Kunst auf der Burg in Neustadt/ Glewe. Architektur, Feste und Grafik in einem Kleinod am Wegesrand

Neustadt-Glewe, Deutschland (Kulturexpresso). Neustadt gibt es öfter, Neustadt/ Glewe ist einmalig. Die Burg in Neustadt/ Glewe trägt viel dazu bei. Die meisten, die schon einmal von Berlin nach Hamburg unterwegs waren – oder umgekehrt – sind hier unachtsam vorbeigefahren. Wer im Flixbus saß, dem sei das verziehen. Autofahrer haben die Wahl – und die 2 Kilometer von der Autobahnabfahrt bis in den Ort hinein sind wirklich kein großer Kohlendioxid-Fußabdruck.

Die A24 (Autobahn 24 Hamburg-Berlin) beginnt am Berliner Ring A10 oder in Hamburg-Horn im Osten der Hansestadt. Wer aus der Hauptstadt kommt, durchquert lange Brandenburg – zurzeit besonders lange, wegen vieler 60er-Baustellen – bis ungefähr Wittstock/ Dosse, wo die A19 zu Ostsee abgeht. Brandenburg dauert dann noch ein bisschen an, während Namen wie Pritzwalk, Heiligengrabe und Putlitz auftauchen.

Putlitz, einer der ältesten Städte der Prignitz

Putlitz liegt 57 Meter hoch; 2.700 Seelen wohnen dort. Es ist eine der ältesten Städte der Prignitz (Wittstock gehört zur Ostprignitz). Ein Schild im eher kleinen Ort nennt ein Alter von 1050 Jahren. Das muss 1996 aufgestellt worden sein und ist also schon mehr als 20 Jahre alt. Tatsächlich ist Putlitz älter als Lüneburg (!) und das will hier im Norden schon etwas heißen. Die erste Erwähnung einer slawischen Burg stammt aus dem Jahr 946.

Lüneburg wurde „erst“ 956 sicher genannt. Der Landkreis Lüneburg übrigens m.W. der einzige, der als „West-„Landkreis auf das Gebiet der ehemaligen DDR hineinreicht, umfasst seit 1993 nicht nur wieder das rechtselbische Amt Neuhaus, sondern auch das historisch zu Mecklenburg gehörende Niendorf, da es 1974 nach Sumte eingemeindet worden war. So gelangte ein Stück Mecklenburg nach Niedersachsen.

Amt Neuhaus: Zunächst gehörte dieses ehemalige Stück Kurhannover beziehungsweise Königreich Hannover auch 1945 zur britischen Besatzungszone. Die Engländer verschenkten es aber an die sowjetische Besatzungszone, da es keine Elbbrücke gab.

Wer an Wittstock, Pritzwalk, Heiligengrabe und Putlitz vorbeigebraust ist, sieht endlich das Schild „Mecklenburg-Vorpommern“ (MVP). Parchim mit seinem kuriosen Flughafen Schwerin-Parchim gehört zum Bundesland und wird auch an der A 24 passiert. MVP reicht in Boizenburg bis an die Elbe, dazu müsste man in Zarrentin abfahren.

Schon zwischen den Kilometern 120-100 sollte man auf die Schilder achten, um die Burg in Neustadt/ Glewe nicht zu verpassen. An der Autobahnabfahrt wird gerade gebaut, zwischenzeitlich war sogar die Abfahrt gesperrt. Ende September war die Ausfahrt aber möglich, rechtzeitig zum Burgfest und zur Ausstellung Grafik Nord.

Die Burg in Neustadt/ Glewe – ein Anziehungspunkt für Kenner

Glocke am Flaschenzug an der Uhr. Burg Neustadt-Glewe: Wenn hier keine Romantik aufkommt … dann ab nach Rothenburg ob der Tauber! © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Nur zwei Kilometer sind es nach Neustadt. (Vorsicht bei der Rückfahrt zur A24, bitte innerhalb der Geschwindigkeitsbegrenzung bleiben.) Kurz bevor die Hauptstraße mit abknickender Vorfahrt rechts in den Ortskern einbiegt, sieht man bei entlaubten Bäumen vor sich halblinks die Burg in Neustadt/ Glewe. Sie spiegelt sich im Wasser. Wenn man hier links in die kleine Straße einbiegt statt halbrechts in den Ort weiterzufahren, hat man vom Parkplatz oder Ufer aus einen hervorragenden Blick auf die Burg in Neustadt/ Glewe, vielleicht den besten. Wer ihn ausdehnen möchte, kann in dem Restaurant mit großen Fenstern Platz nehmen. Essen kann man sehr gut auf der Burg bei bestem Ambiente.

Am Wasser liegen immer wieder Sportboote, die durch die Schleuse wollen, über die die Hauptstraße führt. Man kann die Burg direkt auf dem Wasserweg ansteuern, ein weiterer Vorteil. Wo wir schon beim Wasser sind: Es ist neben politischen und historischen Gegebenheiten der Grund, warum die Burg in Neustadt/ Glewe zu den besterhaltenen in Mecklenburg-Vorpommern gehört. In einem Bogen geht ein Graben ab, der auch hinter der Burg den Burggarten oder Park umschließt. Die angrenzende Straße heißt Wasserstraße. Sie ist keine Wasserstraße.

Der Park ist übersichtlich und enthält keine dunklen Ecken, was ihn für Spaziergänger recht sicher macht. Ein angenehmes Fleckchen Erde.

Fahren wir nun endlich ein kurzes Stück weiter auf der Hauptstraße, biegen wir die nächste links ab zur Burg in Neustadt/ Glewe. Mächtig die Mauern, kurios die Uhr. Wo andernorts mit dem Flaschenzug Lasten transportiert wurden, scheint hier die Uhr aufgehängt. Bei diesem Anblick bitte verweilen. Das Fahrzeug kann auf dem Parkplatz direkt vor der Burg abgestellt werden. Wer zu spät kommt, findet ein verschlossenes Tor vor.

