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CYCLING CITIES – der Film wird aktuell. Ein Dokumentarfilm von Ingwar Perowanowitsch über das bessere Fahrradfahren in Städten

CYCLING CITIES ist ein Film von Ingwar Perowanowitsch
Copyright Photo 2026 Andreas Hagemoser, Aufnahmeort Berlin, -datum 22.10.'26

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Dokumentarfilm mit der Doppelbedeutung ist noch aktuell und wird es wieder umso mehr. Das bewies auch die Filmvorführung am 22. in Berlin-Mitte, bei der der große Saal gefüllt war und es eigentlich keine Sitzplätze mehr gab. Stehplätze – bitteschön! Begrüßung, Filmvorführung (neumodisch Screening) mit 84 Minuten Länge und Diskussion. CYCLING CITIES ist als Filmtitel eine Kombination aus einem Gerundium, der Verlaufsform „fahrradfahrend“, auch gern beim Gendern benutzt, und einem Plural, also einer Mehrzahl. „Die Städte“, Cities. Das Y der Einzahl – the CITY, die Stadt, wird transformiert. Regisseur Ingwar Perowanowitsch – die erste Silbe des Vornamens kennzeichnet ein Gerundium wie CYCL-ING und findet sich auch im Titel wieder – propagiert das Fahrradfahren. Viele Fans kamen auch tatsächlich so ins Stadtschloss. Wir nicht. In unserem Job legt man große Entfernungen zurück zu unterschiedlichen Zielen. Aber es gibt viele gute Gründe fürs Fahrradfahren.

Autofahren kann sich ja heute kaum noch jemand leisten, wenn er nicht aufs Auto angewiesen ist und dann durch die Spritkosten langsam verarmt; besonders seit dem Niedergang der Wirtschaft durch den Anschlag auf und die Teil-Zerstörung der Nordstream-Gasleitung.

Der Dokumentarfilm CYCLING CITIES zeigt ungeahnte Möglichkeiten, mit dem Fahrrad zu überleben, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Sie waren am 22. Oktober nicht im Stadtschloss und haben den Dokumentarfilm noch nicht gesehen? Kein Problem. Der Genuss, die Bilder – teilweise Landschaftsbilder bzw. Stadtbilder von oben, wahrscheinlich Drohnenphotographie bzw. -filmen – auf einer großen Leinwand zu sehen (zugegeben ist das Stadtschloss kein Kino und die Leinwand auch nicht riesengroß, aber immerhin um ein Vielfaches größer und gesünder als ein Rechnerbildschirm, geschweige denn einer vom Handy) entging Ihnen. Aber den Film CYCLING CITIES können Sie Tag und Nacht sehen, wenn Sie ins Netz gehen. Auf Youtu.be, einer belgischen ‚domain‘, findet man ihn unter dem Titel schnell, mit Angabe des Regisseurs noch schneller. Hier der Verweis.

Cycling-Cities-Regisseur Ingwar Perowanowitsch

stammt aus Freiburg im Breisgau, also aus dem deutschen Bundesland Baden-Württemberg. Dem ersten und vielleicht einzigen Bundesland der Bundesrepublik Deutschland, in dem es einen „grünen“ Ministerpräsidenten gab, der zugegebenermaßen Eigentum wohl respektierte und als konservativ galt. Mit Cem Özdemir ist dort immer noch ein grüner Ministerpräsident an der Macht (32,6%).Bei der Landtagswahl ’26 erzielte dessen Partei ihr höchstes Ergebnis in Freiburg, Perowanowitschs Geburtsstadt. Dort gibt es zwei Wahlkreise, der Stimmanteil lag bei 40einhalb bzw. 44,7%! Bei der Gemeinderatswahl ’24 erzielte dieselbe Partei 23,8% der Stimmen und damit mehr als jede andere (doppelt soviel wie die beiden ehemaligen Volksparteien). Das prägt vermutlich auch.

Ingwar Perowanowitsch ging dann drei Jahre ins holländische Groningen. Die Niederlande sind fürs Fahrradfahren ideal, da es so gut wie keine Berge gibt. 2019 wechselte er für vier Jahre nach Groß-Berlin, wo er auch Fahrrad fuhr und die Verbotsjahre mit den Lockdowns verbrachte. Da waren viele gern draußen statt im Bus. Fahrradfahren findet draußen statt.

