Lockerungen für Berliner Gastronomie: bis zu sechs Gäste an einem Tisch

2
189
Ein Restaurant im Berliner Szene-Bezirk Prenzlauer Berg Nähe Helmholtzplatz. © Copyright Photo/BU: Andreas Hagemoser, 2020

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Senat des Stadtstaats hat soeben Lockerungen für die Berliner Gastronomie beschlossen. Wie nach einer Senatssitzung am Dienstagnachmittag bekannt wurde, dürfen in Zukunft bis zu 6 Gäste an einem Tisch sitzen, selbst wenn der Mindestabstand von anderthalb Metern nicht eingehalten werden kann. Die Infektionsschutzverordnung soll dementsprechend geändert werden. Bisher war es ja so, dass in den Gaststätten die Stühle so stehen mussten, dass zwischen den Gästen ein Mindestabstand von 1,5 Metern gewährleistet ist. Ausnahmen gab es für Haushaltsangehörige und Lebenspartner.

Zu kompliziert, zu eng. Die Regelungen. Fanden die Wirte. Ihnen gingen die Regelungen zu weit. Auch die Tische standen für die Unternehmer zu weit auseinander. Seit Wochen redet der Gaststättenverband Dehoga mit der Wirtschaftsverwaltung der Hauptstadt und der Stadtregierung. Die aktuell niedrigen Zahlen (unter 295) und die dreimal grüne Ampel ließen es geboten erscheinen, dem Drängen der Wirtschaft nachzugeben.

Auf die Dauer können die von Bund und Land ausgeschütteten Geldgeschenke und Kredite nur wieder durch Steuern in den Staatssäckel zurückkommen; andernfalls wären die Bürger und Steuerzahler dauerhaft in der Schuldenfalle gefangen. Irgendwo muss also Geld auch real verdient werden, nicht nur im E-Commerce. Die größte Wirtschaftskrise des Jahrhunderts von im übrigen ja weltweitem Ausmaß kann nur enden, wenn die Wirtschaft wieder wirtschaften darf. Für die Gastronomie heißt das: Dass man wieder in die Wirtschaft darf. Sonst ist der Bestand der Gastwirtschaften gefährdet. In der Gastwirtschaft wie in dem Wort steht der Gast an erster Stelle, doch dann kommt der wirtschaftliche Aspekt. Mit einem abgespeckten Einlass ist auf Dauer kein Blumentopf zu gewinnen.

Bereits im zweiten Quartal gaben viele Gastronomen auf, mehrere Gaststätten wechselten während der Schließphase zwischen Mitte März und Mitte Mai den Besitzer. Kneipen waren bis 2. Juni zu.

Party machen unter freiem Himmel soll einfacher werden

Essen gehen unter freiem Himmel ist jedenfalls immer noch sicherer als in geschlossenen Räumen.

Parties, zu deutsch Partys, sollen leichter organisiert werden können. Wie unter anderem Dominik Bath in der Berliner Morgenpost am Mittag berichtete, schrieb Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis 90/ Die Grünen) einen Brief an die Bezirksbürgermeister. Die Bezirke sollen geeignete Flächen für Freiluft-Veranstaltungen freigeben. Frei-, Grün- und Brachflächen, Straßen, Plätze und vielleicht auch Sportplätze sollen aufgemacht werden und zur Verfügung gestellt. Feiern, feiern, feiern. Zieht man das ‚r‘ vor, werden daraus ‚Ferien‘. Noch dauern diese in der Hauptstadt an. Damit die Zeit nach Ferienende für Clubs, Veranstalter und Feiervolk nicht zu leidvoll werde, und die Steuereinnahmen nicht ausbleiben – oder sich wie bei ‚wilden‘ Partys wie in der Neuköllner Hasenheide auf die MWSt. beschränken, heißt es jetzt: Vorfahrt für Open-Air! Outdoor vor Indoor! Yeah!

Die Clubszene ist in der Existenz bedroht. Pop: „Berlin vermisst“ ihre „vielfältige Clubszene“. Dieser soll mit dem Outdoorfeiern mit Musik zaghaft, aber schnell auf die Beine geholfen werden, bevor die warme Jahreszeit vorbei ist. Bier, Limonaden und Steuereinnahmen sollen sprudeln, „ausufernde, illegale Feiern“ eingedämmt werden.

Ferien und Feiern im Freien. Drei Anagramme mit sechs Buchstaben – einziger Unterschied; Der R-Wert. Alles klingt nach Spaß – ein Zufall?

