Der Yala Nationalpark von Sri Lanka.

Fotoreportage: Im Yala Nationalpark von Sri Lanka

Colombo, Sri Lanka (Weltexpress). Bilder aus dem Yala Nationalpark von Sri Lanka.

Mehr Text zu den Bildern im Beitrag Natur und Kultur in Sri Lanka – Von den Leoparden des Yala Nationalparks in den Bauch von Colombo von Dr. Bernd Kregel.




Sri Lanka

Natur und Kultur in Sri Lanka – Von den Leoparden des Yala Nationalparks in den Bauch von Colombo

Colombo, Sri Lanka (Kulturexpresso). Nach den Wirren des Bürgerkriegs arbeitet das Land mit Nachdruck an seiner erfolgreichen Zukunft.

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Elefant im kühlenden Bad. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

„Der ist zu allem fähig!“ Parkranger Steuart, bestens vertraut mit der Körpersprache wilder Tiere, zeigt sich besorgt. Denn gerade baut sich ein mächtiger Elefantenbulle ohne Vorwarnung wie ein unüberwindbarer Sperrriegel vor dem Geländefahrzeug auf. Dabei hat er die großflächigen Ohren bedrohlich hoch aufgestellt und den Rüssel wie eine Spirale verdächtig nach innen gerollt. Ja, so muss wohl das Imponiergehabe eines Dickhäuters aussehen, der offenbar nur ungern eine Störung bei seiner Nahrungsaufnahme duldet. Oder will er etwa mit Nachdruck die Zweifel daran zerstreuen, wem in der hierarchischen Rangordnung innerhalb seines Territoriums die Spitzenposition zusteht?

Die Beobachter dieser ungewöhnlichen Szene im Yala Nationalpark von Sri Lanka stehen nun selbst unter Beobachtung. Kleinlaut und unauffällig rutschen sie immer tiefer in die Sitze ihres Fahrzeugs. Denn niemand der „Großwildjäger“ hinter den langen Objektiven kann jetzt noch ausschließen, dass die angespannte Stimmung weiter kippt. So dehnen sich die Minuten wie unter einer Zeitlupe. Doch niemand wagt es sich vorzustellen, wie diese Begegnung der anderen Art im Ernstfall ausgehen könnte.

Versteck des Leoparden

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Leopardenversteck im Yala Nationalpark. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Nach dieser unfreiwilligen Mutprobe beschreibt Ranger Steuart die völlig gegensätzliche Vorgehensweise der hier lebenden Leoparden. Als Raubkatzen setzen sie nicht auf Imponiergehabe, sondern bevorzugen den Rückzug in die zerklüfteten Felsverstecke. Aus dem Verborgenen heraus planen sie unbemerkt ihren Überraschungsangriff, um sich anschließend in dem unwegsamen Gelände erneut in Sicherheit zu bringen. Nahezu unauffindbar.

Doch vielleicht nicht ganz. Denn ab und zu hinterlässt eines der Tiere seinen Tatzenabdruck am Wegrand und regt damit die Fantasie an. Mit intensivem Einsatz aller vorhandenen optischen Geräte beginnt nun die Suche nach weiteren Spuren, bis endlich, verborgen im fernen Felsgewirr, ein geflecktes Fell erkennbar wird. In der Tat ein glücklicher Augenblick und vielleicht sogar der Höhepunkt des Safari-Abenteuers!

Bauch von Colombo

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Bank im Zentrum von Colombo. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Hatte die von der Raubkatze praktizierte Taktik des Verbergens und Überraschens nicht sogar eine Vorbildfunktion für alle, die in der jüngsten Geschichte des Landes ebenfalls auf einen strategischen Vorteil setzten? Denn offenbar imitierten die tamilischen Separatisten als „Befreiungstiger von Tamil Eelam“ während der blutigen Auseinandersetzungen diese Vorgehensweise. Allerdings ohne anhaltenden Erfolg! Denn der unselige Bürgerkrieg endete mit einem Sieg der Regierungstruppen über die Rebellen. Ein Aufatmen ging durch das Land und die politische Einheit Sri Lankas konnte nach den langen Jahren des Kampfes wiederhergestellt werden.

