Über den Tod und die Männer – Ein Gespräch mit Peter Lohmeyer

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© Salzburger Festspiele / Forster

Salzburg, Österreich (Kulturexpresso). Kaum ein Theaterfreund kennt nicht die legendäre Aufführung des „Jedermann“ auf der Bühne vor dem Dom der Stadt Salzburg. Für den Schauspieler im deutschsprachigen Theater bedeutet das Spiel vor der eindrucksvollen Kulisse der Stadt an der Salzach eine Auszeichnung. Endlos scheint die Reihe der Schauspieler zu sein, die in Salzburg besonders in Hauptrollen glänzten. Voran die Rolle des Jedermann, die in diesem Jahr von Cornelius Obonya grandios auf der Bühne dargestellt wurde. Der Gegenspieler, der Tod, wurde von Peter Lohmeyer gespielt.

Pichl: Herr Lohmeyer, wenn ihr Name fällt, folgt im zweiten Satz meist der Titel „Das Wunder von Bern“. Werden Sie heute noch gern darauf angesprochen?

Lohmeyer: Ja, auf Sachen, die ich gerne gemacht habe, wo ich konkret dahinterstehe, werde ich gerne darauf angesprochen, unter anderem auf „Das Wunder von Bern“. Ich habe mit dem Film Glück gehabt und der Film hat eine Menge bewegt, glaube ich, nach vielen Erlebnissen und unzähligen Fragen zum Film. Man kann aber heute auch gern zu mit sagen: „Grüß Gott Herr Tod!“

Pichl: Richtig, einigen Theaterfreunden fallen die Salzburger Festspiele und der Jedermann ein. Sie sind hier in den letzten Jahren in der Rolle des „Tods“ bekannt geworden. Wie kamen
Sie zu dieser Rolle?

Lohmeyer: Es kam zu der Rolle, weil Schauspieler sich nicht Zuhause hinsetzen und zurücklehnend auf Anrufe warten sollten, sondern sie sollten Zeitung lesen. Damals las ich die Süddeutsche Zeitung. Da stand drin, dass ein Regisseur, den ich kannte, das Stück wieder aufführen wollte, aus einer vorherigen Arbeit am Schauspielhaus Hamburg, vom Sommernachtstraum. Julian Crouch. Dann habe ich einfach hingeschrieben, dass ich gern mitspielen wolle, egal, welche Rolle. Irgendwann erreichte ich eine Sekretärin, die sagte, sie kümmere sich darum. Eine Woche später hatte ich das Angebot, die Rolle, sollte den Tod spielen.

Pichl: Die Rolle bietet eine Reihe von Facetten und Formulierungen. War es für sie einfach, sich diesen manchmal schwer verständlichen Text anzueignen?

Lohmeyer: Erst einmal habe ich nicht so viel Text. Der Jedermann hat das Hundertfache. Dann muss man, dass, was man sprechen und spielen muss, ausprobieren. Man muß Sprache immer als etwas begreifen, das da rein muss und wieder raus muss, wenn man die Sprache vom Klang erfasst, dann sollte man sich auf den Sinn einlassen, Gelingt das eine, geht das andere. Wichtig ist, authentisch zu sein. Dass die Menschen glauben, dass man es in dem Moment so meint, wie man es sagt.

Pichl: Im „Jedermann“ wird der Tod von einem strafenden Gott auf die Erde geschickt, um den reichen Mann für seine Taten zu leutern. Wie gelingt es einem Schauspieler am Text zu bleiben und dem Zuschauer durch eigenen Einsatz den Tod zu vermitteln?

Lohmeyer: Ich suche immer noch danach, aber ich glaube, mittlerweile einen guten Weg gefunden. Es ist mein Weg gewesen, selbstverständlich mit den Regisseuren. Mir sagte einmal ein Zuschauer: “Wenn es vorbei ist, möchte ich das sie mich holen.“ Neulich war ich im Gottesdienst im Dom da sagte mir jemand: „Ich habe den Jedermann fünf Mal gesehen und durch sie habe ich jetzt weniger Angst vor dem Tod.“. Mehr kann man eigentlich nicht erreichen.

Pichl: Wenn Peter Lohmeyer den Tod verkörpert und einige Vorstellungen durchlebt hat, bekommt der Schauspieler und Mensch eine neue Sichtweise auf das Thema Sterben?

Lohmeyer: Sterben habe ich nie als Tabu wahrgenommen. Ich beschäftige mich nicht mit meinem Tod, sondern mit dem Tod anderer: mit Freunden, die weg sind. Jeder geht da seinen eigenen Weg wie er damit umgeht. Ich stehe viel zu sehr, gerade mit vier Kindern, im Leben, als dass ich mich nicht mit meinem Tod beschäftige. Es ist immer schön, wenn man sich von jemandem verabschieden kann, der diesen Planeten verläßt.