Ein weiterer Aspekt soll sein, dass Schreckensbilder wie aus Stuttgart und Frankfurt am Main verhindert werden sollen. In ersterem Fall führte eine Streitschlichtung seitens der Polizei zu Angriffen von Danebenstehenden. Mehrere Dutzend Beamte wurden verletzt, Schaufenster wurden zerstört, Geschäfte geplündert. In Hessen mussten mehrere Dutzend Menschen festgenommen werden, inzwischen sind alle wieder auf freiem Fuß.

Andere Senatsbeschlüsse vom Dienstag: Saunas etc.

Sport wird erleichtert, auch Kontaktsport*. Damit werden auch immer mehr Sportgaststätten öffnen. Saunas bleiben weiterhin geschlossen. Ausnahme: Trockensaunen. Andere bisher geschlossene Etablissements auch bleiben weiterhin zu. Für den Rotlichtbezirk bleibt die Ampel auf rot, auch wenn die Coronaampeln auf grün stehen.

In der BM ist weiter zu lesen:* „Tanzen ist für feste Tanzpaare wieder gestattet genau wie die Nutzung von Segel- und Ruderbooten sowie Kanus zu Sportzwecken. Die Änderungen sollen zum Wochenende Woche in Kraft treten“, wie Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) im Anschluss an die Senatssitzung ankündigte.

Wo man in Berlin am Wasser Frischluft atmen und gut bei Auswahl zwischen mehreren Restaurants essen kann:

Wie das mit den Regeln vor kurzem war, stand im Kulturexpresso:

Lockerungen für Berliner Gastronomie: Party Locations im Freien, reale und geplante

4 Outdoor-Locations = Orte im Freien, die jetzt gerade zum gemeinsamen Tanzen und Musikhören beliebt sind: die Hasenheide (Neukölln), Gleisdreieck (Schöneberg), Mauerpark (Mitte) und der Treptower Park.

+ 4 Von der Clubcommission („Dachverband“ des Discos und Clubs) vorgeschlagene Orte, deren Namen Ramona Pop an die Bürgermeister der Berliner Bezirke weiterleitete zwecks Abklopfung und Genehmigungsbeschleunigung, bevor es draußen wieder kalt wird:

– Ein Gelände im westlichen Bezirk Spandau: Am Juliusturm; dieser ist abseits von Wohngebieten nahe einer großen Straße und Gewerbegebieten, Lärmbelästigung von Anwohnern also reduziert. Der Juliusturm in der Spandauer Zitadelle überblickt die historische Freiluftkonzert-Location.

– Britzer Hafensteg; Britz ist ein Ortsteil von Berlin-Neukölln. Der Hafensteg ist ein Fußweg und eine Brücke von West nach Ost. Günstig gelegen für abgesperrte Veranstaltungen, da leicht abriegelbar ohne viele neue Zäune. Guter Lärmschutz. Der Hafen Britz Ost liegt an einem Wasserstraßenkreuz. Hier treffen sich Britzer Stichkanal, Neuköllner Verbindungskanal (zum Landwehrkanal) und Teltowkanal. Da Binnenhäfen meist Massengut transportieren oder schwere, nicht verderbliche Güter, die in der Nähe gelagert und verarbeitet oder von dort weitertransportiert werden, ist ein Hafen regelmäßig Gewerbegebiet ohne Wohnungen außer für Hausmeister und andere Dienstunterkünfte. In Britz gibt es in Hafennähe zum Beispiel Papier- und Blechverarbeitung. Nördlich und östlich liegen die Autobahnen A100 und A113, westlich ein Friedhof, südlich eine Schule. Östlich der A113 nutzen unter anderem die Stadtreinigung und Märkisches Landbrot Flächen. Weit und breit keine Wohnhäuser.

– Volkspark Jungfernheide in Charlottenburg-Wilmersdorf, Ortsteil Charlottenburg-Nord. Ein eigentlich ganz hübscher Park mit kleinem Gewässer, der sehr unter Verkehrslärm litt (Straßen, Autobahnen, Flughafen), weshalb Moabiter lieber in den überfüllten Tiergarten auswichen, der leider von Verkehrsachsen durchschnitten ist. Parkbesucher wünschen sich: Kauft Elektroautos!

– Skatepark Kienberg in Marzahn-Hellersdorf mit Flüsschen Wuhle und viel Grün drumherum.

Anzeige

2 KOMMENTARE