Mark Forbes, Stadtführer aus Leidenschaft, veranschaulicht am Beispiel der Hauptstadt Colombo, welche Erfolge stilvollen Wiederaufbaus dort während der kurzen Friedenszeit bereits zu verzeichnen sind. Da überrascht es wenig, dass sich in unmittelbarer Nähe des Zentrums am quirligen Hafenbecken das wirtschaftliche Leben der Stadt in buntem Treiben entfaltet. Zweifellos ist dies der „Bauch der Stadt“, der mit seinem reichhaltigen Angebot an Nahrungsmitteln kulinarische Maßstäbe setzt.

Baum der Erkenntnis

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Felsenfestung Sigiriya Rock im Norden Sri Lankas. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Weniger hektisch geht es zu in der ehrwürdigen Stadt Anuradhapura im Norden des Landes. Über tausend Jahre lang war sie das Zentrum verschiedener singhalesischer Königsdynastien. So ist es auch heute ein Vergnügen, das Fluidum der alten religiösen Baudenkmäler in sich einzusaugen.

Oder aber die steilwandige Felsformationen des Pidurangala Rock zu besteigen. Oben angelangt, erschließt sich ein weiter Blick über die Ebene bis hinüber zum mächtigen Sigiriya Rock, wo im schützenden Halbdunkel der Felsnischen die legendären „Wolkenmädchen“ stets neue Bewunderung erwecken.

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Wallfahrt zum Bodhibaum von Anuradhapura. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Spiritueller Höhepunkt der Region ist indes der älteste Bodhibaum des Landes, ein Ableger seines berühmten Vorgängers aus dem indischen Bodh Gaya. Er wurde hierher gebracht zur Erinnerung daran, dass in seinem Schatten der ehrwürdige Buddha einst zur Erkenntnis seiner religiösen Wahrheiten gelangt war: Einsichten über Leben und Leiden, über Endlichkeit und Nirwana. Eine Weltreligion mit eigenem Zuschnitt, die einst als Philosophie ihren Anfang nahm.

Exotische Akzente

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Küstenformation am Indischen Ozean. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Und auch heute noch ist unverkennbar, wie sehr der Ort im Schatten des Heiligen Baumes religiös durchdrungen ist. Menschen strömen herbei, um mit Blumenspenden und kleinen Opfergaben den erwünschten Segen einzuholen. Symbolisch für die erhoffte spirituelle Kraft und die Erfüllung der persönlichen Wünsche stehen die kleinen Armbänder am Handgelenk, die jeder von hier aus gern mit nach Haus nimmt.

Im Anschluss an diese spirituellen Erfahrungen in einer fernöstlichen Welt locken die weißen Sandstrände, die rings um die Insel verteilt sind. Darunter die legendäre Südküste, an der sich Gäste wie Einheimische ein Stelldichein geben. Und dann sind da noch die verschwiegenen Zufluchtsstätten in ausgefallenen Landschaften. Versteckt vor neugierigen Blicken, dienen sie in den schönsten Landesteilen als Rückzugsorte für die Seele. Ja selbst im lebhaften Colombo hat sich eine dieser stilvollen Unterkünfte versteckt. Mit ihrer Ausstrahlung setzen sie exotische Akzente in einem mit neuem Selbstbewusstsein wiedererstehenden Sri Lanka.

Fotoreportagen

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Im Bauch von Colombo und in der  Fotoreportage: Im Yala Nationalpark von Sri Lanka von Dr. Bernd Kregel im KULTUREXPRESSO.

Reiseinformationen “Sri Lanka”

Sri Lanka
Blumengabe zum buddhistischen Feiertag. © 2018, Foto: Dr. Bernd Kregel

Anreise: Günstig mit Qatar Airways ab Frankfurt am Main, Berlin, München über Doha nach Colombo; günstige Vorübernachtung z.B. am Flughafen München bei Novotel.

Einreise: Erforderlich ist ein noch mindestens 6 Monate gültiger Reisepass. Dazu ein Visum, das vorab als „Electronic Travel Authorization“ (ETA) im Online-Verfahren unter www.eta.gov.lkbeantragt werden sollte. Dabei anfallende Kosten ca. 30 US Dollar.

Reisezeit: Das Klima des kleinen Landes ist sehr vielfältig. Die beste Reisezeit ist Dezember bis April. Grundsätzlich kann das Land je nach Region auch zu den beiden Monsunzeiten (Südwest und Nordost) bereist werden.

