Eine Ära endet – Dieter Kosslick zum letzten Mal Festivaldirektor der Berlinale

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eine Ära endet. Die von Dieter Kosslick. 18 Jahre stand der gebürtige Pforzheimer dem größten deutschen Filmfestival als Direktor vor und geprägte seit dem 1. Mai 2001 die Berlinale genannten Internationalen Filmfestspiele Berlin.

Die 69. Berlinale wird seine letzte als Festivaldirektor sein. Der Mann mit dem schwarze Hut und roten Schal wird gewiss gefeiert und gewürdigt wie nie zuvor. In die Reihe der Rückblicke rückt auch das ZDF.

Der Dokumentarfilm „Die Ära Kosslick“, heißt es in einer ZDF-Pressemitteilung vom 28.1.2019, würde die Kosslick-Epoche „Revue passieren“ lassen. Die Filmemacher „begleiteten ihn bei den Vorbereitungen zur seiner letzten Berlinale, den 69. Internationalen Filmfestspielen Berlin, und gewährt so auch einen Einblick hinter die Kulissen des bedeutendsten deutschen Filmfestivals“.

Der Film von Nadia Nasser, Carola Wedel und Stephan Merseburger wird vom in ZDF am Donnerstag, den 7. Februar 2019, um 0.45 Uhr, und in 3-SAT am Samstag, 9. Februar 2019, 19.20 Uhr, gezeigt.




69. Berlinale: Panorama mit Programm und Parole – Ausbruch und Aufstehen?

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Panorama-Programm der 69. Berlinale sei „komplett“. Laut Berlinale-Pressemitteilung vom 21.1.2019 würden die Veranwortlichen „45 Filme unter der Beteiligung von 38 Ländern präsentieren“.

Weiter im Text: “ 34 Filme feiern ihre Weltpremiere. 19 der Filme sind Erstlingswerke. Unter den 45 Filmen sind 29 Spielfilme und 16 dokumentarische Formen. Das Panorama zeigt ein kontroverses, politisches und herausforderndes Programm.“

Dass die „Zeiten“ im Programm des Panorama 2019 auf „Ausbruch“ stünden, das wird behauptet. „In auffällig vielen Filmen versuchen Menschen, Systeme von Fremdbestimmung und Unterdrückung hinter sich zu lassen – mit unterschiedlichem Erfolg. Mal ist es die Familie, mal eine homophobe Kirchengemeinde oder ein kapitalistisches Sklavensystem, von dem es sich zu emanzipieren gilt. Oft ist es die eigene Community, aus der der Ausbruch am schwersten fällt. Immer geht es für die Menschen dabei um ein besseres, freieres Leben. Weitere Schwerpunkte des diesjährigen Programms liegen auf schonungslosen filmischen (Selbst-)Erkundungen und starken Künstler*innenporträts. „

Ob aus dem Ausbruch auch ein Aufstehen wird, wie Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine in wagen würden, das werden wir sehen. Und darüber berichten!




69. Berlinale: Die Filme des 49. Forums – Haltung und keine Kompromisse

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Berlinale steht vor ihrer 69. Veranstaltung, das Forum der Berlinale, das vom Arsenal – Institut für Film und Videokunst veranstaltet wird, ist jünger und erwartet das 49. Mal mit “
39 Filme, darunter 31 Weltpremieren“.

In der Berlinale-Pressemitteilung vom 18.1.2019 heißt es dazu: „Das Hauptprogramm des Forums 2019 versteht sich nicht als Bestenliste, sondern versammelt Filme, die Wagnisse eingehen, Haltung zeigen und keine Kompromisse machen. Einige schauen zurück auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts, andere widmen sich dem, was kommen wird – und sind dabei doch gegenwärtig. Zahlreiche Filme der Auswahl gehen vom geschriebenen Wort aus. Sie beziehen sich auf Literatur oder arbeiten mit Briefen, Gedichten und anderen Schriften.“

Schaun mer maldann sehn mer scho.

Franz Beckenbauer

Das gern gelesene Zitat stammt von Franz Beckenbauer, der als Libero und Kaiser Haltung sowei bei Klüngel und Korruption keine Kompromisse zeigte.

