Farbe und Form – Wenige Werke von Wassily Kandinsky und als Zugabe ein „Kosmos“ oder 125 Werke von über siebzig Künstlern im Museum Barberini in Potsdam

Kosmos Kandinsky © David von Becker

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Einmal mehr hat Potsdam die Hauptstadt der impressionistischen Malerei in Deutschland mit seinem Museum Barberini eine einmalige Ausstellung zu bieten. Der Titel lautet: „Kosmos Kandinsky – Geometrische Abstraktion im 20. Jahrhundert.“

Die Direktorin des Museums Ortrud Westheider verwies zur Ausstellungseröffnung auf Verbindungslinien zur Gemäldeserie der Getreideschober von Claude Monet. Monet schuf diese Meisterwerke des Impressionismus in den Jahren 1890/91 und malte sie bei unterschiedlichen Licht- und Witterungsverhältnissen. Eines dieser Gemälde gehört auch zur Sammlung Hasso Plattner und ist im Barberini Museum zu sehen.

Wassily Kandinsky (1866-1944) hat Bilder dieser Serie in einer Ausstellung in Moskau gesehen, und diese Bilder mit ihren kraftvollen Farben haben „Kandinsky die Idee gegeben, über ungegenständliche Elemente im Bild nachzudenken. Daraus wurde später in seiner Zeit im Bauhaus die Elementarsprache, die er dann 1926 in seiner Publikation ‚Punkt und Linie zu Fläche‘ auch formuliert hat“, so Direktorin Westheider. Und sie resümiert: „Ein Ausgangspunkt waren Werke von Monet, der Funke sprang über von Monet auf Kandinsky und dann auf die Kunst im 20. Jahrhundert.“

Wenige Werke von Kandinsky in Potsdam

Der Kuratorin Sterre Barentsen und ihrem Team gelang es, 125 Gemälde von über 70 Künstlern – auch aus Übersee – zusammenzutragen, die die künstlerische Entwicklung der geometrisch-abstrakten Darstellung im 20. Jahrhundert zeigen. Darunter befinden sich auch Bilder aus Privatsammlungen, eine einzigartige Gelegenheit, diese ansonsten nicht öffentlich gezeigten Kunstwerke zu sehen. Zu den 43 internationalen Leihgebern gehören das Solomon R. Guggenheim Museum in New York und die Peggy Guggenheim Collection in Venedig. Zwölf Werke von Kandinsky bilden den roten Faden der Ausstellung.

Aussehen wie Chaos – Wirkung wie Sinfonie

Bei den Arbeiten der geometrischen Abstraktion spielt das Technische eine große Rolle, klare Linien und scharfe Formen dominieren, so Kuratorin Barentsen.

Der Maler Kandinsky lässt sich von den großen wissenschaftlichen Entdeckungen seiner Zeit inspirieren, von Elektronenbahnen oder elektromagnetischen Wellen, den unsichtbaren Welten, die sich dem bloßen Auge entziehen. Er stellt sich die Frage, wie er diese Phänomene in Gemälden zeigen kann und entwickelte sich zu dem Künstler, der mit Formen und Farben spielt.

Für Kandinsky war Kunst, so heißt es, keine Nachahmung der Natur, sondern der Ausdruck der „inneren Notwendigkeit“ – eines emotionalen Impulses. „Sieht aus wie Chaos und wirkt wie Sinfonie“, so das Urteil von den interessierten Besuchern wie auch der Fachwelt.

Geometrischen Abstraktion über sechs Jahrzehnte

In der Ausstellung ist Wassily Kandinsky eine Zentralfigur, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen tiefgreifenden Wandel in der Malerei einleitete. Viele Künstler wurden von geometrisch-abstrakter Kunst inspiriert und wollten nicht mehr nur das Sichtbare wiedergeben. Sie fanden eine neue Bildsprache, die sich künstlerisch auf das Zusammenspiel von Farben, Linien und Flächen fokussierte.

In den insgesamt neun Ausstellungsräumen werden eine Reihe von Kunstrichtungen der geometrischen Abstraktion aus über sechs Jahrzehnten dem Publikum gezeigt. Dazu werden sehr viel Informationen gegeben, um die vielfältigen Trends im Wechsel der Zeiten zu erklären. Das ist sicherlich auch notwendig, falls einem kunstinteressierten Laien doch Zweifel kommen, ob er sich einem schönen Tapetenmuster oder einem hoch dotierten Kunstwerk gegenübersieht.

Visuelle Effekte der Op-Art in den 60er Jahren

Eine der Strömungen geometrisch abstrakter Kunst, die in den Werken von Kasimir Malewitsch und Wassily Kandinsky ihre Wurzeln hat, findet sich in der Optischen Kunst, kurz Op-Art. Die gezeigten Kunstwerke fordern die visuelle Wahrnehmung der Betrachter heraus. Die auf der zweidimensionalen Bildfläche gemalten Muster scheinen sich zu bewegen oder räumlich hervorzutreten. Diese Op-Art nutzt die am Bauhaus erarbeiteten Erkenntnisse der Wirkung von Farben und Formen und führt sie in die Ästhetik der 60er Jahre. Angesichts dieser Flut an Informationen „sollte dennoch der Besucher die Bilder zuallererst für sich selbst sprechen lassen, sollte die Werke einfach nur genießen und sich daran freuen“, so der Rat der Kuratorin Barentsen.

Barberini-Ausstellung digital erkunden

Traditionell bietet das Team vom Museum Barberini ein professionelles Social Media Programm auf Instagram, Facebook und Youtube. Dazu gehört auch der digitale Begleiter mit der Barberini App. In der neu konzipierten 360 Grad -Ansicht auf der Website kann ab Ende Februar sowohl die Aktuelle Ausstellung als auch die Sammlung von Hasso Plattner digital erkundet werden. Außerdem wird ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm mit Interviews, Konzerten und Filme angeboten. Das Kunst-Museum Barberini am Alten Markt in Potsdam präsentiert die Ausstellung „Kosmos Kandinsky – Geometrische Abstraktion im 20. Jahrhundert“ vom 15. Februar bis zum 18. Mai 2025.

Anmerkungen:

Vorstehender Beitrag von Dr. Ronald Keusch wurde unter dem Titel „Mit Formen und Farben spielen – Zur Ausstellung ‚Kosmos Kandinsky‘ im Museum Barberini in Potsdam“ am 15.2.2025 in seinem Blog Reisezeiten erstveröffentlicht.

Siehe die Beiträge

im KULTUREXPRESSO.

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