Reiseveranstalter: Ausgefallene Reiserouten und Hotels bietet Tischler Reisen, Spezialist für individuelle Sri Lanka Reisen, E-Mail: urlaub@tischler-reisen.de, Telefon: 08821-93179652; z.B. „Ayubowan by Uga Escapes“, Privattour 9 Tage, Preis p.P. im DZ ab 2.383 Euro

Unterkunft: Traumhaft sind die Hotels von Uga Escapes, z.B. das „Ulagalla“ in Anuradhapura, das „Residence“ in Colombo oder das „Chena Huts“ am Yala Nationalpark.

AuskunftBotschaft von Sri Lanka, Niklasstrasse 19, 14163 Berlin, Telefon: 030-809097-49, Fax 57, E-Mail: info@srilanka-botschaft.de

Anmerkungen:

Vorstehender Beitrag von Dr. Bernd Kregel ist eine kürzere Fassung eines Beitrages, der unter dem Titel „Rückzugsorte für die Seele – Sri Lanka gestaltet sich neu“ am 25.5.2018 im WELTEXPRESS erstveröffentlicht wurde. Die Recherche wurde unterstützt von Tischler Reisen AG und Uga Escapes.




IGA Berlin 2017

Garten und Kunst am Rand der Stadt noch bis 15. Oktober 2017

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Gartenspektakel namens Internationale Gartenbauausstellung (IGA) am Rand der Großstadt Berlin neigt sich dem Ende entgegen. Ein paar Dutzend Tage, noch drei, vier Wochen, dann ist Sense im Gelände in Marzahn-Hellersdorf.

Kunst auf der IGA

Auf der IGA wird nicht nur gezeigt, was man an Produkte und Leistungen für Gärten kaufen und konsumieren kann, auch Kunst kommt auf dem 100 Hektar großen Gelände noch bis zum 15. Oktober 2017 dran.

Installationen

sind zu sehen wie das Spiegellabyrinth „Reflecting Gardens“ von Jeppe Hein, der „Los Angeles Garden“ von Martin Kaltwasser, die Skulptur- und Klanginstallation „Nicht alle Geschichten sind erzählt…“ von Anna Rispoli und die botanische Wunderkammer „Inside the Flower“ von Janet Laurence.

Performance-Projekte und Subbotnik-Spaziergänge und so weiter

Weitere Kunst wie das Performance-Projekt „Anspiel“ von Seraphina Lenz, die „Subbotnik“-Spaziergänge von Erik Göngrich, das „Unkrautlabor“ von Jeanne van Heeswijk, die Bienenskulptur „Factories“ von Michael Sailstorfer und die dauerhafte Klanginstallation „Grün Hören“ von Georg Klein waren nicht nur von der Seilbahn zu sehen wie auch der Stadtrand von Berlin, den dem manche Berliner meinen, man sei dort am Arsch der Stadt.

Lesung

Doch der wartet mit Weltstadtkunst auf. Das Humboldt Forum präsentiert am heutigen 3. Septem 2017 das Serial Lesung im Park, von 13 bis 14 Uhr mit Schauspieler Ulrich Matthes. Der in Berlin geborene Matthes liest im Saal der Empfänge des Orientalischen Gartens aus den Schriften von Alexander von Humboldt.

Konzert

Am 16. September von 20 bis 22 Uhr und 17. September von 15 bis 17Uhr inszeniert und dirigiert Christoph Hagel Carl Orffs Meisterwerk Carmina Burana. Das Konzert findet In The Garden in der Arena statt.

Soul-Varieté-Show

All Night Long heißt die Veranstaltung am 30. September 2017. Von 20 bis 22.30 Uhr präsentiert der Wintergarten Berlin eine Soul-Varieté-Show, ebenfalls in der Arena.




Hampstead

Wohin zum Wochenende? Gehen wir doch in den Hampstead Park! Im neuen Film erkämpft sich der brillante Brendan Gleeson sein Recht auf Wohnen und Leben, Diane Keaton hilft und wird belohnt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am Donnerstag startete frisch der neue Spielfilm von Joel Hopkins, „Hampstead Park“. Er spielt tatsächlich in einem Park in Hampstead, einem Londoner Stadtteil. Der deutsche Untertitel – „Aussicht auf Liebe“ – verrät eigentlich schon zu viel von dem, was Hopkins und das Drehbuch mit Diane Keaton und Brendan Gleeson vorhaben.

