Spiel mir das Lied von den Toten – Annotation zum Buch „Serpentinen“ von Bov Bjerg

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"Serpentinen" von Bov Bjerg. © Claassen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Mann geht mit seinem Sohn spazieren und erzählt von toten Männern. Es ist ein langer Spaziergang, er führt sie durch die schwäbische Alp. Der Mann erzählt dem Sohn von ihren männlichen Vorfahren, die sich alle selbst getötet haben.

Der sympathische Bov Bjerg hat ein sympathisches Buch übers Wandern geschrieben… nee, stimmt nicht, es ist ein hochdramatischer Stoff über fehlende Liebe, Ängste, Einsamkeit, um nur einige Punkte zu nennen, die uns auf des Messers Schneide präsentiert werden.

Denn nichts anderes ist dieser Weg als ein Messerweg, angefüllt mit Sprache und Zeichen. Führt er ins Verderben oder in die Befreiung? Ist diese Frage relevant?

Es ist ein sehr eigenwilliger Text, der Leser muss mit dem Roman „Serpentinen“ arbeiten. So wie sich der Vater durch Bier und Depressionen kämpft, ist für uns lesende Voyeure jede Seite ein Stück Canossa.

Sprache ist Krücke, Sprache kann wehtun. Bergs heftiges Buch tut weh, reißt mit und beglückt in seiner Konsequenz gleichermaßen.

Bibliographische Angaben

Bov Bjerg, Serpentinen, Roman, 272 Seiten, fester Einband mit Schutzumschlag, Verlag: Claassen, 1. Auflage, Berlin, 28.1.2020, ISBN: 3-546-10003-8, Preis: 22 EUR (Deutschland), 22,70 EUR (Österreich)

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