Die Burg in Neustadt/ Glewe – Ort der Kunst

Plakat für die Grafik Nord 05 Grafikausstellung MVP
Grafik Nord 5, Grafikausstellung Mecklenburg-Vorpommern auf der Burg in Neustadt-Glewe. Mi-So 11-16 Uhr. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Durch das Tor gelangt man auf den hochliegenden Burghof, rechts und links geräumige Flügel. Der linke beherbergt das Restaurant, das gern für Feste gemietet wird. Geräumig, historisch, gute Küche. Wer nicht einkehren will, für den ist, wenn nicht wie am 7. Oktober gerade ein Fest gefeiert wird auch vor der Burg, Grafik das Zauberwort der Stunde. Mittwochs bis sonntags zwischen 11 und 16 Uhr nix wie hin zur Grafik Nord 05. Die überflüssige Null führen wir mal mit auf, vielleicht hat ja ein Schalkefan die Nummerierung mitbestimmt. Die Grafikausstellung Mecklenburg-Vorpommern ist in der Galerie auf der Burg zu sehen – noch bis 21. Oktober 2018.

Die Burg in Neustadt-Glewe ist auch bei wiederholtem Besuch ein freudeauslösender Ort. Sie lädt zum Flanieren und Einkehren ein. Bietet Architektur mit Überraschungen: die vierte Hofseite ist schlicht mit einer Mauer geschlossen. Bietet Kunst und Burgfeste. Ein feste Burg ist …

Wer nicht weiß wohin, hier ist ein schöner Ort. Es gibt einen Neustädter See und drei Naturschutzgebiete in der Stadt. Neben der Burg auch noch ein Schloss (von 1717). Einen Marktplatz und ein Rathaus. Hinten links eine Tankstelle, die rund um die Uhr geöffnet hat. Hinten rechts eine Autowerkstatt. Der Name der Werkstatt findet sich auf den Autokennzeichen wieder: STA-NG. Die anderen Wagen hier tragen regionale Nummernschilder. Auf dem Gelände der BMW-Werkstatt gibt es auch eine Telefonzelle – mit Wählscheibe! Sehenswürdigkeiten gibt es hier wirklich genug.

Glewe bedeutet ‚Stall‘ und hieß erst so, dann Neustadt-Glewe, dann sechs Jahrhunderte lang einfach nur Neustadt. Erst seit 1926 heißt es wieder so wie heute.

In der Umgebung liegt u.a. Wöbbelin, das man auch als Autobahnabfahrt kennt und die Landeshauptstadt Schwerin ist nur 30 Kilometer entfernt.

 




Gerngesehene Gäste. Feuerwehrleute auf dem Bürgerfest des Bundespräsidenten

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wenn die Presse bei der Feuerwehr zu Besuch ist, brennt es oft nicht. Beim Bürgerfest des Bundespräsidenten unter dem Motto „Zusammenstehen“ waren die Feuerwehrleute gerngesehene Gäste (und Presse auch vor Ort). Die Ehrengäste am Freitag waren Ehrenamtliche aus der ganzen Bundesrepublik Deutschland, darunter Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr. In Berlin gibt es Berufsfeuerwehrleute. In Städten wie Lüneburg sind die meisten Feuerwehrleute Freiwillige. Bei immerhin 75.000 Einwohnern gibt es gerade mal 12 festangestellte, die meisten davon in der Verwaltung. Gäbe es in der Metropole Nordostniedersachsens nur Berufsfeuerwehr, könnte wahrscheinlich nur ein (!) Löschfahrzeug besetzt werden. Die einzige erhaltene gebliebene Stadt der norddeutschen Backsteingotik wäre somit trotz guter Brandschutzvorschriften ständig in Gefahr, ein Raub der Flammen zu werden, gäbe es die freiwilligen Feuerwehren nicht.

Die Feuerwehrleute durften feiern, der Bundespräsident half beim Brandschutz

Damit die Feuerwehrmänner sich entspannen können, griff ihnen der erste Mann im Staate mehrfach unter die Arme. Zum einen erwähnte er sie lobend in seiner Rede. Einerseits generell als wertvolle Helfer und Schützer, anderseits konkret als Brandbekämpfer, Evakuierer und Retter bei dem großen Flächenbrand bei Treuenbrietzen. Der Waldbrand sorgte in Berlin tagelang für schlechte Luft und Brandgeruch. Fenster und Türen sollten geschlossen werden, Klimaanlagen abgeschaltet.

Zum anderen redete er unter dem aktuellen Motto „Zusammenstehen“ gegen die Brandstifter, die ja nicht alle Amri heißen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sparte sinnvoll Steuergelder und reduzierte Kohlendioxid

Unterstützt Bildung und Kultur: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im September 2018 im Garten seines Amtssitzes. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Schließlich sparte er sogar Steuergelder und Kohlendioxid, indem er das große Abschlussfeuerwerk am Freitag abend absagte. Vorbeugung ist das beste, nicht nur in der Gesundheit.

Die monatelange Trockenheit seit April erhöhte die Brandgefahr dermaßen, dass das Risiko, welches mit einem Feuerwerk verbunden ist, nicht eingegangen werden sollte. In der letzten Aprildekade waren deutschlandweit Temperaturen über 25 Grad erreicht worden. Rekord.

Trotzdem blieben sogar die ortsfremden Feuerwehrleute aus Rheinland-Pfalz, wie Präsident Frank Hachemer (im Bild links), in Bereitschaft und tranken lediglich Limonade und alkoholfreie Cocktails, während viele andere Gäste sich am Freibier und dem Freisekt labten.

Das Klima hat sich verschlechtert, auch bei den Feuerwehrleuten im Einsatz. Unverständliche Meckereien und Beschwerden über Lärmentwicklung müssen die Feuerwehrleute aushalten. Sie sind sogar sinnlosen Angriffen ausgesetzt! Das muss ein Ende haben, denn wir alle brauchen sie, die Feuerwehrleute.