Beim Erhalt des Kinogenusses ganz oben steht, weder das Ende eines Films noch wichtige Wendungen zu verraten, wenn der oder die anderen das Werk noch nicht angeschaut haben. Zwar kann man aus der Regel „Happy End muss sein“, die für viele US-Streifen gilt, einige grobe Schlüsse ziehen, doch wie genau das Filmende aussieht, bleibt dennoch meist offen. Beweis dafür sind auch aktuelle Filme wie „Happy Family“ und „Happy End“ von Michael Haneke, die die Glückseligkeit gleich im Titel mitführen, fein anglisiert.
Die mittelmäßige Doppeldeutigkeit des Begriffs „Aussicht“ und die eindeutige Versprechung von Liebe, die besser eingelöst sein will, wenn man die Zuschauer bei der Stange halten will, machen eigentlich schon alles klar.

Ein schönes Paar (?)

Diane Keaton und Brendan Gleeson würden zwar, sollten sie tatsächlich zusammenfinden, ein heterosexuelles Paar, doch so etwas soll es ja heute mitunter immer noch geben. Auch das Alter passt, zudem bei Schauspielern, wo die Maske locker 20 Jahre in jede Richtung wettmachen kann.

Ohne Strom leben

Gleeson spielt einen Naturburschen, die ohne Strom überlebt, bequem und urig wohnt und niemandem was zuleide tut. Allerdings ist er nicht übermäßig umgänglich, was in England, zudem in Hauptstadt stark auffällt, mehr, als der deutsche Zuschauer vielleicht zunächst vermutet. Enge und starre Höflichkeitsregeln die ursprünglich einmal von Nutzen waren, haben sich in der modernen, sogar digitalen Welt und führen oft zu schrägen, unglücklichen Lebensentwürfen.
Die Figur, die der wunderbare Brendan Gleeson ausfüllt, will davon möglichst wenig wissen. Sie hat sich zurückgezogen, trauert und ist trotzdem wohl oft glücklich, vielleicht glücklicher als die Hamsterradumgebung. Sie genießt die Einsamkeit in der Natur, badet wie die Natur sie geschaffen hat und angelt vermutlich ohne Angelschein.
Der ethische Hintergrund scheint nicht kleiner, sondern größer als der der anderen Figuren, obwohl und auch weil diese den Hauptdarsteller gern mobben, ausgrenzen und als faulen Bettler beschimpfen.

Höf-lichkeit, gesellschaftliche Umgangsformen und ihre Grenzen

Die alte Hauptstadt London des Vereinigten Königreichs herrschte einst über das größte Weltreich der Weltgeschichte, ihre Stadtteile heißen Lewisham, Highgate oder Hampstead.
Vergangene Größe und Reichtum durch Kolonialismus und Flotte führt zum Festhalten an allerlei, teils überkommenen Traditionen.

Der Stadtteil Hampstead ist Teil des Bezirks Camden. Eine äußerst beliebte, grüne Wohngegend nördlich von Madame Tussaud’s, Zoo und Regent’s Park. Das Hamburg Englands: Nirgendwo wohnen mehr Millionäre. In den Parks – wie Hampstead Heath – gibt es verschiedene Badeteiche. Gleich nördlich zwei Golfclubs, den von Highgate und den Hampsteader.

Die Londoner City mit ihren teils jungen, reichen und frechen Bankern, die unter Umständen noch nie in ihrem Leben körperliche Arbeit oder Mangel kennenlernten, steht im äußersten Gegensatz zu den Geringstverdienern.

Welche Werte? Wessen Werte?

Demgegenüber, obwohl das nicht nötig wäre, scheinen andere Werte auf. Die Natur und ein anderer Umgang mit ihr, Ehrlichkeit und Treue, auch sich selbst gegenüber, Zuneigung.
Einzig die zum Schluss der Hauptperson angedichtete halbe Robin-Hood-Haltung ist überflüssig und stört.

Die Presse, Wohltätigskeitsorganisationen und (un-)soziale Medien spielen ihre nicht immer willkommene Rolle.

Gute Hauptdarsteller

Brendan Gleeson ist wieder einmal in seinem Element und Diane Keaton, die nicht immer Freude macht, hat hier mal eine schöne Rolle bekommen, in der sie glaubhaft Zerstreutheit, Gutmenschentum und Angepasstheit mit beginnender Auflehnung gegen dieselbe zeigen kann.

Insgesamt nett und sehenswert mit ein paar kleinen Einsprengseln für Selbstversorger.




Festspiele MV

Kleines Fest im großen Park – Open Air der Festspiele MV zum 23. Mal in Ludwigslust

Ludwigslust, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland (Kulturexpresso). Das laut Pressemitteilung der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern gGmbH vom 4. August 2017 startet in Kürze „das größte Open Air der Festspiele MV zum 23. Mal in Ludwigslust“.