Die Filme des Forums

African Mirror von Mischa Hedinger, Schweiz – WP
Aidiyet (Belonging) von Burak Çevik, Türkei / Kanada / Frankreich – WP
Bait von Mark Jenkin, Großbritannien – WP 
Breathless Animals von Lei Lei, USA – WP
Chão (Landless) von Camila Freitas, Brasilien – WP 
Chun nuan hua kai (From Tomorrow on, I Will) von Ivan Marković, Wu Linfeng, Deutschland / Volksrepublik China / Serbien – WP
Demons von Daniel Hui, Singapur
El despertar de las hormigas (Hormigas) von Antonella Sudasassi Furniss, Costa Rica / Spanien – WP 
Erde von Nikolaus Geyrhalter, Österreich – WP
Fern von uns von Verena Kuri, Laura Bierbrauer, Argentinien – WP
Fortschritt im Tal der Ahnungslosen (Progress in the Valley of the People Who Don’t Know) von Florian Kunert, Deutschland – WP
Fourteen von Dan Sallitt, USA – WP
Fukuoka von Zhang Lu, Republik Korea – WP
Heimat ist ein Raum aus Zeit von Thomas Heise, Deutschland / Österreich – WP 
Kameni govornici (The Stone Speakers) von Igor Drljača, Kanada / Bosnien und Herzegowina – IP
Kimi no tori wa utaeru (And Your Bird Can Sing) von Sho Miyake, Japan – IP
Die Kinder der Toten von Kelly Copper, Pavol Liska, Österreich – WP
Lapü von César Alejandro Jaimes, Juan Pablo Polanco, Kolumbien 
Malchik russkiy (A Russian Youth) von Alexander Zolotukhin, Russische Föderation – WP
Man you (Vanishing Days) von Zhu Xin, Volksrepublik China 
Monștri. (Monsters.) von Marius Olteanu, Rumänien – WP 
Mother, I Am Suffocating. This Is My Last Film About You. von Lemohang Jeremiah Mosese, Lesotho – WP
MS Slavic 7 von Sofia Bohdanowicz, Deragh Campbell, Kanada – WP 
Nasht (Leakage) von Suzan Iravanian, Iran / Tschechische Republik – WP 
Ne croyez surtout pas que je hurle (Just Don’t Think I’ll Scream) von Frank Beauvais, Frankreich – WP 
Nos défaites (Our Defeats) von Jean-Gabriel Périot, Frankreich – WP
Olanda von Bernd Schoch, Deutschland – WP
Oufsaiyed Elkhortoum (Khartoum Offside) von Marwa Zein, Sudan / Norwegen / Dänemark – WP
The Plagiarists von Peter Parlow, USA – WP 
A portuguesa (The Portuguese Woman) von Rita Azevedo Gomes, Portugal
Querência (Homing) von Helvécio Marins Jr., Brasilien / Deutschland – WP 
Retrospekt von Esther Rots, Niederlande / Belgien
A rosa azul de Novalis (The Blue Flower of Novalis) von Gustavo Vinagre, Rodrigo Carneiro, Brasilien – IP 
Serpentário (Serpentarius) von Carlos Conceição, Angola / Portugal – WP 
So Pretty von Jessie Jeffrey Dunn Rovinelli, USA / Frankreich – WP 
Gli ultimi a vederli vivere (The Last to See Them) von Sara Summa, Deutschland – WP 
Une rose ouverte / Warda (An Open Rose) von Ghassan Salhab, Libanon – WP
Weitermachen Sanssouci (Music and Apocalypse) von Max Linz, Deutschland – WP 
Years of Construction von Heinz Emigholz, Deutschland – WP




69. Berlinale: Die Kurzfilme der Sektion Berlinale Shorts

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Programm für die Kurzfilme der Internationalen Filmfestspiele in Berlin heißt kurz Shorts. Weniger ist in dieser Sektion mehr. Doch nur ein Kurzfilm bleibt bei fünf Minuten. Immerhin bleiben sie alle deutlich unter 30 Minuten, die für Kurzfilme als maximale Länge gelten.

Der längste Beitrag komme laut Berlinale-Pressemitteilung vom 14.1.2019 auf 29 Minuten. Gezeigt würden dieses Jahr „Werke von Bárbara Wagner & Benjamin de Burca, Martín Rejtman, Luca Tóth, Rainer Kohlberger, Eva Könnemann, Flóra Anna Buda und Manuel Abramovich gezeigt. „Al Mahatta“ von Eltayeb Mahdi und „Crvene gumene čizme“ von Jasmila Žbanić laufen außer Konkurrenz. Dass Filme eines Festivals mit Wettbewerbscharakter außer Konkurrenz laufen, das ist eine Unsitte, oder? Dass das Wahre, Gute, Schöne gezeigt werden, dagegen spricht nichts, aber doch nicht außer Konkurrenz in einem Wettbewerb. Wie immer sind sämtliche Filmgenres erlaubt. Und erlaubt ist, was der Sektionsleitung gefällt.

Gewinnen wird, was der Internationalen Kurzfilmjury 2019, die aus Jeffrey Bowers (Vereinigte Staaten von Amerika),Vanja Kaludjercic (Kroatien) und Koyo Kouoh (Senegal), die einen Goldenen und einen Silbernen Bären sowie den Audi Short Film Award vergeben dürfen, können und wollen, gefällt.

Die Filme der Berlinale Shorts 2019

All on a Mardi Gras Day, Michal Pietrzyk, USA, 22’ (IP)
Al Mahatta, Eltayeb Mahdi, Sudan, 16’, 1989 (Außer Konkurrenz)
Blue Boy, Manuel Abramovich, Argentinien, Deutschland, 19’ (WP)
Can’t You See Them? – Repeat., Clarissa Thieme, Deutschland, Bosnien und Herzegowina, 9’ (WP)
Crvene gumene čizme, Jasmila Žbanić, Bosnien und Herzegowina, 18’, 2000 (Außer Konkurrenz) 
Entropia, Flóra Anna Buda, Ungarn, 10’ (WP)
Flexible Bodies, Louis Fried, Deutschland, 19‘ (WP)
Héctor, Victoria Giesen Carvajal, Chile, 19’ (WP)
How to Breathe in Kern County, Chris Filippone, USA, 9’ (WP)
It has to be lived once and dreamed twice, Rainer Kohlberger, Deutschland, Österreich, 28’ (WP)
Kingdom, Tan Wei Keong, Singapur, 5’ (IP)
Leyenda dorada, Chema García Ibarra, Ion de Sosa, Spanien, 11’ (WP)
Lidérc úr, Luca Tóth, Ungarn, Frankreich, 19’ (WP)
Mot Khu Dat Tot, Pham Ngoc Lan, Vietnam, 19’ (WP)
Në Mes, Samir Karahoda, Kosovo, 15’ (WP)
Omarska, Varun Sasindran, Frankreich, 19’ (WP)
Past Perfect, Jorge Jácome, Portugal, 23’ (WP)
Prendre feu, Michaël Soyez, Frankreich, 26’ (WP)
Rang Mahal, Prantik Basu, Indien, 27’ (IP)
Rise, Bárbara Wagner, Benjamin de Burca, Brasilien, Kanada, USA, 20’ (IP)
Shakti, Martín Rejtman, Argentinien, Chile, 19’ (WP)
The Spirit Keepers of Makuta’ay, Yen-Chao Lin, Kanada, 11’ (WP)
Splash, Shen Jie, China, 9’ (WP)
Suc de síndria, Irene Moray, Spanien, 22’ (WP)
Umbra, Florian Fischer, Johannes Krell, Deutschland, 20’ (WP)
Welt an Bord, Eva Könnemann, Deutschland, 29’ (WP)