Pichl: Peter Lohmeyer ist nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Mann-TV, einem Männer-Magazin im Internet, zu sehen. Fällt es ihnen leicht, ihre Geschlechtsgenossen würdig zu vertreten?

Lohmeyer: Ich denke, ich bin gutes Exemplar Mann. Das ist etwas, was ich in der Erziehung meiner Kinder sehe. Was bedeutet Frau, was bedeutet Mann oder was bedeutet miteinander
umzugehen, auch den Respekt vor dem anderen Geschlecht zu haben, das eines der wichtigsten Dinge auf dieser Welt ist und auf dieser Welt immer noch nicht in eine Form gebracht ist, die für Millionen von Frauen lebenswert ist.

Pichl: Muss nach der Frau sich nun auch der Mann neu erfinden und emanzipieren?

Lohmeyer: Emanzipieren muss er sich nicht, das Beste, was man einem Mann sagen muss: „Sei aufmerksam“.

Pichl: Die erste Sendung zeigt sie in einem Bewerbungsvideo. Wird es eine weitere Sendung von Mann-TV ihnen geben?

Lohmeyer: Bis jetzt ist nichts geplant.

Pichl: Ein weiteres Feld, das sie aktuell beackern, ist ihr Einsatz als Sänger. In der Reihe „Club der toten Dichter“ bringen sie Texte des US-amerikanischen Dichters und Schriftstellers Charles Bukowski als Lieder dem Zuhörer in den Kopf.

Lohmeyer: Stimmt. Wer will nicht einmal in seinem Leben ein Rockstar sein. Bukowski hatte mich so mit 20 Jahren beschäftigt. Das kam so auf mich zugeflogen. Ich sagte: „Jungs, ihr schmeißt mich raus wenn es keinen Sinn hat.“ Ich singe und bin also Frontmann. Der Rauswurf kam nicht. Wir spielten bisher 14 Konzerte. Die Leute sind jedes Mal aufgestanden und ich denke, das ist auch ein Zeichen. Wir haben zudem eine wunderbare CD gemacht und die Menschen lieben die Scheibe. Ich muß noch mit der Leitung der Festspiele sprechen, ob wir es im nächsten Jahr in Salzburg unterbringen können. Wünschenswert wäre es.

Pichl: Salzburg und Mozart sind eine Erfolgsgeschichte. Peter Lohmeyer als Bassa Selim in der „Entführung aus dem Serail“ an der Oper von Lyon ist es auch. Sprechen oder singen Sie dort auf Französisch?

Lohmeyer: Nein, ich spreche auf Deutsch und singe auch nicht. Lyon ist etwas ganz besonderes. Ich habe die Oper ganz nah kennengelernt. Es war ein großes Erlebnis diese unglaubliche Sopranistin, die die Konstanze gesungen hat. In meinen Armen schmetterte sie ihre Arie.

Man hat mich gefragt, ob ich es 2018 in Kanada machen könnte. Es war eine wunderbare Erfahrung. Schauen wir mal, ob ich es in dieser Inszenierung in Kanada mache.

Pichl: Im Mai lief der Film „Junges Licht“ unter der Regie von Adolf Winkelmann an. Welche Rolle spielten sie?

Lohmeyer: Da spielte ich einen ganz merkwürdigen Nachbarn. Das Schöne ist, dass ich in der Zeit, aus der ich erzähle, eigentlich geboren wurde. 1962, das ich darauf zurückgucken durfte und das Ruhrgebiet aus dieser Zeit gut kenne, das ist toll.

Pichl: Was bringt ihnen die nächste Zeit? Welche Pläne haben sie und Projekte stehen an? Sehen wir sie nächstes Jahr wieder in Salzburg auf der Bühne?

Lohmeyer: Ende August wird entschieden. Meine Bereitschaft liegt im Augenblick bei 70 Prozent, die restlichen 30 Prozent muss ich noch mit meiner Frau besprechen. Im Frühjahr 2017 werde ich eine Krimireihe in Hamburg drehen. Das scheinen brutale Krimis zu werden. Wer weiß, was wird. Das Problem dabei könnte sein, dass sich solche Projekte auch verschieben. Klar ist, dass wir auf Tour quer durch Deutschland gehen werden. Vom Rheinland über Göttingen und wieder in den Osten und in den Norden. Da muß man schwer durch die Provinz, was ganz herrlich ist. Ich werde viel mit Lesungen unterwegs sein. Ein Fernsehfilm ist fertig. Er trägt den Titel “Lautloser Schrei“ und wird auf dem Filmfest Hamburg laufen. In dem Film spiele ich einen Skipper, der eine Segelschule für taubstumme Menschen betreibt. Unbedingt ansehen!

Pichl: Das werde ich. Danke für das Gespräch.

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