Am Freitag, den 11. August 2017, und Samstag, den 12. August 2017, werden bei hoffentlich äußerlich annehmbaren sommerlichen Bedingungen „wieder Akrobaten und Artisten, Clowns und Komiker, Fantasiewesen und Musiker aus aller Welt erwartet“. Über eine Stunde vorher werden „die Pforten des malerischen Schlossparks“ geöffnet, „damit sich die Besucher auf den Wiesen vor dem Schloss zum Picknicken niederlassen können. Um 18 Uhr zieht der künstlerische Direktor Harald Böhlmann seinen Zylinder und eröffnet damit den Reigen an faszinierenden Vorstellungen auf fast 30 Bühnen im gesamten Park.“

Das Ende an beiden Abenden im großen Park werde laut Pressemitteilung durch „ein Feuerwerk“ eingeleitet.




Juan-les-Pins für Gourmets, Park- und Gartenliebhaber – Erstes Festival der Gärten an der Côte d’Azur

Juan-les-Pins, Frankreich (Kulturexpresso). Juan-les-Pins, das Seebad an der Côte d’Azur, gehört zur Gemeinde Antibes. Daher der Doppelname Antibes-Juan-les-Pins für zwei Orte an der traumhaft schönen Halbinsel Cap d’Antibes, mit dem legendären Hôtel du Cap-Eden-Roc, einem der teuersten Hotels der Welt, gelegen.

© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch
© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch

Die Gegend ist berühmt für ihre außergewöhnlich bezaubernden, öffentlich zugänglichen Parks und Gärten der Côte d’Azur. In Ergänzung hierzu – sozusagen als I-Tüpfelchen und Bonbon obendrauf – findet 2017 zum ersten Mal ein Wettbewerb statt: das Festival der Gärten, in dem Landschaftsgärtner aller Couleur ihre ausgefallenen zeitgenössischen Kompositionen und Attraktionen dem Publikum und einer Jury präsentieren.

In Antibes selbst gibt es zum Beispiel den Rosengarten der Villa Eilenroc zu bestaunen und den Botanischen Garten der Villa Thuret – alle auf der Halbinsel Cap d’Antibes gelegen.

Diese Halbinsel der Reichen, die gerne unter sich bleiben, ist felsig und verfügt nur über den Plage de la Garoupe mit kleinen Privatstränden.

Bekannt wurde Cap d`Antibes vor allem durch den  Roman Tender is the Night (Zährlich ist die Nacht) von F. Scott Fitzgerald.

Rosengarten der Villa Eilenroc (Fondation Beaumont)

© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch
© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch

Um 1860 herum gehörte es für die reichen Nordeuropäer zum guten Ton, sich eine Villa an der Côte d’Azur zuzulegen. Direkt neben der prächtigen Villa samt Garten des russischen Milliardärs Abramovic gelegen, befindet sich die in neoklassizistischem Stil erbaute Villa Eilenroc, heute im Besitz der Stadt Antibes. Ihr elf Hektar großer Garten, vom Landschaftsarchitekten Jacques Greber gestaltet, diente einst als repräsentativer Empfangsort von tout Côte d’Azur, die mit Luxusautomobilen vorfuhren. Heutzutage finden dort im Sommer Klassik-Open-Air-Konzerte mit Blick auf die Villa und das Meer statt. Ein Öko-Museum wurde angelegt und vor dem Rosengarten ein Duftgarten mit würzig riechenden Kräutern der Region. „1000 Rosenvarianten der Côte d’Azur sind im Rosengarten vertreten, die besonders gut und intensiv duften, wenn sie im Schatten stehen“, wie Thierry, der Gärtner erklärt. Er hat nicht zu viel versprochen. Die Düfte sind umwerfend, bezaubernd, noch nie gerochen und von vielfältigster Art. Hinter dem Rosengarten schließen sich ein Oliven-, Zitronen- und Orangenbaumhain an.
Ein 3,7 km langer, von der Villa ausgehender Panorama-Küstenwanderweg führt vom Cap d’Antibes und dem Strand der Villa Eilenroc zum Strand Anse de la Garoupe, wo einst Picasso seine Vormittage verbrachte, um sich mit Freunden zu treffen. Der Spaziergang lohnt sich auch für Gourmets, denn an dem Ort ist heute reich an Luxusrestaurants.

