„Berliner Symphonie“ von Kurt Weill oder Tanztee der Berliner Philharmoniker im Weltnetz

ADN-Zentralbild/ Archiv, Berlin 1926. Im Garten des Berliner Hotels "Esplanada" spielt zum 5 Uhr-Tee eine Jazzband. 17187-26. Quelle: Wikimedia, CC-BY-SA 3.0, Foto: Bundesarchiv, Bild 183-K0623-0502-001

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Aus dem Konzerthaus Berlin werden wir mit Pressemitteilungen voller Sternchenspinnerei beleidigt. Wir ersparen uns das Lesen dummdeutscher Pressetexte künftig. Umso wohltuender ist eine Pressemitteilung der Berliner Philharmoniker. Aus der Pressestelle der Stiftung Berliner Philharmoniker erreichte uns heute eine Pressemitteilung über ein „Online-Festival“, also über eine Weltnetz-Festlichkeit.

Unter dem Betreff „‚Die Goldenen Zwanziger‘ in der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker“ wird darüber informiert, dass „gemeinsam mit Chefdirigent Kirill Petrenko und Gästen wie Donald Runnicles, Christian Thielemann und Dagmar Manzel … die Berliner Philharmoniker vom 13. bis 27. Februar die Zwanziger Jahre in einem Online-Festival in der Digital Concert Hall lebendig werden“ lassen wollen.

Darüber, ob die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts ach so golden gewesen waren, darf man streiten, zumal wenn man einen Satz wie diesen in der Pressemitteilung liest: „Die Zwanziger Jahre waren eine Zeit der Widersprüche und Gegensätze, der Hoffnungen und verpassten Chancen, der Zuversicht und der Angst. Zeitgleich wurden in Literatur, Kunst und Musik die Extreme ausgereizt. Inmitten dieser Welt im Umbruch lag Berlin – eine Metropole der Gegensätze, Epizentrum der künstlerischen Moderne. Wohnungsnot und bittere Armut, kühne Modernitätsträume, Vergnügungssucht, Nostalgie und Gewalt prallten aufeinander.“

Keine Frage, dass in Berlin nicht nur in den 1920er Jahren was los war. Gut und schön zudem, dass die Berliner Philharmoniker „ein besonderes Augenmerk“ … auf die Musik von Kurt Weill“ legen, „der mit seinen Werken über die Grenzen hinweg den Klang der Metropole Berlin geprägt hat“. Weill war kein Sternchen, er war ein Star.

Zum Auftakt der Weltnetz-Festlichkeit der Berliner Philharmoniker soll es „ein Orchesterkonzert unter der Leitung von Chefdirigent Kirill Petrenko am 13. Februar mit Igor Strawinskys Oedipus rex sowie Kurt Weills Erster Symphonie, auch bekannt als ‚Berliner Symphonie'“, geben. Dafür würden „die Berliner Philharmoniker … gemeinsam mit den Herren des Rundfunkchores Berlin (Einstudierung Gijs Leenars) sowie einem internationalen Solistenensemble“ musizieren.

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