Lecker, vegetarisch und vegan: Kanaan. Nahöstlich-mediterrane Vielfalt

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Keine halben Sachen im vegetarisch-veganen Restaurant Kanaan. © Copyright Photo/BU: Andreas Hagemoser, 2020

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Kanaan. Der Name des Restaurants kommt aus biblischen Zeiten. Er bezeichnet das Land zwischen Mittelmeer und Jordan. Es ist nicht groß und doch sind die Traditionen vielfältig. Israelische und palästinensische Küche verwenden teils gleiche Zutaten und ergänzen sich dennoch. In einem Restaurant findet man beide Strömungen selten. Sehr selten. Denn Israelis und Palästinenser streiten sich in Berlin nur darum, wer das Hummus erfunden hat und wer es besser kann. In Asien geht es da manchmal schon mit härteren Bandagen zur Sache.

Umso löblicher, dass in der Stadt, in der 1945 der Endkampf tobte und in der man sich danach schwor „nie wieder Krieg!“ ein Israeli und ein Palästinenser gemeinsame Sache machen. Es wird gekocht, serviert, Tahin verkauft, eine Sesampaste. Zusammenarbeit. Und auch sonst wird Rassismus und ähnlichem Chauvinismus kein Platz gelassen.

Doch hier soll es erst einmal um das gehen, was auf den Tisch kommt.

Vegetarier sind friedlicher als andere, sagt man. Sie jagen meist keine Tiere, sie schlachten nicht und essen noch nicht einmal das, was andere so töteten. Dafür werden sie von Gourmets manchmal belächelt, verzichten sie doch freiwillig auf eine ganze Bandbreite von Nahrungsmitteln. Doch sollte man nicht vergessen, dass nicht nur Vegetarier in vegetarische Restaurants gehen. Zürich ist ein Beispiel dafür, dass vegetarisch essen salonfähig ist, auch bei Feinschmeckern.

Hummus sehr frisch – Aushängeschild des Kanaan

2 Sorten Hummus: arabisch und israelisch. Welcher ist welcher? © Copyright Photo/BU: Andreas Hagemoser, 2020

Wir wollen wissen, wie es in Berlin damit aussieht. Zunächst einmal imponiert die Frische. Hummus wird gleich mehrmals am Tag frisch angerichtet. Das ist Arbeit und Arbeitskräfte kosten Geld. Als man anfing, berichtet Oz Ben David, einer der Chefs, hatten alle davon abgeraten, frischen Hummus anzubieten, zu teuer. Den gäbe es ja für den halben Preis im Kühlregal der Supermärkte. Da gibt es auch sonst allerlei. Aber nicht so frisch. Auch sollte man in Berlin in der kalten Jahreszeit kein Restaurant aufmachen. Man wagte es dennoch und hatte recht.

In der Kopenhagener Straße bildeten sich vor fünf Jahren Schlangen. Man hatte anfänglich kein Geld für Teller und behalf sich, aber das Hummus war frisch. Der Slogan oder die Tagline des Kanaan ist denn auch „Best hummus in Town“ – „das beste Hummus der Stadt“. Ein hoher Anspruch, nichtsdestotrotz. So frisch wie hier – im November zog das Kanaan in die Schliemannstraße – ist es anderswo jedoch nur selten. Und:

Der Slogan des Kanaans. © Copyright Photo/BU: Andreas Hagemoser, 2020

Wo erhält man in einem Restaurant frischen israelischen und palästinensischen Hummus? Der arabische Hummus ist auch im Libanon wässriger und enthält beigemischte Zutaten wie Knoblauch. Israelischer Hummus ist fester, die Zutaten werden nachträglich bei- oder aufgelegt oder -geträufelt oder -gestreut. Das in Kürze. Der Service im Restaurant kann das noch besser beschreiben und gibt gern Auskunft. Freundlichkeit, Spaß bei der Arbeit und Freude sowie Stolz auf die eigenen Erzeugnisse findet man hier im Restaurant Kanaan in der Schliemannstraße in Prenzlauer Berg. Letztlich kann man wohl sonst nirgends so hautnah den Unterschied probieren und sogleich erschmecken.

Hauptspeisen

Gegrillte Aubergine mit Hummus, ein Hauptgericht im Kanaan. © Copyright Photo/BU: Andreas Hagemoser, 2020

Wer vom Hummus gar nicht genug kriegen kann, wählt als Hauptgang gegrillte Aubergine. Vorzüglich. Wenn gegrilltes Gemüse aus dem Glas schon wohlschmeckend sein kann, kann man sich vielleicht vorstellen – oder auch nicht – wie gut es frisch schmeckt. Und immer mit der Sicherheit für Vegetarier, dass alles koscher ist. In der Hinsicht. Veganer haben vielleicht Gesprächsbedarf und erhalten, wie gesagt, gern und kompetent Auskunft.