Wer einmal in die Geschichte schaut und sich die Stadt Teltow anschaut, die einmal je Jahrhundert abbrannte, kann daraus lernen. Das heutige Berlin ist Groß-Berlin. Es besteht fast zur Hälfte aus dem nördlichen Teil des ehemaligen Teltowschen Kreises.




Theater Netzeband mit "Der Geizige" von Molière.

Geiz ist geil? – „Der Geizige“ von Molière im Theatersommer Netzeband

Netzeband, Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der seit 22 Jahren bestehende Theatersommer Netzeband ist längst kein Geheimtipp mehr, doch er reizt Zuschauer aus nah und fern durch seine außergewöhnliche Form – das Synchrontheater-Maskenspiel. Das ist Schauspiel, bei dem die Dialoge vorher aufgenommen sind und über Lautsprecher abgespielt werden (Aufnahmen: Matthias Richter). Die Schauspieler und Tänzer bewegen sich synchron zum Text, was den Vorteil hat, dass die Sprache nicht in der Tiefe des Gutsparks verhallt, sondern dass die Stimmen professioneller Sprecher dialektfrei, klar und deutlich zu hören sind – heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Dieser Kniff erlaubt es Laienschauspielern, ohne sprachliche Hemmnisse »über die Rampe» zu kommen. Noch besser ist: die Erfindung von Jürgen Heidenreich und Frank Matthus, die Darsteller Masken tragen zu lassen, scheitert nicht daran, dass die Sprache von der Maske verschluckt wird. Der Schauplatz ist der Gutspark unterhalb der Temnitzkirche.

Theater Netzeband mit "Der Geizige" von Molière.
Harpagnong und Valerie in „Der Geizige“ von Molière in Netzeband. © Theater Netzeband, Förderverein Temnitzkirche e.V., Foto: Veronika Zohova

In diesem Sommer gibt das Theater »Der Geizige» von Molière. Dies ist die Geschichte, wenn nicht die Karikatur, eines reichen Bourgeois, der krankhaft geizig ist, sein Geld versteckt und jedermann verdächtigt, den Schatz stehlen zu wollen. Sein größtes Problem sind seine Kinder Cleante und Elise, die im Gegensatz zu ihm gern das Geld zum Fenster hinauswerfen. Die will er an reiche Familien verheiraten, ohne selbst Mitgift zahlen zu müssen. Sie haben »natürlich» Geliebte ohne Vermögen und versuchen ununterbrochen, den Vater zu überlisten. Der gibt vor, selbst eine Wunschkandidatin seines Sohnes heiraten zu wollen. Endlose Intrigen, Verwechslungsspiele und neue Liaisons halten die Komödie am Laufen. Am Ende kriegt jeder den oder die, den oder die er will. Und der Alte ist ausmanövriert. Garniert wird das Spektakel mit einer Zirkus-Rahmengeschichte und mit Tanzeinlagen nach populären Schlagern. Es wird viel gerannt, getanzt und gezappelt, um die Story erträglich zu machen – ganz nach dem Geschmack der jungen Schauspieler aus Netzeband und Umgebung, die sich in der breiten Fläche ordentlich austoben können. Das wird von der Regisseurin Christine Hofer und ihrem Ensemble zur Freude des Publikums auch weidlich genutzt. Völlig überzogen ist das jedoch bei dem Geizigen, Harpagnon (Recardo Koppe), und anderen Hauptdarstellern, wo die Dialoge durch unmotiviertes Gezappel eher gestört als untermauert werden.

Die Masken von Dirk Seesemann sind durchweg phantasievoll und prägnant. Von neuem überrascht und beeindruckt das Verhältnis von Laien und Berufsschauspielern. Von 25 Schauspielern sind vier Profis (Daria Monciu, Uschi Schneider, Andreas Klein und Recardo Koppe). Ein Unterschied ist kaum zu erkennen. Die Sprecher sind perfekt. Der langjährige Technische Direktor Marc Hermann und sein Team leisten solide Arbeit. Es ist Volkstheater im besten Sinne.

Theater Netzeband mit "Der Geizige" von Molière.
Die Maske des Geizigen im Molière-Stück „Der Geizige“. © Theater Netzeband, Förderverein Temnitzkirche e.V., Foto: Veronika Zohova

Dennoch fragt man sich nach dem »Nährwert» des Stücks, denn die »Probleme», die Molières Figuren haben, waren in der feudalen Gesellschaft verwurzelt, und sie wurden von ihm als bürgerliche Habgier verspottet. Die Autoren des Programmhefts meinen, das Stück wäre ganz »für unsere Gegenwart geschrieben. Wenn wir Geiz geil finden und verschwenderischen Luxus für unser persönliches Anrecht halten, dann sind wir ein großer Teil des Problems dieser Welt.» Doch wer ist »wir»? Bestimmt nicht die Leute aus der Prignitz oder die jungen Schauspieler aus Netzeband, von denen sich die meisten gerade so über Wasser halten, wenn sie nicht gar abwandern, um irgendwo ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Man vermisst aber die früher in Netzeband sehr amüsant geübten Anspielungen auf heutige Verhältnisse, etwa das Problem Geiz und Habgier, heute personifiziert in den Finanzministern jeglicher politischer Couleur oder ihrer gemeingefährlichen Verkörperung im Staat, der die Bereicherung der Reichen und die Verarmung der Geringverdiener, der Arbeitslosen, Rentner und Kinder in großem Stil betreibt. Da hat die Regie Möglichkeiten verschenkt, auch wenn die Zuschauer sich mit einem schönen Klamauk begnügen. Der »Spielspaß im Mittelpunkt» (Hofer) genügt eben nicht.

