Filmstar Hillary Clinton – Die auf der Berlinale gezeigte Doku-Serie „Hillary“ erweist sich als ein informatives wie kurzweiliges Portrait von Hillary Clinton

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Hillary Clinton. Quelle: Pixabay, Foto: John Hain

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In der Fernsehserie „Mit Schirm, Charme und Melone“ gibt es eine Episode die im deutschen den Titel „Filmstar Emma Peel“ trägt. In dieser wird die emanzipierte und karateschwingende Agentin Emma Peel, jenes fiktionale Vorzeigebild der Frauen-Emanzipation der 60er Jahren, von einem verrückten Filmproduzenten in ein stillgelegtes Filmstudio entführt, wo dieser sie gegen ihren Willen als Hauptdarstellerin und Star missbraucht, um sein neustes Filmepos vollenden zu können. Ähnlich muss sich Hillary Clinton vorgekommen sein, als sie bei der Berlinale ihr gleichnamiges Dokumentationsportrait vorstellte. Wurde ihr doch die gleiche Aufmerksamkeit zu teil, die sonst nur Filmstars erhalten. Sie, der Star des Geschehens auf dem Filmterritorium Berlinale. Und in einer Rolle, für die sie eigentlich gar nicht maßgeschneidert war und die sie dennoch mit ihrem Erscheinen ausgefüllt und bedient hat. Setzte sie der Berlinale mit der Doku Hillary und ihrer Präsenz doch ihren Stempel auf. Schlussendlich zierte sie sogar das Cover von einschlägigen Branchenblättern wie Variety oder dem Hollywood Reporter.

Das Erscheinen von Hillary Clinton bei der Berlinale war also definitiv ein Highlight, das nur sehr wenig vom Schaulaufen der Hollywoodprominenz geprägt war. Kulturstaatsministerin Monika Grütters ließ es sich nicht nehmen persönlich zu erscheinen, um sich mit Frau Clinton fotografieren zu lassen, und Hillary stand am Ende der Premiere im Haus der Berliner Festspiele selbst auf der Bühne um in eine Gesprächsrunde weitere Auskunft zu erteilen. Stellte ihr anschließendes Erscheinen und die Diskussion mit ihr, in der sie dann doch wieder die Politikerin war, eine wunderbare Zugabe zu der Dokumentation dar. Konnte man in der Doku schon einen umfassenden Blick auf sie erhalten, wurde dies dann durch ihre persönliche Anwesenheit zusätzlich erweitert und sogar bestätigt. Die, der Powerfrau Hillary, die mit großer Intelligenz, Klugheit und Scharfsinnigkeit für die Rechte der Frauen, ein verbessertes amerikanisches Gesundheitssystem, das Klima und mehr Kampf um Gerechtigkeit eintritt und in der Pressekonferenz tags darauf noch eins drauf legte und hier nicht müde würde Seitenhiebe gegen Donald Trump und Wladimir Putin auszuteilen. Vor Tatendrang und Energie fehlt es der körperlich kleinen Frau niemals in den beiden Tagen. Und sie weigerte sich auch die Doku als ihr Erbe anzusehen, da sie selbst noch genug vorhabe. Anhänger, Gegner, politisches Engagement und Veränderungswillen hat Hillary genug im Gepäck nach Berlin mitgebracht. All das bestätigte letztendlich das in der Dokumentation gezeigte Bild von ihr. Und es wird einem klar warum sie Anhänger wie Gegner hat. Denn Hillary Clinton hat das, was man sinngemäß gern dem männlichen Teil der Erdbevölkerung zu- bzw. auch aberkennt, sie hat Eier. Ein wenig die Emma Peel der Weltpolitik, ohne allerdings auf Karate zurückzugreifen. Auch wenn sich viele gern wünschen, das sie diese Form des Anwendung bei Donald Trump und Wladimir Putin in die Tat umsetzt würde.

Die vierteilige Dokumentarserie „Hillary“ von Nanette Burstein, die in der Sektion Berlinale Special lief, beschäftigt sich mitder Person und Politikerin Hillary Clinton. Die Dokumentation ist mit einer Gesamtdauer von über vier Stunden die bisher umfangreichste Darstellung der ehemaligen First Lady, Außenministerin und Präsidentschaftsbewerberin der Vereinigten Staaten. Die Dokumentations-Serie besteht im Wesentlichen aus vier klar strukturierten Teilen: Kindheit und Jugend, die Jahre als First Lady, das Impeachmentverfahren gegen Bill Clinton aufgrund seiner Beziehung mit Monika Lewinsky, und die Zeit als Secretary of State (Außenministerin) unter Barack Obama. Überbrückt werden die Lebensabschnitte mit Hillarys Kampf um die amerikanische Präsidentschaft im Jahr 2016 welcher die Serie als roter Faden durchzieht. Hier erhalten wir den berüchtigten Schlüssellochblick. Und wir erleben sie hinter den Kulissen des Wahlkampfs; die Diskussionen, Wahldebatten und – touren sowie die Gespräche und Auseinandersetzungen mit ihrem Wahlkampteam. Zudem stand Hillary der Filmemacherin Nanette Burstein sieben Tage in einem ausführlich Interview zur Verfügung, in dem sie bereitwillig Informationen über ihr Leben, ihre Denken und ihre politische Ansichten Preis gab. Die Dokumentation von Nanette Burstein darf hier nicht als kritische Auseinandersetzung mit der Person Hillary Clinton verstanden werden. Dafür ist das Themenfeld zu weit und zu groß. Allein das Impeachmentverfahren gegen Bill Clinton oder der Präsidentschaftswahlkampf von 2016 würden für sich allein schon genug Stoff für eine separate Dokumentation stellen. „Hillary“ muss in erster Linie als ein Portrait bzw. eine biografische Dokumentation gesehen werden. Der Focus ist auf Hillary Clinton gerichtet und auch hier überwiegt am Ende die positive Sicht auf sie, als Mensch und als Politikerin. Spannend und informativ ist sie dennoch allemal. Das alles hätte auch in einer Dokumentation von 1 ½ bis 2 Stunden Länge abgehandelt werden können. Aber gerade das Zwischenspiel zwischen persönlichem Interview, dem eingebetteten Wahlkampf von 2016, eigentlich schon eine Doku in der Doku, und das Mitverfolgen des Weges von Hillary an die Spitze der amerikanischen Gesellschaft machen diese Dokumentation abwechslungsreich und erschafft ein großes Portraitbild von ihr. Sie vertieft viele Aspekte ihres Lebens, ihrer Politik und ihrer Ehe mit Bill Clinton. So gewinnt man den Eindruck, dass Bill Clinton niemals Präsident geworden wäre oder hätte sich halten können, wenn Hillary nicht ihre Frau hinter dem Präsidenten gestanden hätte. Erscheint sie doch als die Stärker und Klügere in der Ehe. Eine von vielen Eindrücken, die man beim sehen dieser lohnenswerten Dokumentation erhält. Eben weil „Hillary“ eine biografische Dokumentation ist, erhält der Zuschauer wiederum auf Umwegen einen faszinierenden, wen auch persönlichen Blick auf die amerikanische Gesellschaft und insbesondere auf die amerikanische Politik. Insofern war Hillary Clinton auf filmischen Umwegen dann wieder sehr politisch unterwegs.

Filmographische Angaben

  • Originaltitel: Hillary
  • Genre: Dokumentation
  • Staat: USA
  • Jahr: 2019
  • Regie: Nanette Burstein
  • Dauer: 252 Minuten

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