69. Berlinale: Hommage und Goldener Bär für Charlotte Rampling

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das neue Jahr läuft und die Berlinale rückt näher. Die 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin werden vom 7. bis 17. Februar 2019 rund um den Marlene-Dietrich-Platz veranstaltet, jedenfalls halbwegs.

Im Grunde genommen sind sie längst in dem einen oder anderen Kiez angekommen. Und das ist gut so wie auch die Vielfalt bis hin zum Kulinarischen Kino. Klasse. Weiter so!

Auch die Hommage darf neben Wettbewerb, Panorama und Forum nicht fehlen. Dieses Jahr ist Charlotte Rampling dran. Die aus Essex stammende Film- und Theaterschauspielerin, die in England und Frankreich aufwuchs, wird den Goldenen Bären für ihr Lebenswerk verliehen bekommen und ihr wird die Hommage gewidmet, die die folgenden Filme umfasst.

  • La caduta degli dei (Die Verdammten), Italien / BRD 1969, Regie: Luchino Visconti
  • Charlotte Rampling – The Look, Deutschland / Frankreich 2011, Regie: Angelina Maccarone
  • Hannah, Italien / Belgien / Frankreich 2017, Regie: Andrea Pallaoro
  • Max mon amour, Frankreich / USA 1986, Regie: Nagisa Oshima
  • Il portiere di notte (Der Nachtportier), Italien 1974, Regie: Liliana Cavani
  • Sous le sable (Unter dem Sand), Frankreich / Japan 2000, Regie: François Ozon 
  • Stardust Memories, USA 1980, Regie: Woody Allen 
  • Swimming Pool, Frankreich / United Kingdom 2003, Regie: François Ozon 
  • The Verdict (The Verdict — Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit), USA 1982, Regie: Sidney Lumet
  • Vers le sud (In den Süden), Frankreich / Kanada / Belgien 2005, Regie: Laurent Cantet

Der Goldene (Ehren-)Bär soll an Charlotte Rampling, die in mehr als 100 Film- und Fernsehproduktionen mitwirkte, am Donnerstag, den 14. Februar 2019, im Berlinale-Palast überreicht werden. Anschließend werde der Film Il portiere di notte (Der Nachtportier, Italien 1974) von Liliana Cavani gezeigt, heißt es in einer Berlinale-Pressemitteilung vom 17.12.2018.

Rumpling sei übrigens 2006 „Präsidentin der Internationalen Jury“ gewesen und hätte „2015 … den Silbernen Bären für die Beste Darstellerin für 45 Years (Regie: Andrew Haigh)“ gewonnen, heißt es weiter.

Die Berlinale hebt „Ramplings intensives Spiel“ hervor, das „auf der kompletten Hingabe an die Figuren, die sie verkörpert, oft Frauen in Extremsituationen, die sie stets mit einer „Wahrhaftigkeit der Gefühle“ – wie sie es selbst ausgedrückt hat – auf die Leinwand bringt“, beruhe. Beispiel? Wie wäre es mit: eine „außergewöhnliche Rolle spielte sie auch 1986 in Nagisa Oshimas Film Max mon amour„?

Wer mehr über die Frau, die geehrt werden wird, wissen will, der schaue sich die Dokumentation Charlotte Rampling – The Look der deutschen Regisseurin Angelina Maccarone an.

2018 habe Rampling „in drei Spielfilmen mitgewirkt: in Red Sparrow (Regie: Francis Lawrence) an der Seite von Jennifer Lawrence, in The Little Stranger (Regie: Lenny Abrahamson) und in Michel Blancs Voyez comme on danse. Aktuell steht sie für Paul Verhoevens Film Benedetta vor der Kamera, der 2019 erscheinen wird.“




Perspektive Deutsches Kino 2019 eröffnet Berlinale mit „Easy Love“ von Tamer Jandali, der seinen Film mit den Worten „No Actors, No Scripts, No Fake Emotions“ labele – Das klingt nach einem Griff ins Klo

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Dass die Sektion Perspektive Deutsches Kino der 69. Berlinale, die vom 7. bis 17. Februar 2017 in Berlin stattfinden wird, mit dem dokumentarischen Spielfilm „Easy Love von Tamer Jandali eröffnet werde, das teilt der Berlinale-Veranstalter in einer Pressemitteilung vom 20.12.2018 mit.

Darin heißt es, dass „die ersten sechs Filme der Perspektive Deutsches Kino 2019 … eingeladen“ seien und dass „sich alles um die Liebe“ drehen würde: „um die Liebe zu einem anderen Menschen, die Liebe zu einem besonderen Ort, die Liebe zum Kino, die Liebe zum Glauben und die Liebe zum Leben.“

Oh, mein Gott, möchte man meinen und „Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!“ fordern, doch wir wollen den Eingeladenen eine Chance geben. Erst Kino, dann Kritik.