Die Stückwahl der vergangenen Jahre vermittelt den Eindruck, im abgelegenen Netzeband käme eine Liebhaberei nach der anderen zum Zuge Da dürfen die Genies mal inszenieren, was sie sich schon lange gewünscht haben, »Peer Gynt» zum Beispiel oder Moliere. Seit Jahren frage ich, wo populäre Stücke aus der DDR bleiben, von Peter Hacks, Rudi Strahl, Volker Braun, Heiner Müller und anderen. Oder Dramatisierungen von Christa Wolfs Romanen, wie »Medea» in den Kammerspielen des Deutschen Theaters. Das wäre doch was für den Gutspark. Wenn Frank Matthus und Christine Hofer Moliere für aktuell halten, dann sind es Stücke aus der DDR allemal, schon wegen des Aha-Effekts, was man so erlebt hat und nun mit anderen Augen sieht. Zum Beispiel ist Heiner Müllers 1961 verbotene Komödie »Die Umsiedlerin oder das Leben auf dem Lande» heute ein revolutionäres Stück. Ein Lichtblick war im vergangenen Jahr »Der gute Mensch von Sezuan» von Bertolt Brecht, aber vorläufig ohne Weiterung.

Theater Netzeband mit "Der Geizige" von Molière.
Beeindruckende Bilder aus dem Stück „Der Geizige“ von Molière. © Theater Netzeband, Förderverein Temnitzkirche e.V., Foto: Veronika Zohova

Für 2019 ist angekündigt die Kriminalgeschichte »Erlenklipp» von Theodor Fontane, dramatisiert und inszeniert von Frank Matthus, zum 200. Geburtstag Fontanes für Netzeband naheliegend. Angesagt wird »der Widerstreit von Gut und Böse, von Gesetz und Gnade in mystischer Naturkulisse». Oh ja, da wäre doch zu beleuchten, wie das Amtsgericht Neuruppin und das Landgericht Neuruppin das Gesetz handhaben und wem sie Gnade erweisen und wem nicht (Stichwort Klassenjustiz). Wenn da mystische Hintergründe aufgeklärt würden, wäre das die Überschote.

Die Vorstellungen in Netzeband, einem Dorf im Nordwesten Brandenburgs, sind noch immer gut verkauft, auch wenn Preise von 28,50 bis 35 Euro kein Pappenstiel sind. Netzeband ist unverkrampft, doch auch mit viel bürgerschaftlichem und kommunalem Aufwand zum Theaterdorf geworden. Wenn es spät wird, findet der Gast gute Übernachtungen in den Märkischen Höfen, in der Pension zur Alten Schule, im Gutshaus Darsikow und in anderen Herbergen.

Anmerkungen:

Heute, am Samstag, den 1. September 2018, läuft ab 20.30 Uhr das Stück von Molière zum letzten Mal in diesem Theatersommer Netzeband im Gutspark unterhalb der Temnitzkirche.

Vorstehender Beitrag von Dr. Sigurd Schulze wurde unter dem Titel „Geiz ist geil? – Der Theatersommer Netzeband zeigt »Der Geizige» von Molière“ im WELTEXPRESS am 31. August 2018 erstveröffentlicht.




Der Yala Nationalpark von Sri Lanka.

Fotoreportage: Im Yala Nationalpark von Sri Lanka

Colombo, Sri Lanka (Weltexpress). Bilder aus dem Yala Nationalpark von Sri Lanka.

Mehr Text zu den Bildern im Beitrag Natur und Kultur in Sri Lanka – Von den Leoparden des Yala Nationalparks in den Bauch von Colombo von Dr. Bernd Kregel.




Sri Lanka

Natur und Kultur in Sri Lanka – Von den Leoparden des Yala Nationalparks in den Bauch von Colombo

Colombo, Sri Lanka (Kulturexpresso). Nach den Wirren des Bürgerkriegs arbeitet das Land mit Nachdruck an seiner erfolgreichen Zukunft.

Sri Lanka
Elefant im kühlenden Bad. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

„Der ist zu allem fähig!“ Parkranger Steuart, bestens vertraut mit der Körpersprache wilder Tiere, zeigt sich besorgt. Denn gerade baut sich ein mächtiger Elefantenbulle ohne Vorwarnung wie ein unüberwindbarer Sperrriegel vor dem Geländefahrzeug auf. Dabei hat er die großflächigen Ohren bedrohlich hoch aufgestellt und den Rüssel wie eine Spirale verdächtig nach innen gerollt. Ja, so muss wohl das Imponiergehabe eines Dickhäuters aussehen, der offenbar nur ungern eine Störung bei seiner Nahrungsaufnahme duldet. Oder will er etwa mit Nachdruck die Zweifel daran zerstreuen, wem in der hierarchischen Rangordnung innerhalb seines Territoriums die Spitzenposition zusteht?

Die Beobachter dieser ungewöhnlichen Szene im Yala Nationalpark von Sri Lanka stehen nun selbst unter Beobachtung. Kleinlaut und unauffällig rutschen sie immer tiefer in die Sitze ihres Fahrzeugs. Denn niemand der „Großwildjäger“ hinter den langen Objektiven kann jetzt noch ausschließen, dass die angespannte Stimmung weiter kippt. So dehnen sich die Minuten wie unter einer Zeitlupe. Doch niemand wagt es sich vorzustellen, wie diese Begegnung der anderen Art im Ernstfall ausgehen könnte.

Versteck des Leoparden

Sri Lanka
Leopardenversteck im Yala Nationalpark. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Nach dieser unfreiwilligen Mutprobe beschreibt Ranger Steuart die völlig gegensätzliche Vorgehensweise der hier lebenden Leoparden. Als Raubkatzen setzen sie nicht auf Imponiergehabe, sondern bevorzugen den Rückzug in die zerklüfteten Felsverstecke. Aus dem Verborgenen heraus planen sie unbemerkt ihren Überraschungsangriff, um sich anschließend in dem unwegsamen Gelände erneut in Sicherheit zu bringen. Nahezu unauffindbar.