Hauptgericht gefülltes Gemüse. Der Deckel der gefüllten Tomate lässt sich abnehmen. © Copyright Photo/BU: Andreas Hagemoser, 2020

Wir waren neugierig und probierten auch das gefüllte Gemüse, zunächst angezogen von den Weinblättern. Doch die gefüllte Zwiebel ist noch besser. Unser Höhepunkt jedoch: Die gefüllte Tomate. Zunächst einmal erwischten wir einen Tomatendeckel mit Griff. Zwischendurch musste immer wieder etwas notiert werden. Flugs den Deckel geschlossen, damit der Inhalt warmbliebe. Zudem auf den zahlreichen Außenplätzen auf denen die gesunde frische Luft genossen werden konnte. Bis zum Boden verglaste und zu öffnende Terrassentüren lassen es zu, dass Frischluftfanatiker und Wärmebedürftige einer mittelgroßen Gruppe „zusammen“sitzen können und beide zu ihrem Recht kommen.

An der Füllung der Tomate ist ein Geheimrezept der Großmutter Oz Ben Davids beteiligt und die Gewürzmischung Baharat.

Die Schliemannstraße ist nördlich und in der Nähe des Helmholtzplatzes angenehm ruhig. Nach eingetretener Sättigung bietet sich eine Platzumrundung an, nachdem man anschließend zum Beispiel des südlichen Teil des Schliemannstraße Richtung Danziger beschreitet, Richtung Straßenbahn M10 oder Kulturbrauerei. Die Tramhaltestelle heißt Husemannstraße, vom oder zum U-Bahnhof Eberswalder kann man auch laufen.

Nachtisch

Dessert mit Früchten im Kanaan. Diesen Nachtisch findet man nicht auf der Karte. Einfach mit dem Kellner sprechen. © Copyright Photo/BU: Andreas Hagemoser, 2020

Desserts sind auf der kurzen und einfachen Karte, die häufig für gute Restaurants typisch ist, nicht einzeln aufgeführt. Das deutet auf Phantasie, Frische und saisonale Produkte. Tatsächlich berichtet Oz Ben David, der mit Jalil Dabit zusammenarbeitet, dass nicht nur israelisch-palästinensische Produkte, sondern auch deutsche Erzeugnisse Programm sind. Die Tische zum Beispiel sind aus heimischen Hölzern. Massive Platten symbolisieren Stabilität.

Nachtisch mit Beeren. © Copyright Photo/BU: Andreas Hagemoser, 2020

Die Variationen aus Beeren und Eis mundeten sämtlich.

Wir wären auch ohne Fleisch satt geworden, genossen es aber. Das Fruchtfleisch. Der Erd- und Blaubeeren.

Nachtisch im Kanaan: immer vegetarisch und meist saisonal. © Copyright Photo/BU: Andreas Hagemoser, 2020

Kaffee und Tee

An einem windigen Tag wie Mitte Juli kommt ein heißes Getränk zum Abschluss gerade recht. Doch auch Beduinen in der Wüste trinken gern heißen Tee. Minztee mit Orangenblüte war unsere gute Wahl. Den Kaffee mit Kardamom heben wir und für das Wiederkommen auf.

Dann können wir auch unsere neugierigen Fragen zur Inneneinrichtung und Kunst stellen, die nach der Kurzführung auftauchten.

Damit wir es wiederfinden, notieren wir uns schnell noch einmal die Adresse:

Restaurant Kanaan

Vegetarische Vielfalt: Großauswahl. Und das ist noch nicht alles …. © Copyright Photo/BU: Andreas Hagemoser, 2020

Israelische und palästinensische Spezialitäten vegetarisch oder vegan. Schliemannstraße 15 (liegt auf der Ostseite nördlich des Helmholtzplatzes), 10437 Berlin. (Bezirk Pankow, Ortsteil Prenzlauer Berg.)

Mit Bar. Selbstgemachtes Tahin kann man vor Ort kaufen …

Tel. 01590 1348077

Öffnungszeiten Mittwoch und Donnerstag 18-22 Uhr. Freitag-Sonntag 12-22 Uhr. Reservierungen sind möglich. E-Mail: (kanaanberlin@gmail.com) info@kanaan-berlin.de . Website: https://www.kanaan-berlin.de/de

Bist zu sechst darf man jetzt sitzen.

Inhaltsverzeichnis:

Hummus sehr frisch – Aushängeschild des Kanaan

Hauptspeisen

Nachtisch

Kaffee und Tee

Restaurant Kanaan

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