Dann werden wir sehen, ob laut Sektionsleiterin Linda Söffker die Auswahl stimmt und „die Filmemacher*innen und ihre Figuren … kreativ, egozentrisch, hedonistisch“ sind und sich „im Spannungsfeld von Abenteuerlust und Selbstverwirklichung einerseits und der Sehnsucht nach Vertrauen und Sicherheit andererseits“ bewegen.

Ob das auf die „sieben jungen Frauen und Männer in Köln“, die „vier Monate lang mit der Kamera“ für die Doku „Easy Love“ von Tamer Jandali „begleitete“ wurden zutrifft?

In der Pressemitteilung heißt es noch, dass „die Protagonist*innen … Laien“ seien, „deren reale persönliche Situation und deren Einstellung zur Liebe die Ausgangsbasis für die Filmhandlung“ liefere und „der Regisseur … daher seinen Film treffend mit: ‚No Actors, No Scripts, No Fake Emotions'“ labele.

Lol!




In Kürze: Kurzfilmtag

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wir fassen uns kurz und melden, dass am 21. Dezember 2018 in der Bundesrepublik Deutschland zum siebten Mal der Kurzfilmtag veranstaltet wird.

Geplant seien laut Pressemitteilung der AG Kurzfilm e.V. vom 14.12.2018 insgesamt „287 Veranstaltungen an so unterschiedlichen Orten wie WG-Küchen, Waldlichtungen, Weihnachtsmärkten und in Kinos“. Kühl dürfte es am kürzesten Tag des Jahres, an dem rund 15 bis 17 Stunden Finsternis herrschen dürfte, vor allem auf Waldlichtungen und Weihnachtsmärkten werden.

Darüber hinaus wird in der Pressemitteilung darauf hingeweisen, dass „die Schauburg Bremen, der Scala Kulturpalast Werder/Havel und das lebensArt Weimar mit dem Kreativpreis „Die 3 Glücklichen“ ausgezeichnet“ worden sei.

Klingt komisch, scheint aber wahr zu sein: „Neu sind in diesem Jahr das „KitaKino“ für 3- bis 6-Jährige und Kurzfilme für SeniorInnen.“

Prominente Botschafter des diesjährigen Kurzfilmtages, der unter dem Motto „Stadt.Land.Fluss.“ stünde, seien „Schauspielerin Zazie de Paris, Regisseurin Doris Dörrie, Schauspieler Edin Hasanovic und die Pop-Band Blond“, die „den Kurzfilm“ lieben und „deshalb den Aktionstag“ unterstützen würden.




Reissalat mit Gemüse und fritierte Teigtaschen aus Kroatien am 28. November 2018

Mini-ITB? Mit dem Travelling Film Festival in Länder „verreisen“ und schlemmen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Auf der Grünen Woche kann man Spezialitäten aus der ganzen Welt probieren, auf der Internationalen Tourismus-Börse ITB, der Leitmesse ihrer Zunft, fast jede nur mögliche Reise finden oder sich zusammenstellen. Trotz dieser Arbeitsteilung wird man auf der Reisemesse an manchen Ständen gebeten, etwas Leckeres zu probieren. Eine nett gemeinte Werbung für ein Reiseziel, die nicht satt macht. Der Direktor des neuen Filmfests im IL-Kino Nansenstraße hat nun, wie wir finden, eine Supermischung erfunden: Das Travelling Film Festival. Zum Preis eines kleinen Essens in einem Restaurant unterer Kategorie oder zum Preis einer Vorspeise im Adlon oder bei Lutter und Wegner (?) kann man sich nicht nur sattessen, sondern was erleben.

An jedem Tag geht die Reise woanders hin: Nach Kroatien, Serbien, Sardinien, in die sieben Vereinigten Arabischen Emirate oder nach Moldau. Kroatien hat bestimmt keinen Alleinanspruch auf Kartoffelbrei oder italienische Nudeln, doch braucht man ja auch eine Sättigungsbeilage. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Alle an einem Abend angebotenen Speisen am Buffet sind landestypisch.

Das erste Land auf dem Travelling Film Festival: Kroatien

Beispiel Eröffnungstag: Das erste Travelling Film Festival begann am Mittwoch, den 28.11.2018 mit dem „Croatian Day“ (sprich: kro-ej-schen Dej). An diesem kroatischen Tag wurde man sehr zuvorkommend von gutaussehenden, jungen Damen begrüßt. Als erstes gab es eine Art Aperitiv, zum Beispiel ein Glas roten, kroatischen Weines. Wir lehnten dankend ab, der Arbeitstag ist noch lang.
Dann wurde man höflich und freundlich ins benachbarte Kino gebeten. Kurze Wege erfreuen. Ein paar Stufen geht es hinauf und man befindet sich im länglichen Saal mit sichtbaren, roten Mauersteinen. Hinten an der Stirnseite die Leinwand. Die Veranstaltung ist restlos ausverkauft.

Es begrüßt einen der Festivaldirektor, dann sprach seine Exzellenz, der Botschafter von Kroatien ein paar freundliche Worte und eine Vertreterin des kroatischen Fremdenverkehrsbüros.

Auf der Leinwand ein gut gemachter Werbefilm für das Land, das Ruinen aus allen Epochen seit der Römerzeit vorweisen kann. Irgendwo hier wurden die osmanischen Eroberungen gestoppt. Die Türken vor Wien, das war nur eine kurze Episode (1529 bzw. 1683). Doch auf dem Balkan verlief der Reißverschluss, der Europa trennte. Das Amselfeld ist im nahen Kosovo.