Doch vielleicht nicht ganz. Denn ab und zu hinterlässt eines der Tiere seinen Tatzenabdruck am Wegrand und regt damit die Fantasie an. Mit intensivem Einsatz aller vorhandenen optischen Geräte beginnt nun die Suche nach weiteren Spuren, bis endlich, verborgen im fernen Felsgewirr, ein geflecktes Fell erkennbar wird. In der Tat ein glücklicher Augenblick und vielleicht sogar der Höhepunkt des Safari-Abenteuers!

Bauch von Colombo

Sri Lanka
Bank im Zentrum von Colombo. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Hatte die von der Raubkatze praktizierte Taktik des Verbergens und Überraschens nicht sogar eine Vorbildfunktion für alle, die in der jüngsten Geschichte des Landes ebenfalls auf einen strategischen Vorteil setzten? Denn offenbar imitierten die tamilischen Separatisten als „Befreiungstiger von Tamil Eelam“ während der blutigen Auseinandersetzungen diese Vorgehensweise. Allerdings ohne anhaltenden Erfolg! Denn der unselige Bürgerkrieg endete mit einem Sieg der Regierungstruppen über die Rebellen. Ein Aufatmen ging durch das Land und die politische Einheit Sri Lankas konnte nach den langen Jahren des Kampfes wiederhergestellt werden.

Mark Forbes, Stadtführer aus Leidenschaft, veranschaulicht am Beispiel der Hauptstadt Colombo, welche Erfolge stilvollen Wiederaufbaus dort während der kurzen Friedenszeit bereits zu verzeichnen sind. Da überrascht es wenig, dass sich in unmittelbarer Nähe des Zentrums am quirligen Hafenbecken das wirtschaftliche Leben der Stadt in buntem Treiben entfaltet. Zweifellos ist dies der „Bauch der Stadt“, der mit seinem reichhaltigen Angebot an Nahrungsmitteln kulinarische Maßstäbe setzt.

Baum der Erkenntnis

Sri Lanka
Felsenfestung Sigiriya Rock im Norden Sri Lankas. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Weniger hektisch geht es zu in der ehrwürdigen Stadt Anuradhapura im Norden des Landes. Über tausend Jahre lang war sie das Zentrum verschiedener singhalesischer Königsdynastien. So ist es auch heute ein Vergnügen, das Fluidum der alten religiösen Baudenkmäler in sich einzusaugen.

Oder aber die steilwandige Felsformationen des Pidurangala Rock zu besteigen. Oben angelangt, erschließt sich ein weiter Blick über die Ebene bis hinüber zum mächtigen Sigiriya Rock, wo im schützenden Halbdunkel der Felsnischen die legendären „Wolkenmädchen“ stets neue Bewunderung erwecken.

Sri Lanka
Wallfahrt zum Bodhibaum von Anuradhapura. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Spiritueller Höhepunkt der Region ist indes der älteste Bodhibaum des Landes, ein Ableger seines berühmten Vorgängers aus dem indischen Bodh Gaya. Er wurde hierher gebracht zur Erinnerung daran, dass in seinem Schatten der ehrwürdige Buddha einst zur Erkenntnis seiner religiösen Wahrheiten gelangt war: Einsichten über Leben und Leiden, über Endlichkeit und Nirwana. Eine Weltreligion mit eigenem Zuschnitt, die einst als Philosophie ihren Anfang nahm.

Exotische Akzente

Sri Lanka
Küstenformation am Indischen Ozean. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Und auch heute noch ist unverkennbar, wie sehr der Ort im Schatten des Heiligen Baumes religiös durchdrungen ist. Menschen strömen herbei, um mit Blumenspenden und kleinen Opfergaben den erwünschten Segen einzuholen. Symbolisch für die erhoffte spirituelle Kraft und die Erfüllung der persönlichen Wünsche stehen die kleinen Armbänder am Handgelenk, die jeder von hier aus gern mit nach Haus nimmt.

Im Anschluss an diese spirituellen Erfahrungen in einer fernöstlichen Welt locken die weißen Sandstrände, die rings um die Insel verteilt sind. Darunter die legendäre Südküste, an der sich Gäste wie Einheimische ein Stelldichein geben. Und dann sind da noch die verschwiegenen Zufluchtsstätten in ausgefallenen Landschaften. Versteckt vor neugierigen Blicken, dienen sie in den schönsten Landesteilen als Rückzugsorte für die Seele. Ja selbst im lebhaften Colombo hat sich eine dieser stilvollen Unterkünfte versteckt. Mit ihrer Ausstrahlung setzen sie exotische Akzente in einem mit neuem Selbstbewusstsein wiedererstehenden Sri Lanka.

Fotoreportagen

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Im Bauch von Colombo und in der  Fotoreportage: Im Yala Nationalpark von Sri Lanka von Dr. Bernd Kregel im KULTUREXPRESSO.

Reiseinformationen “Sri Lanka”

Sri Lanka
Blumengabe zum buddhistischen Feiertag. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Anreise: Günstig mit Qatar Airways ab Frankfurt am Main, Berlin, München über Doha nach Colombo; günstige Vorübernachtung z.B. am Flughafen München bei Novotel.

Einreise: Erforderlich ist ein noch mindestens 6 Monate gültiger Reisepass. Dazu ein Visum, das vorab als „Electronic Travel Authorization“ (ETA) im Online-Verfahren unter www.eta.gov.lkbeantragt werden sollte. Dabei anfallende Kosten ca. 30 US Dollar.

Reisezeit: Das Klima des kleinen Landes ist sehr vielfältig. Die beste Reisezeit ist Dezember bis April. Grundsätzlich kann das Land je nach Region auch zu den beiden Monsunzeiten (Südwest und Nordost) bereist werden.

