Möpse, Knochen und Katzen – Zum Kartenspiel „Mopsen“ von Andreas Pelikan

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Kartenspiel „Mopsen“ von Andreas Pelikan im Spieleverlag Huch sei etwas für drei bis fünf Spieler zwischen acht und 99 Jahren. Für die Kleinen mag das Format der 65 Karten groß sein, für Große ist`s klein, aber auf Reisen und also für Unterwegs groß genug.

Klein sind auch die Möpse, die verrückt spielen würden, denn soeben sei „eine riesige Lieferung leckerer Knochen aus der Küche angekommen“, heißt es in der Einleitung zur übersichtlichen und kurzen Spielregel, die jeder schnell verstehen sollte. Weiter im Text: „Keiner kann den Hals voll genug bekommen und jeder will die besten Stücke für sich haben. Deswegen drängeln sich die verwöhnten Möpse nach vorne, um vor den anderen an die leckere Beute zu kommen … und dann schleicht auch noch die freche Katze daher und bringt alles vollkommen durcheinander!“

Die Verpackung und die Karten des Spiels „Mopsen“ von Andreas Pelikan. © Huch

Das klingt nicht nur nach einem schnellen Stichspiel, das ist es auch. Und das geht so: Wer beim Ausspielen die höchste Karte legt, acht davon hält jeder in der Hand, der bekommt die darauf abgebildeten Knochen als Siegpunkte. Wer allerdings die niedrigste Karte spielt, der darf mopsen und sich eine eben gespielte Karte zurück auf die Hand nehmen. Mopsen geht immer über drei Runden im Uhrzeigersinn und in jeder Runde gibt es Stiche. Weil Farbzwang herrscht, müssen die Mitspieler die gleiche Farbe des Mopses des Ausspielers legen, also Rot, Grün, Gelb oder Blau. Wer keinen passenden Mops hat, der spielte eine Katze, denn Katzen umgehen den Farbzwang. So sind sie halt, die Katzen. Wer in der Runde an der Reihe ist, der darf und kann sogar eine Katze spielen, „auch wenn er einen passenden Mops hätte“. Tut das der Ausspieler, dann herrscht für die Mitspieler kein Farbzwang.

Auf den Karten sind nicht nur Möpse und Knochen zu sehen, sondern auch noch Zahlen. Die entscheiden über den Stich, die Knochen hingegen sind Wertungspunkte. Die trägt man mit einem Stift auf Papier auf einen selbstgebastelten Wertungszettel. Dafür zeichnet man sich einfach eine Tabelle mit Namen und Runden. Und das geht so einfach wie das Spiel.

Mehr zu den Regeln und zum Ablauf des Spiels finden alle Spieler im kleinen Rückstichheftchen, das sich mit den Karten in der Verpackung befindet.

Übrigens geht der Spieler mit der schwächsten Karte nicht leer aus. Zwar bekommt er keine Siegpunkte, aber er darf sich „eine der ausgespielten Karten auf die Hand nehmen und zusätzlich die Hackordnung verändern. Und darauf kommt es an!

Bibliographische Angaben

Autor: Andreas Pelikan, Mopsen, Inhalt: 56 Spielekarten mit Möpsen und Katzen, 5 Fressnäpfe, 4 Drängelkarten für die Hackordnung, Anzahl der Spieler: 3 bis 5, Alter der Spieler: 8 bis 99, Spieldauer: 30 Minuten, Verlag, Huch, Vertrieb: Hutter Trade GmbH & Co KG, Design: Sabine Kondirolli (Huch), Illustration: Fiore GmbH, EAN: 4 260071 880659, Preis: 8,49 EUR




In einer Straße in Berlin parken Autos nach Farben sortiert.

Autos sollen nach Farben sortiert werden. „Unser Dorf wird schöner“ in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Farben sind etwas Feines. Farben sind schön, finden viele. Vielleicht nicht die Goths. Denn Schwarz ist keine Farbe, ich weiß. Jetzt will die Stadt Berlin Ordnung in die Farben bringen. Die meiste Farbe in die Straßen bringen die Autos und Lkw. Während die Laster meist mit Werbung beschriftet sind, sind deutsche Autos bunt und uni. Langweilig, gemessen an den philippinischen Jeepneys, die meist wirklich bunt sind. Bunt ist ein Straßenzug nur durch viele verschiedene Autos. Aber nicht unbedingt hübsch. Da geht noch was, befanden bezirkliche Planer. Da die deutsche Hauptstadt inzwischen auch als Hauptstadt der Kunst gilt und staatliche Institutionen wie die KBB verschiedenste Projekte fördern, darunter das Haus der Kulturen der Welt und die Berlinale, könnte man hier weiter punkten, muss man sich gedacht haben. Und mit einem Pfund wuchern, dass es gratis gibt: Autos. Sie müssen bloß nach Farben sortiert werden.