Kroatien: All the best

Nachdem in dem Imagefilm über das besuchenswerte Land, das gar nicht so weit von der Bundesrepublik Deutschland entfernt ist, oft nicht nur in Sportkreisen berühmte Basketballer und Fußballer an malerischen Orten aufgenommen wurden, gab es All the best. „All the Best“ ist ein wunderbarer Advents- und Weihnachtsfilm voller Liebesgeschichten aus dem Jahr 2016. Der teilweise Kenntnis von Fremdsprachen führt zu Komik, denen die Lachmuskeln nichts entgegenzusetzen haben. „All the Best“ lief auch auf dem SEEFF, dem South East European Film Festival, bei dem unter anderem Kroatien wie Serbien und Moldau mit je einem Streifen vertreten sind, aber das macht nichts. Es ist eine super Komödie, die anzuschauen auf jeden Fall lohnt. Menschenkenntnis und die Macht des Zufalls sowie die Kraft des Gesangs führen am Ende des Films, das am 24.12. spielt, zu einem mehrfachen Happy-End. Mehrere Szenen spielen bei Proben und Aufführungen in der Oper.

Nicht nur Sardinen auf Sardinien

Flagge Sardiniens. copyright Angelus/ Wikimedia

Vier weitere Länder bedenkt das neue Travelling Film Festival. Darunter Sardinien, was heute kein Staat mehr ist. Doch wir finden es schön, dass auch Regionen dazugehören. Eine eigene Küche gibt es ja. Und dazu gehören nicht nur Sardinen (und Sardellen). Aus der Dose sind beim TFF nur die Filme.
Übrigens: Nizza, Nice, liegt an der Côte d‘Azur unweit von Cannes. Cannes, Venedig, Berlin, das sind die großen A-Filmfestivals.

Nizza gehörte wie Teile Savoyens und des Piemonts zum Königreich Sardinien.

In Zukunft Bayern?

Vielleicht gibt es ja in Zukunft mal einen bayerischen Tag. Durch und durch bayerische Filme – teils mit deutschen Untertiteln – gibt es ja. Vielleicht sind einige davon auch englisch untertitelt worden; das zu überprüfen wäre eine Aufgabe für den Veranstalter. Als Gast zur Begrüßung käme Horst Seehofer infrage. Falls er einverstanden wäre. Seehofer könnte Urbayerisches von sich geben und befindet sich als Innenminister der Bundesrepublik Deutschland ja öfter mal ganz in der Nähe. Eine kohlendioxidarme Anreise wäre also durchaus möglich.

Da er ein Heimatministerium geschaffen hat, beziehungsweise die Deutschen es ihm verdanken, wäre eine Einführung in die Eigenheiten des bayerischen Freistaats durch Horst Seehofer durchaus naheliegend und umso mehr angesagt.

Sardischer Tag auf dem Travelling Film Festival

Am Sonntag, den 2.12.2018 (auch 1. Advent) schließt nicht nur das Travelling Film Festival gegen Mitternacht seine Pforten, es gibt auch nochmal einen echten Höhepunkt. Es soll voll werden.

Gezeigt wird der Film „Cabras, where Fables are born“ (‚Cabras, wo Fabeln geboren werden‘) aus dem Jahr 2015 (Originalversion/OV mit englischen Untertiteln (UT)). Gegen 9 Uhr abends dann das sardische Buffet dazu.

Das Travelling Film Festival mit klarer Struktur

Schön ist an diesem Festival das klare Programm mit immer gleichem Ablauf. Jeder Tag ein anderes Land. Kein Ruhetag dazwischen, den man sich merken müsste; keine anderen Uhrzeiten. Immer um 19 Uhr fängt es an; man braucht sich also nur die Länder auszusuchen oder geht einfach jeden Tag hin, um Festivalatmosphäre zu schnuppern. Durch das Café im Eingangs-Raum mit der Kasse ist es hier auch nie langweilig.

Ideal für alle, die sich ein paar Termine durchaus merken können und nicht jeden in einen Online- oder Handy-Kalender eintragen müssen, wo er für Google und Hacker tag und nacht sichtbar ist.

Ideal für alle, die nach jeder Kulturveranstaltung einen knurrenden Magen haben und sich andernfalls erst etwas suchen müssten. Angemessen preiswert ist es obendrein. Gerade an Wochenenden reichen 15 Euro in Cineplexkinos kaum für die Eintrittskarte und das ewig gleiche Kino-Kommissbrot aus gepufftem Mais mit zuviel Zucker.

Die Veranstalter des Reisefilmfests konzentrieren sich jeden Tag auf ein Land. Film und Abendessen sind in den Worten der Filmfest-Leute dazu gedacht, ein „besondere Reiseerfahrung aus Bildern, Klängen und Aromen“ zu ermöglichen.

Das finden wir toll.

Wo?
Travelling Film Festival Berlin, IL-Kino, Nansenstraße 22, 10247 Berlin-Neukölln („Kreuzkölln“),
Anfahrt mit der BVG: Bus M29 Pflügerstraße (Tag und Nacht möglich), U-Bahnhof Hermannplatz U7 (auch Freitag- und Samstagnacht) fußläufig erreichbar, etwa 7-15 Minuten, verschiedene Wege möglich. Wir empfehlen die Seitenstraßen zur Vermeidung von Verkehrslärm und Abgasen. In der Nähe ist ein Platz mit einer Kirche, wo einem auch schon mal ein Fuchs begegnen kann.

Travelling Film Festival Berlin, 28.11. – 2.12.2018 jeweils ab 19 Uhr.