Reiseveranstalter: Ausgefallene Reiserouten und Hotels bietet Tischler Reisen, Spezialist für individuelle Sri Lanka Reisen, E-Mail: urlaub@tischler-reisen.de, Telefon: 08821-93179652; z.B. „Ayubowan by Uga Escapes“, Privattour 9 Tage, Preis p.P. im DZ ab 2.383 Euro

Unterkunft: Traumhaft sind die Hotels von Uga Escapes, z.B. das „Ulagalla“ in Anuradhapura, das „Residence“ in Colombo oder das „Chena Huts“ am Yala Nationalpark.

AuskunftBotschaft von Sri Lanka, Niklasstrasse 19, 14163 Berlin, Telefon: 030-809097-49, Fax 57, E-Mail: info@srilanka-botschaft.de

Anmerkungen:

Vorstehender Beitrag von Dr. Bernd Kregel ist eine kürzere Fassung eines Beitrages, der unter dem Titel „Rückzugsorte für die Seele – Sri Lanka gestaltet sich neu“ am 25.5.2018 im WELTEXPRESS erstveröffentlicht wurde. Die Recherche wurde unterstützt von Tischler Reisen AG und Uga Escapes.




IGA Berlin 2017

Garten und Kunst am Rand der Stadt noch bis 15. Oktober 2017

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Gartenspektakel namens Internationale Gartenbauausstellung (IGA) am Rand der Großstadt Berlin neigt sich dem Ende entgegen. Ein paar Dutzend Tage, noch drei, vier Wochen, dann ist Sense im Gelände in Marzahn-Hellersdorf.

Kunst auf der IGA

Auf der IGA wird nicht nur gezeigt, was man an Produkte und Leistungen für Gärten kaufen und konsumieren kann, auch Kunst kommt auf dem 100 Hektar großen Gelände noch bis zum 15. Oktober 2017 dran.

Installationen

sind zu sehen wie das Spiegellabyrinth „Reflecting Gardens“ von Jeppe Hein, der „Los Angeles Garden“ von Martin Kaltwasser, die Skulptur- und Klanginstallation „Nicht alle Geschichten sind erzählt…“ von Anna Rispoli und die botanische Wunderkammer „Inside the Flower“ von Janet Laurence.

Performance-Projekte und Subbotnik-Spaziergänge und so weiter

Weitere Kunst wie das Performance-Projekt „Anspiel“ von Seraphina Lenz, die „Subbotnik“-Spaziergänge von Erik Göngrich, das „Unkrautlabor“ von Jeanne van Heeswijk, die Bienenskulptur „Factories“ von Michael Sailstorfer und die dauerhafte Klanginstallation „Grün Hören“ von Georg Klein waren nicht nur von der Seilbahn zu sehen wie auch der Stadtrand von Berlin, den dem manche Berliner meinen, man sei dort am Arsch der Stadt.

Lesung

Doch der wartet mit Weltstadtkunst auf. Das Humboldt Forum präsentiert am heutigen 3. Septem 2017 das Serial Lesung im Park, von 13 bis 14 Uhr mit Schauspieler Ulrich Matthes. Der in Berlin geborene Matthes liest im Saal der Empfänge des Orientalischen Gartens aus den Schriften von Alexander von Humboldt.

Konzert

Am 16. September von 20 bis 22 Uhr und 17. September von 15 bis 17Uhr inszeniert und dirigiert Christoph Hagel Carl Orffs Meisterwerk Carmina Burana. Das Konzert findet In The Garden in der Arena statt.

Soul-Varieté-Show

All Night Long heißt die Veranstaltung am 30. September 2017. Von 20 bis 22.30 Uhr präsentiert der Wintergarten Berlin eine Soul-Varieté-Show, ebenfalls in der Arena.




Hampstead

Wohin zum Wochenende? Gehen wir doch in den Hampstead Park! Im neuen Film erkämpft sich der brillante Brendan Gleeson sein Recht auf Wohnen und Leben, Diane Keaton hilft und wird belohnt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am Donnerstag startete frisch der neue Spielfilm von Joel Hopkins, „Hampstead Park“. Er spielt tatsächlich in einem Park in Hampstead, einem Londoner Stadtteil. Der deutsche Untertitel – „Aussicht auf Liebe“ – verrät eigentlich schon zu viel von dem, was Hopkins und das Drehbuch mit Diane Keaton und Brendan Gleeson vorhaben.

Beim Erhalt des Kinogenusses ganz oben steht, weder das Ende eines Films noch wichtige Wendungen zu verraten, wenn der oder die anderen das Werk noch nicht angeschaut haben. Zwar kann man aus der Regel „Happy End muss sein“, die für viele US-Streifen gilt, einige grobe Schlüsse ziehen, doch wie genau das Filmende aussieht, bleibt dennoch meist offen. Beweis dafür sind auch aktuelle Filme wie „Happy Family“ und „Happy End“ von Michael Haneke, die die Glückseligkeit gleich im Titel mitführen, fein anglisiert.
Die mittelmäßige Doppeldeutigkeit des Begriffs „Aussicht“ und die eindeutige Versprechung von Liebe, die besser eingelöst sein will, wenn man die Zuschauer bei der Stange halten will, machen eigentlich schon alles klar.

Ein schönes Paar (?)

Diane Keaton und Brendan Gleeson würden zwar, sollten sie tatsächlich zusammenfinden, ein heterosexuelles Paar, doch so etwas soll es ja heute mitunter immer noch geben. Auch das Alter passt, zudem bei Schauspielern, wo die Maske locker 20 Jahre in jede Richtung wettmachen kann.