Fahrradfahren in Berlin

Eine Erkenntnis aus Berlin ist: Groß-Berlin, verkürzt und eigentlich fälschlich seit 1945 meist „Berlin“ genannt, ist groß. Wie der Name schon sagt, nomen est omen. Damit gelten viele Fahrradfahrer-Lehrsätze, die in kleinen holländischen Städten Anwendung finden mögen, vor Ort in der deutschen Hauptstadt nicht mehr. Berlin ist über 888 QuadratKILOMETER groß. Luxemburg – der Staat, nicht die gleichnamige Stadt – ist gerade mal zweieinhalb mal so groß. Die Insel Malta passt fast viermal in die Stadt Berlin hinein, der ganze Staat Malta mit all seinen Inseln immer noch etwa dreimal. Fürs Fahrradfahren bedeutet das: Manche Entfernungen sind fürs Fahrrad einfach zu groß.

Ältere Fahrradfahrer sind nicht immer für Langstrecken. Hat man am Ziel keine Dusche oder wenigstens frische Kleidung, kann auch das ein Problem sein.

Praktische Erfahrungen beim Leben mit einem Fahrrad …

In Berlin machten wir Erfahrungen. Vom Stadtschloss zu Freien Universität? Auf dem Fahrrad kann man keine Bücher lesen. Telefonieren kostet 40 Euro Strafe und erhöht die (Lebens-) Gefahr. Mit dem Fahrrad zur Uni fahren, verlängert das Studium, erhöht dessen Kosten und verringert den Anteil der Lebenszeit, in dem man gegen Geld arbeiten gehen kann. Fürs Fahrradfahren spricht, dass man „frische Luft“ atmet. In den 80ern und 90ern war die oft mit Rauch von Ofenheizungen und Abgasen gemischt und Smog ein Thema (DDR-Industrie mit kaum gefiltertem Abgas). Elektroautos waren seit 1914 out und wurden erst im 21. Jahrhundert wieder modern.

… auch wegen der Berliner Mauer, die in den 80ern noch (im – oder am – Weg) stand

Wegen der Mauer musste man, zum Beispiel von Wedding nach Kreuzberg und Neukölln, wo jeweils viele Studenten wohnten, weil und als es noch günstig war statt „in“, große Umwege fahren an Brandenburger Tor und Potsdamer Platz vorbei. Die Ebertstraße war aber nicht nutzbar, da gab es den Todesstreifen. Stattdessen ging es über die verkehrsreiche Entlastungsstraße. Zum Beispiel zur Philharmonie.

Ein weiteres praktisches Problem, das bis heute nicht gelöst ist: Wenn man wegen des Besuchs von Freunden, Kinos oder Konzerten einen Weg mit der BVG (Nahverkehr) zurücklegen wollte, auch wegen Dunkelheit oder Regens, hatte man sein Fahrrad auf dem Rückweg nicht dabei. Schlimmer noch: Fuhr man mit dem Fahrrad hin, musste man es, falls man den Rückweg anders zurücklegte, mit Zeitverlust am nächsten oder übernächsten Tag abholen. Wenn es noch da war. Denn Fahrraddiebstähle sind nicht nur eine Sauerei und ein Verbrechen, das meist ungesühnt bleibt, sondern bis heute weder ausgerottet noch selten.

Wie wir sagten: Alles ist örtlich. Alles ist lokal.

CYCLING CITIES berücksichtigt diese Nachteile nicht.

Wohl wird auf große Fahrradparkhäuser in Holland eingegangen und eine Kita unter einem Fahrradweg. Direkte Fernverbindungen haben in Holland Sinn. Eine Stadt wird gezeigt, die Autos nicht durchqueren dürfen. Interviews werden vor der Kamera geführt, sowohl in Deutschland als auch in Holland. Wir lernen Utrecht kennen und sehen mehrfach einen Kanal, der eine Straße war.

Das Interesse an dem Streifen ist groß. Die Plätze bei der Filmvorführung waren eigentlich alle besetzt. Noch länger als der Film dauerte die Diskussion. Fußgänger müssen auch zu ihrem Recht kommen; sollen aber nicht gegen die Fahrradfahrer ausgespielt werden.

Viel neues konnte man sehen und hören. Alle Seiten konnten lernen. Zum Beispiel wurde das Konzept der 10-Minuten-Stadt vorgestellt. Alles, was man ständig braucht, soll von jedem Einwohner innerhalb von zehn Minuten erreichbar sein. Angestrebt in einer niederländischen Stadt. Die Philharmonie gehört übrigens genausowenig dazu wie die Deutsche Oper.

Ein Buch gibt’s auch von Ingwar Perowanowitsch (CYCLING CITIES)

Aktuell ist der Film? Ja! Vor wenigen Wochen, im September ’26, erschien in Österreich ein Buch von Ingwar Perowanowitsch zum gleichen Thema. Nach der Filmvorführung signierte er einem Fan ein Exemplar. Erschienen im Leykam-Verlag.