Ablauf: 19 Uhr Begrüßung und Präsentation, 19.15 Uhr Filmvorführung (Originalversion mit englischen Untertiteln; nicht auf deutsch), 21 Uhr Dinner

Programm der mittleren Tage des Travelling Film Festivals Berlin

29.11.2018 (Donnerstag) „Emirates Day“, Emirate-Tag
„On borrowed Time“ (‚Über geborgte Zeit‘) aus dem Jahr 2018 (Vereinigte arabische Emirate VAE (englisch UAE)) + VAE-Buffet

30.11.2018 (Freitag): „Moldovan Day“, Moldau-Tag
„Wedding in Bessarabia“(‚Hochzeit in Bessarabien‘), ein moldauischer Film aus dem Jahr 2009, anschließend Buffet mit moldauischen Spezialitäten

1.12.2018 (Samstag/ Sonnabend) Serbischer Tag („Serbian Day“)
„Out of the Woods“ (‚Aus den Wäldern‘, 2017), ein recht aktueller serbischer Film gefolgt von einem serbischen Buffet

Und am Horizont: Die Berlinale – Kulinarisches Kino

Die Berlinale bietet seit Dieter Kosslick auch das „Kulinarische Kino“ an. Allerdings sind die Filmvorführung und das Essen danach räumlich etwas getrennt; weit mehr Zuschauer gucken den Film, gehen dann aber nicht zum essen. Das ist eine Geldfrage, aber auch eine Platzfrage. Die Plätze für die Kombinierte Karte Film plus Dinner sind heiß begehrt.

Auch hier wird das Menü extra zusammengestellt. Wie es zum Film passt, können wir aus eigener Erfahrung nicht beurteilen. Es ist uns noch nie gelungen, eine Karte zu ergattern. Die Speisefolge ist allerdings auf einen Film zugeschnitten, nicht ein Land.

Die teils sehr guten Dokumentarfilme behandeln zum Beispiel das Überleben des Planeten, Sushi oder ein bestimmtes Restaurant.

Jeden Abend einem Land zu widmen, ist etwas anderes. Eine tolle Idee, der wir Wiederholung wünschen.

Für die hauptsächlich des Deutschen mächtigen Zuschauer müsste man wohl noch ein neues Festival erschaffen. Das besagte wurde unter anderem von der „Berlin Italian communication“ organisiert und von den vier Ländern und Sardinien unterstützt.




Kroatien. Das erste Land auf dem 1. Travelling Film Festival

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In Länder gedanklich und kulinarisch zu verreisen, das ermöglicht das Travelling Film Festival Berlin vom 28. November bis zum 2. Dezember im IL-Kino. In der Realität ist eine Reise nach Kroatien, das dort filmisch und für den Gaumen und Magen vorgestellt wurde, auch möglich. Ein paar Beispiele, warum dieses wunderschöne Land so besuchens- und sehenswert ist.

Projekte des 21. Jahrhunderts in Kroatien

HYDRAULIS, eines wasserbetriebene Orgel, an der Adriaküste in Zadar, Dalmatien
Meeresorgel in Zadar, eine Hydraulis des Architekten Nikola Basić / Kroatien / Adriatisches Meer. © Foto/BU: Andrej Šalov, 2008 (Wikimedia)

Die Nachkriegsmoderne brachte Dalmatien unter anderem 2005 die Meeresorgel von Zadar. Sie funktioniert stromlos. Architekt Nikola Basić erschuf sie so, dass die Wellen Luft in Orgelpeifen pressen. Je nach Wetter, Wind und Wellengang werden in den Pfeifen verschiedenen Durchmessers entsprechende Töne erzeugt, obendrein ist die ganze Orgel begehbar. Man kann auch am Rand, am Wasser, sitzend die Beine baumeln lassen.

Nicht so bekannt, aber ebenfalls sehr umweltfreundlich und demokratisch, weil begehbar und damit direkt erfahrbar und erlebbar ist Basić‘ 2008 gebauter Glasplattenkreis. Die Solarzellen unter den 300 Glasplatten ermöglichen bunte Lichtspiele nach Sonnenuntergang.

300 Glasplatten im Boden nehmen tagsüber Sonnenlicht auf und erzeugen nach Sonnenuntergang Lichtspiele
Denkmal für die Sonne in der Küstenstadt Zadar in Kroatien; geschaffen von Nikola Bašić (Monument to the Sun in Zadar, Croatia). © BU: Andreas Hagemoser, 2018 © Foto: Andrej Šalov, 2008 (Wikimedia)

Die Zukunft soll die Pelješac-Brücke bringen, um die letzte Exklave rund um Dubrovnik direkt an das innerkroatische Autobahnnetz anzuschließen. 2007 begonnen, wurde sie durch die Finanzkrise skrupelloser Banker 2010 gestoppt. Die Regierung in Zagreb kündigte den Vertrag 2012. Ende.
Doch 2017 wurde ein neuer Versuch gestartet. Vielleicht helfen EU-Mittel, über 80% der Baukosten zu decken. Seit 1. Juli 2013 ist der Staat Unionsmitglied; die Kuna gilt weiter; von den Nachfolgestaaten Jugoslawiens hat nur Slowenien den Euro.

Kroatien: Dubrovnik hieß Ragusa, Stari Grad Pharos

Die Mischung aus Geschichte und Moderne macht zum Beispiel den Reiz von Dubrovnik und Stari Grad aus.
Dubrovnik hieß bis 1921 Ragusa und war Hauptstadt einer kleinen (drei Fünftel Luxemburgs), aber agilen Seerepublik; der Republik Ragusa. Berühmt für Handel und Diplomatie. Eine Unterordnung unter die Osmanen und die Konkurrenz zur Republik Venedig führten zur Überlassung des schmalen Landstreifens bei dem Hafen Neum an Bosnien, das zum Osmanischen Reich gehörte.
Zur Umgehung dieses einzigen Zugangs Bosnien-Herzegowinas zum Meer soll vom kroatischen Festland im Norden auf die Halbinsel Pelješac im Süden die nach ihr benannte Brücke führen. 2022 könnte sie fertig sein. Die Halbinsel ist in etwa so groß wie der Inselstaat Malta.