Ohne Strom leben

Gleeson spielt einen Naturburschen, die ohne Strom überlebt, bequem und urig wohnt und niemandem was zuleide tut. Allerdings ist er nicht übermäßig umgänglich, was in England, zudem in Hauptstadt stark auffällt, mehr, als der deutsche Zuschauer vielleicht zunächst vermutet. Enge und starre Höflichkeitsregeln die ursprünglich einmal von Nutzen waren, haben sich in der modernen, sogar digitalen Welt und führen oft zu schrägen, unglücklichen Lebensentwürfen.
Die Figur, die der wunderbare Brendan Gleeson ausfüllt, will davon möglichst wenig wissen. Sie hat sich zurückgezogen, trauert und ist trotzdem wohl oft glücklich, vielleicht glücklicher als die Hamsterradumgebung. Sie genießt die Einsamkeit in der Natur, badet wie die Natur sie geschaffen hat und angelt vermutlich ohne Angelschein.
Der ethische Hintergrund scheint nicht kleiner, sondern größer als der der anderen Figuren, obwohl und auch weil diese den Hauptdarsteller gern mobben, ausgrenzen und als faulen Bettler beschimpfen.

Höf-lichkeit, gesellschaftliche Umgangsformen und ihre Grenzen

Die alte Hauptstadt London des Vereinigten Königreichs herrschte einst über das größte Weltreich der Weltgeschichte, ihre Stadtteile heißen Lewisham, Highgate oder Hampstead.
Vergangene Größe und Reichtum durch Kolonialismus und Flotte führt zum Festhalten an allerlei, teils überkommenen Traditionen.

Der Stadtteil Hampstead ist Teil des Bezirks Camden. Eine äußerst beliebte, grüne Wohngegend nördlich von Madame Tussaud’s, Zoo und Regent’s Park. Das Hamburg Englands: Nirgendwo wohnen mehr Millionäre. In den Parks – wie Hampstead Heath – gibt es verschiedene Badeteiche. Gleich nördlich zwei Golfclubs, den von Highgate und den Hampsteader.

Die Londoner City mit ihren teils jungen, reichen und frechen Bankern, die unter Umständen noch nie in ihrem Leben körperliche Arbeit oder Mangel kennenlernten, steht im äußersten Gegensatz zu den Geringstverdienern.

Welche Werte? Wessen Werte?

Demgegenüber, obwohl das nicht nötig wäre, scheinen andere Werte auf. Die Natur und ein anderer Umgang mit ihr, Ehrlichkeit und Treue, auch sich selbst gegenüber, Zuneigung.
Einzig die zum Schluss der Hauptperson angedichtete halbe Robin-Hood-Haltung ist überflüssig und stört.

Die Presse, Wohltätigskeitsorganisationen und (un-)soziale Medien spielen ihre nicht immer willkommene Rolle.

Gute Hauptdarsteller

Brendan Gleeson ist wieder einmal in seinem Element und Diane Keaton, die nicht immer Freude macht, hat hier mal eine schöne Rolle bekommen, in der sie glaubhaft Zerstreutheit, Gutmenschentum und Angepasstheit mit beginnender Auflehnung gegen dieselbe zeigen kann.

Insgesamt nett und sehenswert mit ein paar kleinen Einsprengseln für Selbstversorger.




Festspiele MV

Kleines Fest im großen Park – Open Air der Festspiele MV zum 23. Mal in Ludwigslust

Ludwigslust, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland (Kulturexpresso). Das laut Pressemitteilung der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern gGmbH vom 4. August 2017 startet in Kürze „das größte Open Air der Festspiele MV zum 23. Mal in Ludwigslust“.

Am Freitag, den 11. August 2017, und Samstag, den 12. August 2017, werden bei hoffentlich äußerlich annehmbaren sommerlichen Bedingungen „wieder Akrobaten und Artisten, Clowns und Komiker, Fantasiewesen und Musiker aus aller Welt erwartet“. Über eine Stunde vorher werden „die Pforten des malerischen Schlossparks“ geöffnet, „damit sich die Besucher auf den Wiesen vor dem Schloss zum Picknicken niederlassen können. Um 18 Uhr zieht der künstlerische Direktor Harald Böhlmann seinen Zylinder und eröffnet damit den Reigen an faszinierenden Vorstellungen auf fast 30 Bühnen im gesamten Park.“

Das Ende an beiden Abenden im großen Park werde laut Pressemitteilung durch „ein Feuerwerk“ eingeleitet.




Juan-les-Pins für Gourmets, Park- und Gartenliebhaber – Erstes Festival der Gärten an der Côte d’Azur

Juan-les-Pins, Frankreich (Kulturexpresso). Juan-les-Pins, das Seebad an der Côte d’Azur, gehört zur Gemeinde Antibes. Daher der Doppelname Antibes-Juan-les-Pins für zwei Orte an der traumhaft schönen Halbinsel Cap d’Antibes, mit dem legendären Hôtel du Cap-Eden-Roc, einem der teuersten Hotels der Welt, gelegen.

© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch
© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch

Die Gegend ist berühmt für ihre außergewöhnlich bezaubernden, öffentlich zugänglichen Parks und Gärten der Côte d’Azur. In Ergänzung hierzu – sozusagen als I-Tüpfelchen und Bonbon obendrauf – findet 2017 zum ersten Mal ein Wettbewerb statt: das Festival der Gärten, in dem Landschaftsgärtner aller Couleur ihre ausgefallenen zeitgenössischen Kompositionen und Attraktionen dem Publikum und einer Jury präsentieren.

In Antibes selbst gibt es zum Beispiel den Rosengarten der Villa Eilenroc zu bestaunen und den Botanischen Garten der Villa Thuret – alle auf der Halbinsel Cap d’Antibes gelegen.

Diese Halbinsel der Reichen, die gerne unter sich bleiben, ist felsig und verfügt nur über den Plage de la Garoupe mit kleinen Privatstränden.

Bekannt wurde Cap d`Antibes vor allem durch den  Roman Tender is the Night (Zährlich ist die Nacht) von F. Scott Fitzgerald.

