Alternative Fakten aus dem Universum Dick – Annotation zum Roman“Ich lebe und ihr seid tot: Die Parallelwelten des Philip K. Dick“ von Emmanuel Carrère

"Ich lebe und ihr seid tot. Die Parallelwelten des Philip K. Dick" von Emmanuel Carrère. © MSB Matthes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft mbH

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Zitat aus dem Roman „Ich lebe und ihr seid tot: Die Parallelwelten des Philip K. Dick“ von Emmanuel Carrère: „Was soll das heißen, nur ein Buch? Du lebst mit mir, du fickst mich, du machst mir ein Kind, du lächelst vor dich hin und sagts mir, dass du mich liebst, und sobald du allein bist, schreibst du, dass du mich hasst und nachts von mir als deiner schlimmsten Feindin träumst“

Laut Eigenaussage war Emmanuel Carrère Anfang der siebziger Jahre ein pummlig-pickliger Boy mit Brille, der zu viel lass und einsam in den Ecken von der Invasion krasser Außerirdischer träumte, die seine ihn mobbenden Schulkameraden bei ihrer Ankunft auf der Erde grillen würden. Die Anleitung zum Grillen und überhaupt der ganze Science-Fiction-Kram wurde ihm vom vielschreibenden Kalifornier Philip K. Dick via dessen genialische Unterhaltungsromane geliefert, wo die vierte Dimension die dritte hetzte, die Nazis nebst Japanern den 3. Weltkrieg gewonnen hatten, an jeder Ecke Körperfresser lauerten und Blade Runner ihr blutiges Handwerk unter armen Klonen verrichteten.

Schon mit siebzehn tablettensüchtig, richteten Amphetamine, Betablocker, alle möglichen rezeptpflichtigen Pülverchen nebst illegalem Drogenkram ein zünftiges selbstzerstörerisches Durcheinander in Dicks Hirnkasten an, der bis zu seinem frühen Ableben eine irre Masse an durchgeknallten Romanen, religiösem Textgeschwafel und Erzählungen produzierte und en passant diverse Zeitgenossen befruchtete. Carrère war einer von ihnen, nun erscheint seine romanhafte Dick-Biografie zweiunddreißig Jahre später in Deutschland, weil die Zeit wieder reif ist für außerirdische und irdische Gemetzel.

Carrèrefans werden ihre Freude an dieser irren Achterbahn in die Dickhölle haben, wo jede Art von Paranoia und alle Verschwörungstheorien der Welt im bunten Drogencocktail faszinierende Welten erschaffen. Immerhin mochte Dick (im Widerspruch zum großen Außerirdischen Alf) Katzen.

Bibliographische Angaben:

Emmanuel Carrère, Ich lebe und ihr seid tot, Die Parallelwelten des Philip K. Dick, Roman, 368 Seiten, Originaltitel: Je suis vivant et vous êtes morts, Übersetzerin aus dem Französischen: Claudia Hamm, Bindung: fester Einband mit Schutzumschlag, Verlag: MSB Matthes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft mbH, Berlin, 1. Auflage 2025, ISBN: 978-3-95757-881-5, Preis: 28 EUR (Deutschland)

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