Einfache Ideen: Christo und Jeanne-Claude

Einfache Ideen sind manchmal sehr erfolgreich, man denke nur an Christo und Jeanne-Claude. Alles mögliche wird verpackt: Weihnachtsgeschenke, Ostergeschenke, Geburtstagsgeschenke – warum nicht Häuser verpacken?

Die Realisierung war vielleicht gigantisch und erforderte neben einem großen finanziellen Aufwand auch die Zustimmung und Zusammenarbeit verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen – doch letztlich war die Idee ganz einfach: Wir verpacken das, was noch nicht verpackt wurde.

Und gleich wurden die beiden, der Bulgare aus Gabrowo und die Frau aus Casablanca, nicht nur zu Künstlern. Sie wurden Verpackungskünstler genannt.

Erfinde eine neue Kunst und du kannst ganz oben mitmischen.

Die Verhüllung des Reichtagsgebäudes 1995: Ein perfektes Beispiel für die gelungene Verbindung oder Umhüllung öffentlicher Institutionen durch Kunst.

Nach Farben sortiert wie Suhrkamp-Taschenbücher

Wer einmal eine gut sortierte Buchhandlung wie Hugendubel in der Wilmersdorfer Straße, Lünebuch am Lüneburger Markt oder Kindlers Buchhandlung in der Mosbacher Hauptstraße besucht hat, wird leicht einsehen, dass es durchaus Sinn haben kann, Bücher nach Farben zu sortieren.

Die Suche nach Schönheit hört auf der Straße nicht auf. Ästhetik hat viele Gesichter.

Es kann auch schöne Farbeffekte geben, wenn viele bunte Bücher sinnvoll nebeneinander stehen, unterschiedlich dick wie die Linien eines Holzstichs.

Manchmal spielen mehrbändige Nachschlagewerke in Taschenbuchform damit, dass sich die Gestaltung der Rücken über das Gesamtwerk erstreckt. Damit kann auch das Zurückstellen eines benutzten Bandes in das Regal vereinfacht werden.

Das ganze ist eben mehr als seine Teile, ob nun beim Buch, beim Menschen oder beim Automobil.

Farbenreine Sortierung von parkenden Autos

Die Idee ist ja nicht schlecht, bestimmte Farben an bestimmten Stellen eines Straßenzuges zu konzentrieren. Eine solche absichtliche Installation ist wohl weltweit einmalig. Berlin wäre zumindest zeitlich mal wieder ganz vorn. Wie beim Fernsehen. Eine Pionierstadt, Avantgarde. Doch welche Farben in welchen Straßen? Passend zur jeweiligen Hauswand?

Und was ist mit der Praktikabilität?

Die Bezirksämter und auch die entsprechende Schnittstelle im Berliner Senat haben sich bisher nicht zu der Frage geäußert, wie lange so verfahren werden soll, wie lange das Projekt insgesamt dauert.

Vielleicht ist ja auch eine Sensibilisierung der Bevölkerung angedacht, ihre Wagen jeweils nur neben einem in der gleichen (oder zumindest ähnlichen) Farbe abzustellen. Das könnte dann einen dauerhafteren Effekt haben.

Umweltschützer werden zudem darauf hinweisen, dass der Parksuchverkehr anschwillen wird, wenn erst nach bereits geparkten Wagen in einer ähnlichen Farbe gesucht werden muss. Höherer Benzinverbrauch und Kohlendioxidausstoß werden bestimmt nicht gut ankommen, bei aller Liebe zur Kunst.

Andererseits ist es umweltfreundlich, dass die Farbe nicht neu produziert werden muss und auch keine Lösungsmittel ausgasen, da die Lackierung bereits erfolgt ist.

Interessant wird, die eigenen Reflexe und die anderer zu beobachten: Die Bibel sagt schon „… und führe mich nicht in Versuchung“. Was ist aber, wenn jemand nicht an einer farbunreinen Parklücke vorbeiführe?

Abschleppen erlaubt, wenn nicht nach Farben sortiert geparkt wurde?

