Hoppla, wo ist Doktor Mühe? – Annotation zur Kriminalgeschichte „Das Verschwinden des Dr. Mühe“ von Oliver Hilmes

"Das Verschwinden des Dr. Mühe." Oliver Hilmes. © Copyright Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Coronaherbst naht und wir brauchen dringend gute Lektüre zum Einschlafen!

Oliver Hilmes Kriminalgeschichte lässt uns teilhaben an den Umständen des seltsamen Verschwindens eines Kreuzberger Arztes im Jahr 1932 in Berlin.

Dr. Mühes Spuren verlaufen sich am Sacrower See. Ist er ertrunken, wurde er ermordet? Weil sich keine Leiche findet, wird dieser Vermisstenfall, der nach wirklichen Ereignissen von Hilmes in einem Sachbuch mit belletristischen Versatzstücken „aufgerollt“ wird, zu einem Cold Case.

Krimis aus der Zeit der beginnenden Naziherrschaft erfreuen sich aktuell großer Beliebtheit, Babylon Berlin strahlt ab. Das muss nichts Schlechtes sein, zumal Hilmes sein Handwerk gut versteht und uns durch die Wirrungen des Vermisstenfalls führt.

Ohne das schlüssige Ende vorwegzunehmen und zu viel zu verraten: man kann das Buch gut weglesen, Hilmes Spekulationen halten sich in Grenzen, die Sprache ist schnörkellos, er langweilt nicht mit Nebenfiguren und gruseligem Nazigedöns zum Fürchten.

Der Bangemachquotient ist ausgewogen, der Sound ok. Das Buch liest sich wie eine knorke Langzeitreportage mit ein wenig Kolorit.

Wer auf schlüssige True Crime- Literatur von Anton bis Zylinder steht, ist hier falsch.

Wer sich mittelschwer von einer guten Geschichte in den Schlaf wiegen lassen will, schlage zu!

Bibliographische Angaben

Oliver Hilmes, Das Verschwinden des Dr. Mühe, Eine Kriminalgeschichte aus dem Berlin der 30er Jahre, 240 Seiten, Verlag: Penguin, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, München 2020, ISBN: 978-3328601388, Preis: 20 EUR (Deutschland), 20,60 EUR (Österreich), 28,90 SFr (empfohlener Verkaufspreis)

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