Der Dokumentarfilm dauert weniger als anderthalb Stunden. Genau 84 Minuten. Peronowitsch war aber viel länger mit dem Rad unterwegs. Von Holland bis Hamburg usw. usf., allein schon für den Dokumentarfilm. Im Leben noch mehr.

Wo war das? Im „Stadtschloss“? Und wo ist das? Eines verraten wir hier gleich: auf jeden Fall in Mitte

Die Sache mit dem Stadtschloss, das ein Teekesselchen ist und wo der Dokumentarfilm gezeigt wurde, klärten wir bereits in einem früheren Artikel: Stadtschloss brennt. Arbeiter verletzt. Humboldt-Forum Riesenrauchwolke – Kulturexpresso.de . Besonders in dem Absatz „Das ewige Leid mit dem „Stadtschloss“. der Begriff ist nicht nur ein Teekesselchen, sondern wird in Berlin meist falsch verwendet. So, wie auch der Begriff „Firma“ sich für ein Unternehmen eingebürgert hat, obwohl ‚Firma‘ nur ‚Namen‘ bedeutet. Eigentlich.

Obendrein ist der Begriff Stadtschloss, der in und für Berlin zwar verwendet ist, aber nicht zutreffend ist – aber in Gebrauch – eine Bezeichnung für tatsächlich existierende bzw. historische Orte. 1. für das Berliner Schloss, dass es nach den Bombenschäden durch Fliegerbomben nach 1945 zwar noch gab, aber (vergleichsweise leicht) beschädigt. Nach der Sprengung in der DDR gab es das Haus nicht mehr.

2. für den modernen Ersatzbau, der zu Beginn der Verbotsjahre noch in Bau war und der heutzutage mit dem Humboldt-Forum geöffnet ist. Gelegen im alten Berliner Zentrum auf der Spreeinsel. Diese Insel gehört schon seit Jahrhunderten zu Berlin, nicht erst seit Gründung Groß-Berlins 1920. 3. ist es eine ironische Bezeichnung für ein Stadtteilzentrum mit Bibliothek, das aus mehreren Gebäudeteilen besteht, einem Altbau (Gründerzeit oder Jahrhundertwende) und Neubauten (West-Berliner Nachkriegsbauten, die entstehen konnten, weil die US-amerikanischen und britischen Bomben Platz geschaffen für Neues). Um es mal positiv auszudrücken. Oben genannter Film „Cycling Cities“ wurde dort gezeigt.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich beide Häuser im seit 2001 neuen Großbezirk „Berlin-Mitte“ befinden. Oder erleichternd, denn, falls jemand den falschen Ort aufgesucht hat, muss er wenigstens nicht zu weit fahren, aber doch eine halbe Stunde bestimmt in der Regel, um das jeweils andere Stadtschloss zu finden.

„CYCLING CITIES“-Screening-location

Im Falle des Stadtschlosses (Punkt 3.) ist es so, dass man einerseits anspielt auf den Begriff, der in Berlin im Umlauf ist, obwohl er nicht korrekt ist. Hieß doch die Hohenzollernresidenz an der Spree, auch als sie noch stand, nie so. Man denkt aber an ein Schloss.

Das Wortspiel ist deshalb mit einem Augenzwinkern oder Lächeln verbunden. Einerseits ist es in einer – was die Wohnbevölkerung angeht – eher ärmlichen Gegend mit vielen sozialen Problemen gelegen. Anderseits ist es für viele Besucher eine „Burg“, wenn auch nicht ganz im Lutherschen Sinne. Kinder und ganze Familien finden hier Schutz und Beschäftigung. Zum Beispiel in der Bücherei im Neubau.

Für manche ist es wie ein Zuhause. Und sei es auch nur geistig.

Das Viertel war bei dem Dokumentarfilm gut vertreten. Das bekanntere Stadtschloss steht auf einer Insel, das mit der Filmvorführung auch. Es waren Leute aus verschiedenen Kiezen da, zum Beispiel aus dem östlicher gelegenen Stephankiez, der an Wedding grenzt. Filmvorführungen mit Regisseur, der Fragen beantwortet, ziehen häufig Leute an, aber so eine ausführliche Diskussion haben wir selten erlebt.

Fahrradfahren ist wichtiger als man denkt. Dieser Dokumentarfilm „Cycling Cities“ beweist das einmal mehr. Von der Lebensqualität und steigenden Gesundheit mal ganz zu schweigen.

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