Kroatien: Wunderschönes Stari Grad auf der Insel Hvar

Stari Grad liegt an einem wunderbar langen, geschützten Naturhafen auf Hvar. Der Name bedeutet Altstadt im Sinne von Alte Stadt und das ist sie. Seit 384. Vor Christi. Nur etwa 2700 Einwohner hat sie heute. Das ist etwa einer für jedes Jahr ihres Bestehens. Griechische Kolonisten, die die Illyrer verdrängten, gründeten im vierten vorchristlichen Jahrhundert hier die Stadt. Sie nannten sie Pharos. Das Leuchtfeuer von Pharos gehörte zu den sieben Weltwundern, aber das wird wohl ein anderes Pharos gewesen sein. Starigrads gibt es auch mehrere, sogar viele. Stari Grad (Hvar) ist einmalig.

Travelling Film Festival Berlin, IL-Kino, Nansenstraße 22, 12047 Berlin-Neukölln („Kreuzkölln“),

Bus M29 Pflügerstraße, U-Bahnhof Hermannplatz U7

Travelling Film Festival Berlin, 28.11. – 2.12.2018 jeweils ab 19 Uhr.

Ablauf: 19 Uhr Begrüßung und Präsentation, 19.15 Uhr Filmvorführung (Originalversion mit englischen Untertiteln; nicht auf deutsch), 21 Uhr Dinner




Kapernaum, Capernaum. Das Chaos um Aussprache und Bedeutung eines Begriffes

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Kapernaum: Bei der Kapernaumkirche ging es mir wie so oft, wenn ich einen unbekannten Begriff oder Namen sah. Ich ging zum Bügeln oder Einkaufen oder zum Studieren, die erste Neugier auf die Bedeutung verflog ob Wichtigerem und später kam man nicht dazu, nachzuschlagen. Dabei hat mir meine Mutter, Künstlerin und Lehrerin, beigebracht, mir selbst etwas beizubringen. Die 12 Bände eines Lexikons in der riesigen Bücherwand im Wohnzimmer, auf die man immer schaute, bildeten einen Grundstock. „Wenn du über ein Wort stolperst, schlag nach!“ Das schien mir auch ein sinnvolleres Vorgehen als die Modeerscheinung der Mädchen aus Adelsfamilien früherer Jahrhunderte, die das Konversationslexikon Artikel für Artikel, Buchstabe für Buchstabe durchgingen. Ich erinnere mich an einem Film, in dem die Figur sagt: „Ich bin jetzt beim C.“ Im Übrigen deckt sich diese Vorgehensweise, die manche situatives Lernen nennen, mit den Methoden aus dem Dokumentarfilm „Being and Becoming“ über Homeschooling.

In einer Pressemitteilung über den im Januar in Deutschland startenden Film Capernaum stehen zwei Sätze, die mir eine Antwort gaben:
„Capernaum“, aus dem Hebräischen, bezeichnet eine ungeordnete Ansammlung von Objekten, einen Ort voller Chaos. Einen solchen Ort zeigt die libanesische Regisseurin Nadine Labaki (CARAMEL) in ihrer hochemotionalen Fabel.“

Diese wird vom Libanon immerhin als Beitrag des Landes für den Oscar „Bester fremdsprachiger Film“ ins Rennen geschickt. Es geht um einen Waisenjungen in Beirut.

Okay, C oder K ist oft austauschbar. Ist die Kapernaumkirche in Berlin-Wedding ein chaotischer Ort oder wenigstens nach einem Ort voller Chaos benannt?
Ebendort in Wedding sagte uns Ralf Wieland, Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, einmal: „Journalismus, das bedeutet zwei Quellen.“

Ist hier Capernaum und Kapernaum eins?

Doch erst einmal zur Aussprache, da wir darüber schon reden, obschon wir nicht wissen, was soll es bedeuten?

Wie spricht man Kapernaum oder Kapernaumkirche aus?

Im Gegensatz zu den meisten deutschen Wörtern, die gleich auf der ersten Silbe betont werden, einigt man sich bei Kapernaum auf die zweite. Dann wird es etwas komplizierter, auch wenn man es noch nicht gemerkt hat. Naum ist ein Schüler von Kyrill und Method; alle drei sind Heilige. Um sie geht es nicht.
Auch wenn viele Ka-per-naum sagen, klingt Ka-per-na-um besser, richtiger, eleganter.
Um Silben zu trennen, die man versucht sein könnte, diphthongisch – also zusammen – auszusprechen, gibt es ein diakritisches Zeichen. Es sind zwei nebeneinander angeordnete Punkte über dem Buchstaben. Sie sehen aus wie die Ö-Striche auf dem ‚ö‘.
Schön, wenn man die fran-zö-sische Automarke nicht Zitrön ausspricht oder Citrön. Denn Citroen hat zwei Punkte auf dem ‚e‘: dort beginnt die neue Silbe. Es heißt also richtig Ci-tro-en. Sprich Zieh-tro-enn.