Abzuwarten bleibt, inwiefern das Ordnungsamt auch in diesem Fall für Ordnung sorgen soll und ob Abschleppungen im Einzelfall erlaubt sein werden, wenn zum Beispiel ein schwarzer Geländewagen zwischen 10 „richtig“ geparkten Silberboliden steht.

Strafzettel zu vergeben wegen „Falschparkens“ könnte unter Umständen als angemessen betrachtet werden, immerhin geht es um das große Ganze, um die Stadt. Ihre Anziehungskraft als Touristenattraktion, einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde und vieles mehr.

Einen Querschläger zu verwarnen, der einfach nicht mitmachen will, halte ich für moralisch durchaus vertretbar. Es kann ja bei kleinen Beträgen bleiben. Schließlich kostet bei den Politessen ein Parkverstoß im absoluten Halteverbot oder auf einem Behindertenparkplatz um die 25- 35 Euro, dahingegen ein abgelaufener Parkschein nur zwischen 5 und 15 Euro. Obendrein kommt das Geld immer dem Bezirk zugute. Als Lokalpatriot zum Beispiel in Steglitz-Zehlendorf kann man, statt umständlich ein Spendenkonto zu suchen zum Beispiel für Baumpflanzungen, durchaus auch ab und zu keinen Parkschein ziehen.

Ungeklärt ist bisher auch, ob Farbenblindheit einen Rabatt beim Knöllchen erwirken kann. Immerhin sind die meisten Autofahrer nach wie vor Männer. Gerade bei ihnen ist die Rot-Grün-Blindheit weit verbreitet.

Genau deswegen sind ja auch die farbigen Lichtzeichen an signalgebenden, verkehrsregelnden Anlagen – Ampeln – senkrecht angeordnet worden. Am Potsdamer Platz in Tiergarten kann man noch eine alte Ampel bestaunen, deren rote, gelbe und grüne Lichter waagerecht nebeneinander angeordnet waren.

Jetzt, wo man weiß: „Wenn das obere Licht brennt, habe ich sofort anzuhalten“, gibt es weniger Unfälle als vorher.

Es erscheint sinnvoll, Personen mit Führerschein und Rot-Grün-Sehschwäche im Regelfall von Ahndungen wegen Verstößen gegen die Farbparkregel – „hast du einen Nachbarn, richte dich nach ihm“ – auszunehmen.

Auch Bohnen, Beeren und PVC werden nach Farben sortiert

Fortschrittliche Sortiermaschinen können nicht nur Bohnen und Beeren, Reis und Kaffee optisch unterscheiden – schwarz ist eine Warnfarbe der Natur, Verdorbenes kann so aussortiert werden – sondern sogar Kunststoffe wie Polyvinylchlorid (PVC). Maschinenbauer vermelden zum Beispiel: „Durch die erreichten Reinheiten und die hochkonzentrierten Auslesefraktionen kann sich ein Farbsortierer schnell amortisieren.“

Warum sollte sich das Farbsortieren im Straßenland nicht auch schnell auszahlen? Wie oft schauen die Touristen auf das Brandenburger Tor? In Zukunft könnten auch unbekannte Straßenzüge entdeckt werden, sich die Besucherströme besser verteilen und die Läden in den Kiezen neu belebt werden.

Fazit: Die parkenden Autos – ein notwendiges Übel – nach Farben sortiert – genial.

Jetzt bei den bevorstehenden Dieselfahrverboten werden manche Wagen sowieso länger am Straßenrand stehen. Da lohnt es sich, einen besseren Platz zu suchen; warum keinen farblich passenden?

Wir sind gespannt, wann sich das und in welchen Straßen durchgesetzt haben wird. Ein leichtes dürfte es sein, das in der Moabiter Thusneldaallee zu realisieren. Die Allee vor dem höchsten Kirchturm Berlins ist die kürzeste Straße der Stadt.

Das Bild zum Beitrag über die Ausstellung von Rosaana Velasco und anderen in der Weddinger Neuen Hochstraße 8 zeigt ein Photo der Rauminstallation „ORDNUNG DER FARBE“:

Tapir entlaufen. Rosaana Velasco stellt in Mitte aus, Fernando Soto musiziert dazu: „The Belly of the Whale“

Noch ein Artikel zu Farben:

Angebote. Natascha Engst-Wrede und Jürgen Eimecke bieten mit ihren farbenfrohen Bildern eine neue Sicht auf die Gebote an