Rosengarten der Villa Eilenroc (Fondation Beaumont)

© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch
© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch

Um 1860 herum gehörte es für die reichen Nordeuropäer zum guten Ton, sich eine Villa an der Côte d’Azur zuzulegen. Direkt neben der prächtigen Villa samt Garten des russischen Milliardärs Abramovic gelegen, befindet sich die in neoklassizistischem Stil erbaute Villa Eilenroc, heute im Besitz der Stadt Antibes. Ihr elf Hektar großer Garten, vom Landschaftsarchitekten Jacques Greber gestaltet, diente einst als repräsentativer Empfangsort von tout Côte d’Azur, die mit Luxusautomobilen vorfuhren. Heutzutage finden dort im Sommer Klassik-Open-Air-Konzerte mit Blick auf die Villa und das Meer statt. Ein Öko-Museum wurde angelegt und vor dem Rosengarten ein Duftgarten mit würzig riechenden Kräutern der Region. „1000 Rosenvarianten der Côte d’Azur sind im Rosengarten vertreten, die besonders gut und intensiv duften, wenn sie im Schatten stehen“, wie Thierry, der Gärtner erklärt. Er hat nicht zu viel versprochen. Die Düfte sind umwerfend, bezaubernd, noch nie gerochen und von vielfältigster Art. Hinter dem Rosengarten schließen sich ein Oliven-, Zitronen- und Orangenbaumhain an.
Ein 3,7 km langer, von der Villa ausgehender Panorama-Küstenwanderweg führt vom Cap d’Antibes und dem Strand der Villa Eilenroc zum Strand Anse de la Garoupe, wo einst Picasso seine Vormittage verbrachte, um sich mit Freunden zu treffen. Der Spaziergang lohnt sich auch für Gourmets, denn an dem Ort ist heute reich an Luxusrestaurants.

Pâtissier Cristian Cotard

Nach dem Besuch des Gartens empfiehlt sich ein Mittagessen im Pâtisserie-Restaurant La Closerie des berühmten Pâtissiers Christian Cotard in Antibes. Die verlockenden Angebote sind bezahlbar. Cotard richtete mit seiner Frau eine hübsche oasenartige Villa samt Kochschule ein, nicht zuletzt um seine preisgekrönte Pâtisserie zu verkosten. Auch Touristen können hier annäherungsweise das Handwerk des Chocolatiers-Pâtissiers erlernen. Hervorzuheben ist die Schokoladenkuchen-Komposition Fort carré, die das Fort Carré in Antibes widerspiegelt. „Eigentlich wollte ich ja etwas anderes werden“, flachst Christian Cotard, der dann doch in die Fußstapfen seines Vaters, ein berühmter Pâtisserie in Menton stieg.

Botanischer Garten Villa Thuret (Cap d‘Antibes)

© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch
© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch

Dieser herrliche, verwilderte riesige Garten auf einem Felsenvorsprung vor dem Meer, bereits von Berühmtheiten wie der Schriftstellerin Georges Sand gelobt, wurde vom Botanisten Gustave Thuret (von 1815 bis 1899) angelegt. Thuret, der 1869 korrespondierendes Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften wurde, ist in deutschsprachigen Landen vor allem als Forscher von Algen an der Atlantikküste bekannt. Die 1857 gegründete meeresbiologische Forschungsstation und der Jardin botanique de la Villa Thuret ist eine unter Park- und Gartenliebhabern weltweit bekannte Attraktion am Mittelmeer. 2500 exotische Baum- und -Sträucherarten des mediterranen Klimas wurden Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts gepflanzt um ihrer Seltenheit oder Geschichte willen. Heute wird der Garten vom Gartenbau-Institut Institut National de la Recherche Agronomique verwaltet und ist weiterhin ein Ort der wissenschaftlichen Forschung über Botanik und Akklimatisation. Hier wachsen unter anderem Mimosengewächse, große Eukalyptusbäume und „schüchternen“ Pinien. Mit schüchternen Pinien sind Pinienbäume gemeint, die einerseits eng zusammenstehend aufwachsen, sich andererseits in der Krone nicht berühren.

Juan-les-Pins – La Pinède Gould

© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch
© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch

Am Strand des einst mondänen Seebades voll von Künstlern, Reichen und Schönen, beim Pinienhain Pinède Gould, sind zeitlich begrenzte Installationen von Gartenvorschlägen im Rahmen des Festival des Jardins de la Côte d’Azur zu bestaunen: Les Ondées (Die Überflutung) von M. Vincent Capmartin trägt der Wasserknappheit der Region Rechnung. Unter einem schattenspendenden Dach tropft Regen herunter, der auf die aromatisch riechenden Sträucher und Blumen fällt und ihren Duft hierbei verstärkt. In den daneben installierten Bulles Encensées (das sind Duftkugeln aus Holzstreben) vom Kollektiv der Jardiniers nomades findet sich in mannshohen, licht- und sichtdurchlässigen Kugeln die Biodiversität der Region in Schalen präsentiert. Sitze geben Gelegenheit zum Genießen. Die Böden sind teils mit Teppichen aus Muscheln oder anderem Material belegt. Pinède Gould und M. Vincent Capmartin sind nur zwei von zahlreichen jungen, vielversprechenden Gärten- und Landschaftsarchitekten, die dem Zeitgeist Ausdruck verleihen und in Juan-les-Pins zu bestaunen sind.

Reisehinweise:

Anreise: Juan-les-Pins im Département Alpes-Maritimes ist über den Flughafen Nizza und die Autobahn A 8 zu erreichen. Eine TGV-Schnellzug-Haltestelle wurde neu angelegt, so dass die Anreise mit der Bahn flott und famos vonstatten geht.
Busse: Die Busse der Envibus, Linie 200, verbinden Antibes mit der näheren Umgebung Côte d’Azur nach Cannes und Nizza. Fahrpreis: 1,50 €

Übernachtung: Allen Budgetgrößen kann Genüge getan werden: von Campingplätzen und Jugendherberge bis zum 5-Sterne-Hotel.

Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde von Office de Tourisme und Congrès Antibes-Juan-les-Pins unterstützt.