Pâtissier Cristian Cotard

Nach dem Besuch des Gartens empfiehlt sich ein Mittagessen im Pâtisserie-Restaurant La Closerie des berühmten Pâtissiers Christian Cotard in Antibes. Die verlockenden Angebote sind bezahlbar. Cotard richtete mit seiner Frau eine hübsche oasenartige Villa samt Kochschule ein, nicht zuletzt um seine preisgekrönte Pâtisserie zu verkosten. Auch Touristen können hier annäherungsweise das Handwerk des Chocolatiers-Pâtissiers erlernen. Hervorzuheben ist die Schokoladenkuchen-Komposition Fort carré, die das Fort Carré in Antibes widerspiegelt. „Eigentlich wollte ich ja etwas anderes werden“, flachst Christian Cotard, der dann doch in die Fußstapfen seines Vaters, ein berühmter Pâtisserie in Menton stieg.

Botanischer Garten Villa Thuret (Cap d‘Antibes)

© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch
© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch

Dieser herrliche, verwilderte riesige Garten auf einem Felsenvorsprung vor dem Meer, bereits von Berühmtheiten wie der Schriftstellerin Georges Sand gelobt, wurde vom Botanisten Gustave Thuret (von 1815 bis 1899) angelegt. Thuret, der 1869 korrespondierendes Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften wurde, ist in deutschsprachigen Landen vor allem als Forscher von Algen an der Atlantikküste bekannt. Die 1857 gegründete meeresbiologische Forschungsstation und der Jardin botanique de la Villa Thuret ist eine unter Park- und Gartenliebhabern weltweit bekannte Attraktion am Mittelmeer. 2500 exotische Baum- und -Sträucherarten des mediterranen Klimas wurden Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts gepflanzt um ihrer Seltenheit oder Geschichte willen. Heute wird der Garten vom Gartenbau-Institut Institut National de la Recherche Agronomique verwaltet und ist weiterhin ein Ort der wissenschaftlichen Forschung über Botanik und Akklimatisation. Hier wachsen unter anderem Mimosengewächse, große Eukalyptusbäume und „schüchternen“ Pinien. Mit schüchternen Pinien sind Pinienbäume gemeint, die einerseits eng zusammenstehend aufwachsen, sich andererseits in der Krone nicht berühren.

Juan-les-Pins – La Pinède Gould

© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch
© 2017, Münzenberg Medien, Foto: Eva-Maria Koch

Am Strand des einst mondänen Seebades voll von Künstlern, Reichen und Schönen, beim Pinienhain Pinède Gould, sind zeitlich begrenzte Installationen von Gartenvorschlägen im Rahmen des Festival des Jardins de la Côte d’Azur zu bestaunen: Les Ondées (Die Überflutung) von M. Vincent Capmartin trägt der Wasserknappheit der Region Rechnung. Unter einem schattenspendenden Dach tropft Regen herunter, der auf die aromatisch riechenden Sträucher und Blumen fällt und ihren Duft hierbei verstärkt. In den daneben installierten Bulles Encensées (das sind Duftkugeln aus Holzstreben) vom Kollektiv der Jardiniers nomades findet sich in mannshohen, licht- und sichtdurchlässigen Kugeln die Biodiversität der Region in Schalen präsentiert. Sitze geben Gelegenheit zum Genießen. Die Böden sind teils mit Teppichen aus Muscheln oder anderem Material belegt. Pinède Gould und M. Vincent Capmartin sind nur zwei von zahlreichen jungen, vielversprechenden Gärten- und Landschaftsarchitekten, die dem Zeitgeist Ausdruck verleihen und in Juan-les-Pins zu bestaunen sind.

Reisehinweise:

Anreise: Juan-les-Pins im Département Alpes-Maritimes ist über den Flughafen Nizza und die Autobahn A 8 zu erreichen. Eine TGV-Schnellzug-Haltestelle wurde neu angelegt, so dass die Anreise mit der Bahn flott und famos vonstatten geht.
Busse: Die Busse der Envibus, Linie 200, verbinden Antibes mit der näheren Umgebung Côte d’Azur nach Cannes und Nizza. Fahrpreis: 1,50 €

Übernachtung: Allen Budgetgrößen kann Genüge getan werden: von Campingplätzen und Jugendherberge bis zum 5-Sterne-Hotel.

Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde von Office de Tourisme und Congrès Antibes-Juan-les-Pins unterstützt.