Exkürs mit ‚Ü‘

Bei dem Wort Kapernaum müssten nun dort, wo die neue Silbe beginnt, zwei Pünktchen aufgetüpfelt werden. Das ergäbe Kapernaüm. Das wiederum spräche man im Deutschen aber Kaper-na-üm aus – und nicht na-um.
Ersatzweise hätte man versuchen können, die zwei I-Tüpfelchen auf das ‚a‘ zu plazieren. Dann ergäbe sich Kapernäum. Dieses spräche sich aber wie Bäume oder Bäumchen aus, und man würde wieder die richtige Aussprache versäumen. Es bringt also nichts, die Trennstelle mit zwei Pünktchen künstgerecht zu umsäumen. Im Wedding könnte man sonst vermuten, dass der Name vielleicht dem Türkischen entlehnt sei, da das ‚ü‘ zümlich selten ist, vielleicht noch im Fünnischen oder Üngarischen zu fünden. Ha-hmm.

Überraschung

Das 12bändige Lexikon habe ich nicht zur Hand. Die Bertelsmann-Lexikothek auch nicht. Also muss ein Blick in die deutsche Wikipedia reichen.

Dort ist von Chaos keine Spur, so scheint es. Doch wird es auch nicht dementiert.
„Kafarnaum, auch Kapernaum und Kapharnaum“, so fängt der Eintrag an. Jetzt habe ich schon vier Schreibweisen gesehen. Zur Etymologie: Der Begriff stamme aus dem Hebräischen. Ja Gott sei Dank, dann sind wir ja schnell fertig. Im Hebräischen bedeutet – was? Hilfe, nein! Das ist ja etwas ganz anderes! Es soll um Nachums Dorf, Kfar Nahum, gehen. Es liegt am See Genezareth. Auch das noch, wenn es in die Bibel reingeht, ist es kanonisiert worden. Und richtig, es heißt dann: „neutestamentlich-biblisch: Καπερναούμ, Kapernaum”.

Kapernaum als Fischerdorf

Wenn doch wenigstens bitte Nachums Dorf ein Ort des Chaos wäre! Die nach Kapernaum benannte Kirche brannte an ihrer Spitze, das wäre ja ein Anfang der Übereinstimmung oder die Spitze des Eisberges. Ein Fischerdorf in Galiläa, das hat ja noch gefehlt. Am Ufer eines Sees, den jedes Kind kennt.
Im 19. Jahrhundert hat man sogar noch die Ruinenstätte Talhum oder Tel Hum dem historischen Dorf zugeordnet. Au weia. Nun haben wir also einen unauflösbaren Widerspruch. These und Antithese sind vor der Nase, wo bleibt die Synthese? Jeschua oder Jesus von Nazareth soll dort gewirkt haben.

Zum Film Capharnaüm, deutscher Titel Capernaum – Stadt der Hoffnung und der Wandlung des Libanons

Das lässt verstehen, warum das Gotteshaus so heißt. Doch ob der libanesische Film das Wort gekapert hat oder schlicht den christlichen Hintergrund verschleiern wollte, muss an dieser Stelle offenbleiben. Spekulation. Solange der Proporz im Libanon funktioniert, hat der Frieden eine Chance. Viele meinen, dass die Schweiz des Nahen Ostens, wie das Land früher wurde genannt, durch das Eintreffen der PLO in den Bürgerkrieg gezogen wurde, der zwischen 1975 und 1990 90.000 Menschen das Leben kostete.

Von Anfang an befindet sich der Libanon im Kriegszustand mit Israel und ist eines der wenigen übriggebliebenen Länder mit diesem Status, nachdem erst Ägypten 1979 mit Sadat und dann auch Jordanien Frieden schlossen. Die PLO hatte in Jordanien zu einem Ungleichgewicht geführt. 1970 gab es einen Bürgerkrieg dort, die PLO wurde hinausgeschmissen und ging in den Libanon, einzelne Palästinenser gingen nach Syrien. Der libanesische Bürgerkrieg, der nach dem Fortgang der Palästinenser Mitte der Achtziger wenige Jahre später zum Ende kam und der syrische Bürgerkrieg sind wohl nicht allein der PLO in die Schuhe zu schieben. Fest steht, dass es in allen drei israelischen Nachbarländern zum Bürgerkrieg kam und auch Tunesien in Unruhe geriet – Beginn des arabischen Frühlings – wohin Teile der PLO sich zurückgezogen hatten, wenn auch eine vereinzelte Bombardierung mit dem langen Arm einige Spitzen der Palästinenser heimsuchte.

Hunderttausende flohen aus dem Libanon – jetzt sind noch mehr Flüchtlinge dort sicher

Heute ist der Libanon, aus dem während des Bürgerkriegs etwa 800.000 Menschen unter anderem nach Syrien, Deutschland und Frankreich flohen – nicht alle kehrten zurück – selbst ein sicherer Hafen für Flüchtlinge. Eine Million Syrer befand sich hier in dem kleinen Zedernland, doch auch Afrikaner finden den Weg hierher.

Über syrische Bauarbeiter in Beirut, die Hochhäuser bauten, während ihre Heimat zerbombt und zerschossen wurde:

Beton schmeckt. „Taste of Cement“: Filmpremiere in Berlin mit Regisseur

Der Film CAPHARNAÜM läuft auf dem Festival Around the World in 14 Films heute, am 29.11.2018 um 21.45 Uhr als Film Nummer 9 von 14 Filmen. Er ist aber ausverkauft, obwohl er im großen Saal projiziert wird. Vorgestellt vom Filmpaten Nikolai Kinski.

Der Streifen startet in den deutschen Kinos am Donnerstag, den 17. Januar 2019 (im Verleih von Alamode Film und Wild Bunch Germany). Er ist 124 Minuten lang, also über zwei Stunden.

Around the World in 14 films
Kapernaumkirche

Mehr über Libanon und seine Nachbarn:

Rasha in a Rush – Kuratorin Rasha Saltis Zeit der Unruhe zwischen Berlin und Paris beim „Cinéma du Réel“