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Schwarzmalerei im Lichtspielhaus oder Einer flog aus dem Krähennest – Zum Psychodrama „Das Ding mit Federn“ von Dylan Southern

Plakat zum Film "Das Ding mit Federn" von Dylan Southern. © M.O.O.N. Agency GmbH

Berlin, Deutschland (Kulutrexpresso). Der Film „Das Ding mit Federn“ von Dylan Southern, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb, ist einer mit mit beachtlichen Schauspielern in den Hauptrollen. Benedict Cumberbatch, Richard Boxall, Henry Boxall, Eric Lampaert, Vinette Robinson und Sam Spruell konnten für einen Film unter Vertrag genommen werden, der auf dem 2015 erschienenen Roman „Grief Is The Thing With Feathers“ von Max Porter basiert.

Zu Beginn des Films muß Cumberbatch weinen. Zuvor brachte der Mann seine zwei beiden kleinen Söhne zu Bett und lobte deren Mutter als die beste. Kenner und Kritiker ahnen, der Vater ist alleinerziehend und vom plötzlichen Tod seiner Frau überfordert. Überfordert mag nicht nur der englische Witwer mutterloser Kinder sein, sondern mancher Zuschauer vom dunklen Film- und Federschlag und von der Dunkelheit, die auch tagsüber in diesem Drama herrscht, wo Trübsal geblasen wird wie in einem Posaunenchor einer protestantischen Kirche, in der abgemagerte blasse Leichen an Kreuzen hängen. Gespräche über Darmkrebs gehen zudem wie ein Tiefschlag in die Magengrube, daß einem die Spuke weg bleibt wie Gekreuzigten die Luft. Die meisten Gekreuzigten dürften erstickten sein, weil man ihnen nicht nur die Füße durchstach, sondern auch die Beine brach.

Zum Kummer im Kino kommt eine gehörige Portion Schwarzmalerei. In einem klaustrophobisch kleinen Atelier des Hauses in Groß-Londoner zeichnet der Vater mit schwarzer Tinte Bilder, die nicht bunt sind, sondern ein Albtraum. Klar wird, was wahr ist, der Rabenvater hat den Bezug zur Realität verloren. Dafür hat eine Krähe den Weg in seinen Kopf gefunden, also ins Irrenhaus. Der Vater sieht nicht nur „das Ding mit den Federn“, sondern hört Klingeln und Krähe, während die Kinder schlafen. Trauer und Trübsal schlagen um in Schmerz und Schwarzmalerei.

Lichtblicke sind nur Kinderfreude in der Dunkelkammer dieser Schauergeschichte. Irgendwann hören sogar die Kindern den unheimlichen Krähenmann. Doch selbst Zuschauer, die sich Mühe geben, dürften diese Figur nicht entschlüsseln, auch wenn der Vogel, der nach eigenem Bekunden „an Heilmaßnahmen“ glaube, Worte wie Traumafolgestörung kräht. Wer hat in dieser Welt der Ware und des Spektakels schon Zeit und Lust, sich in Lichtspielhäusern dunkle Filme mit posttraumatische Belastungsstörung als Thema anzusehen und zuzuhören und nachzudenken und, und, und.

Die Krähe taucht nicht nur im Kunst- und Zeichenraum auf, sondern auch im Konsum. Köstlich oder „zum Teufel nochmal“!

Ich empfehle, zum Psychodrama nicht zu heizen, damit der Kinofilm, der bisweilen tragikomische Szenen aufweist, noch cooler kommt. Wem’s zu kalt sein sollte, dann einfach einen Café Noir trinken oder den Whisky mit der Krähe drauf. Klassisch im Krähenglas ohne Eis, sonst geht’s der verfickten Krähe an den Kragen. Wider dem Dämon bevor das Endspiel schwarzblutig wird und zum Gruselfilm ausartet!

Nebenbei bemerkt: Benedict Cumberbatch spielt auch diese Rolle überzeugend. Kamera und Schnitt sind passend zum schwarzen Faden wie die Musik. Das ganze ist mehr als die Summe seiner tragischen Teile und eine beachtliche wie eigenwilligen Adaption eines literarischen Werkes, eine sehenswerte Leistung aller Beteiligten, die Herz und Hirn (mit Humor) herausfordert.

Filmographische Angaben:

  • Originaltitel: The Thing with Feathers
  • Deutscher Titel: Das Ding mit Federn
  • Genre: Melodrama, Psychodrama
  • Produktionsstaat: VK
  • Produktionsjahr: 2025
  • Regie: Dylan Southern
  • Drehbuch: Dylan Southern
  • Kamera: Ben Fordesman
  • Schnitt: George Cragg
  • Musik: Richard Reed Parry, Pietro Amato
  • Darsteller: Benedict Cumberbatch, Richard Boxall, Henry Boxall, Eric Lampaert, Vinette Robinson und Sam Spruell
  • Produktion: Adam Ackland, Leah Clarke, Andrea Cornwell
  • Länge: 104 Minuten
  • Altersfreigabe: FSK 16
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