Eine „Biographie der Angst“ – Zum Roman „Rote Kreuze“ von Sasha Filipenko

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"Rote Kreuze", ein Roman von Sascha Filipenko. © Diogenes

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Diogenes-Verlag mit Sitz in Zürich bringt derzeit den Roman „Rote Kreuze“ von Sasha Filipenko heraus, der erste von fünf Romanen aus der Feder eines Mannes, der laut Verlag auch „als Journalist, Drehbuchautor und Gag-Schreiber für eine Satire-Show und Fernsehmoderator“ arbeite, der auf Deutsch erscheint.

Filipenko, der deswegen als Kreativer gelten dürfte, wird von dem ein oder anderen Fratz als „furchtlos“ beschrieben, weil er einen solchen Roman geschrieben habe. Doch das könnten selbst in Petersburg, wo der Mann lebe, viele, wenn sie wollten, denn sie dürfen.

Manche meinen, dass Filipenko schreibe, was das „moderne, junge Russland“ denke. Das ist auch Mumpitz. Kollektives Denken gibt es nicht und jeder, der denkt, dass er denke, tut das auch, nur nicht alle gleich gut. Ein jeder sammelt seine Erfahrungen und mehrt seine Erkenntnisse, das ist nicht die Frage, doch die Antwort lautet leider: nicht jeder wird weise.

Das gilt auch für diejenigen, die man für Weißrussen wie Filipenko hält. Der 1984 in Minsk geborene Schriftsteller, „der auf Russisch schreibt“, macht daraus, dass Stalin in Moskau als Ausgeburt des Bösen agierte, keinen Hehl. Stalinisten sahen das anders und Neo-Stalinisten sehen das anders. Sollten sie durch Filipenkos Brille das betrachten, was die über 90-jährige Tatjana Alexejawna ihrem neuen Nachbarn in Minsk, über „das ganze russische 20. Jahrhundert mit all seinen Schrecken“ erinnernd erzählt?

Das Fiktionale von dem 32-jährigen Sascha und der alleinstehenden und an Alzheimer leidenden Tatjana und ihrer „Biographie der Angst“ würzt Filipenko mit Originaldokumenten aus dem Archiv des Roten Kreuzes. Damit erscheint die Erzählung im Gewand einer Dokumentation, wird aber nicht wahrer.

Bibliographische Angaben

Sasha Filipenko, Rote Kreuze, Roman, 288 Seiten, aus dem Russischen von Ruth Altenhofer, fester Einband, Leinenm, Verlag: Diogenes, 1. Auflage, Zürich, 1. März 2020, ISBN: 978-3-257-07124-5, Preise: 22 EUR (Deutschland), 22,70 EUR (Österreich), 30.00 SFr, auch als E-Buch erhältlich: ISBN: 978-3-257-61010-9, Preise: 18,99 EUR (Deutschland und Österreich), 24 SFr

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