politisch noch wirtschaft nennenswerten Schaden zugefügt wird.

Auch dem Festival mit dem Titel „Pop-Kultur“, das vom 23. bis 25. August in Berlin stattfinden, wird kein wesentlicher politischer oder wirtschaftlicher Schaden zugefügt, nur weil die vom Veranstalter als Nichtteilnehmenwerder genannten Abu Hajar, Annie Goh, Emel Mathlouthi, Hello Psychaleppo, Iklan featuring Law Holt, Islam Chipsy & EEK, Oranssi Pazuzu und Young Fathers nicht kommen wollen und spielen wollen, damit andere tanzen können.

Schaden fügen sich die Veranstalter, die – nebenbei bemerkt – lächerliche 500 Euro von der Israelische Botschaft in Berlin erhielten, mit ihrer „Statement“ genannten Stellungnahmen vom 17. August 2017, in denen von einem „totalen Boykott“ geschrieben wird, selber zu.

Doch davon werden vermutlich weder Omar al-Barghouti, der palästinensischen Organisator von BDS, noch Marwan al-Barghouti, der in Israel zu mehrmals lebenslänglich verurteilt worden ist, weil er die Fatah-Jugendbewegung leitete, je erfahren. Zu Belanglos ist das Berliner Blabla und Trallala.

Omar, der Student der Universität von Tel Aviv war, will, dass alle Palästinenser, die zurückkehren wollen, zurückkehren können. Er will Freiheit und Gleichheit für die Palästinenser in Palästina. Dass das ein Ende der Besatzung bedeutet und Schluss mit der Unterdrückung sein muss, das ist klar. Dass zu einem palästinensischen Staat auch Frieden mit dem Feind und also ein Friedensvertrag mit dem israelischen Staat gehört, das vergisst der Gute gerne.

Wie dem auch sei, bei BDS kann seit 2005 jeder mitmachen oder es lassen. BDS wird es weder schaffen, Israel politisch, wirtschaftlich noch kulturell „zu isolieren“, wie manche Lohn- und Freizeitschreiber zu behaupten wagen.

Jeder kann auf seine Weise, alleine oder gemeinsam mehr oder weniger Boykott gegen die Besatzung wagen.

Was anfangs Wunsch und Wille war, dass nämlich durch BDS die israelische Öffentlichkeit klar zwischen israelischen Waren und denen aus den Siedlungen in den besetzten Gebieten unterscheiden könne, das hat längst eine Weltöffentlichkeit erreicht. Und das ist gut so.

Doch das Boykotteure und solche, die es werden wollen, den Staat Israel als solchen ächten und ihren Boykott als ein legitimes und legales politisches Mittel nicht auf die besetzten Gebiete beschränken, das ist ein strategischer Fehler. Die BDS-Bewegung hat weitere und falsche Freunde obendrein. Das widerspricht aber nicht dem Boykott gegen die Besatzung.

Wenn Lederer immerhin diesen einen Fehler kritisieren würde und ansonsten wie angeblich alle anderen den Kopf über den Boykott des Pop-Kultur-Festivals schütteln würde, dann läge er einmal richtig.

Das reicht wie Waren und Dienste aus den Siedlungen in der Westbank, dem Gazastreifens und den Golanhöhen nicht zu kaufen, wie meine Wenigkeit. Zudem sind viele Produkte aus dem anderen Israel gut genug und besser. Vor allem die Leistungen von Winzern und ihre Weine. Eine Wonne. Von vielen Musikern und sonstigen Künstler ganz zu schweigen!

Darauf eine Flasche vom Weingut Tishbi, deren tolle Trauben von den Weinbergen im Anbaugebiet Zichron Yaakov am Fuß des Carmel-Gebirges stammen, bei einer Hand voll prachtvoller Platten des 1955 in Haifa geborenen David Broza. Das allein schon ist besser als jedes Pop-Kultur-Festival in Berlin. Wohlsein!

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