
Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). ‚Ikonisch‘ – so wird die englische Vokabel ICONIC heute vielfach übersetzt, quasi 1:1. Das ist immer einfach, und man braucht nicht nachzudenken. In der Tat haben wir Schwierigkeiten, das Wort ‚ikonisch‘ so zu verstehen, wie es der englische Muttersprachler tut. Die Ikonen, die wir kennen, hängen in Kirchen oder stehen zuhause an einem besonderen Ort und strahlen von dort. Genau das sollen die Menschen oder auch Gegenstände tun, die als ikonisch bezeichnet werden. Strahlen. Obwohl eine Ikone ein Bild oder ein Abbild ist (oder in einem Rechner ein Bildchen, auf dass man zum Beispiel klicken könnte?), gibt es „Design-Ikonen“. Einige dieser und auch andere Exponate, darunter solche, die man anhören kann (!), sind in der Ausstellung „ICONIC – A Timeless Journey of Culture, Society and Mobility – Ikonen im DRIVE“ zu sehen und zu hören. Unter den Linden Ecke Friedrichstraße im Volkwagen Group Forum (Eigenschreibweise), kurz Drive. Eintritt frei!
Dadurch, dass der Eintritt gratis ist, wird ein Besuch dieser tollen Location in bester Lage für viele Leute noch attraktiver aufgrund des Niedergangs der deutschen Wirtschaft nach dem zerstörerischen Anschlag auf die Nordstream-Gasleitung 2022. Öl- und Gaspreise stiegen in schwindelnde Höhen, die sie heute fast wieder erreicht haben. Reisen ist Bewegung und „verbraucht“ halt immer irgendwie Energie. Ob es nun die Kalorien des Wanderers oder der Wanderin sind, die am Ende des Tages gern in einen Krug einkehren, um sich an Speis und Trank zu laben oder das in Kraft umgewandelte Heu der Kutschpferde. Maschinen brauchen ebenfalls materielle Stoffe, damit sie laufen. Nicht umsonst heißen Autos auf russisch ‚maschiny‘. Obwohl bereits vor 1912 Elektroautos aus Charlottenburg exportiert wurden, waren die ersten Kraft-durch-Freude-Wagen der 30er Jahre mit Verbrennungsmotoren ausgestattet. Besser bekannt sind die KdF-Wagen als Volkswagen. Ein Wagen für das Volk, der deswegen in riesiger Stückzahl gebaut wurde. Der Käfer. Ikonisch.
Exponate zum Hören und Sehen im Drive
Niemand wird bezweifeln, dass der VW-Käfer (oder Volkswagen Beetle, wie er auf englisch heißt), ein epochemachendes Design war. Ferdinand Porsche. Wenn sie hundert amerikanische Filme schauen, nun nicht gerade Western, Sandalenfilme, die in der Römerzeit spielen oder Science-Fiction, wird es so gut wie unmöglich sein, in diesen Spiel- oder Dokumentarfilmen keinen einzigen Käfer zu entdecken. Er wurde erst nur im Deutschen Reich hergestellt, später auch in Nord- und Südamerika (Mexiko und Brasilien). Die Stückzahl ist ein Rekord. Historischen Ausmaßes. In Deutschland sagt man „VW“, im englischsprachigen Ausland „Volkswagen“.
Die Iconic-Ausstellung Unter den Linden versammelt viele solcher Exponate, auch einen VW-Golf, der ebenfalls Geschichte schrieb und Büchern ihren Titel gab („Generation G.“). Aber, keine Sorge, nicht nur Ausstellungsstücke aus dem Hause Volkswagen. „ICONIC“ ist so konzipiert, dass auch anderes Epochemachende gezeigt wird und weil es im Volkswagen Group Forum stattfindet, wird dem Käfer und dem Bulli eben ein gebührender Platz eingeräumt.
Verlängerung bis ’27 und jetzt schon: Neue Exponate
Neu ist unter anderem ein besonderer VW-Bus. Ein elektrischer, mit dem Christian Schlüter durch 25-30 Länder reiste. Also fuhr.
Natürlich möchten an einem Ort wie dem „Drive“, dem Volkswagen Group Forum, die Chefs der Volkswagen AG ihre Erzeugnisse, vor allem die Fahrzeuge, nicht vergessen wissen. Das ist ihr gutes Recht.
Der wirtschaftliche Erfolg der Autoindustrie trug jahrzehntelang – außer der Möglichkeit, bequem zur Arbeit zu pendeln und zu reisen, wie es andere Generationen vor ihnen nicht konnten (!) – zum gesamtwirtschaftlichen Erfolg der Bundesrepublik Deutschland bei.
Dieser große Erfolg war nicht selbstverständlich. 1945 endete der Zweite Weltkrieg, in Ostasien später als in Mitteleuropa. Die Republik China (heute meist unwissend ihrer Bedeutung und Geschichte nur „Taiwan“ genannt) hatte 8 Jahre Krieg und einige Jahre Bürgerkrieg hinter sich (und weitere vor sich), das Deutsche Reich 6 Jahre, die Sowjetunion und USA vier Jahre.
Die Vorgeschichte
Als das deutsche Reich ‘45 bedingungslos kapitulierte, lag die deutsche Industrie in Schutt und Asche, jahrelang Ziel britischer und amerikanischer Bomben. Zwar waren viele kriegswirtschaftliche Betriebe in bombensichere Stollen im Harz und anderswo verlegt worden, angeblich um die 80%. Am Ergebnis änderte das nichts. Bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches, eines Industrielandes der Erfinder: Nicolaus August Otto und Rudolf Diesel erfanden Motoren, die bis heute die meisten Autos antreiben; Glühlampe und Farbfernsehen, Computer (Rechner), Düsenflugzeuge und Weltraumraketen kamen weltweit in Verwendung und sind es bis heute. Nach dem Krieg gelangten Tausende Patente in die USA. Umso erstaunlicher der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Krieg. Der möglicherweise von Teilen der Waffenindustrie in die Welt gesetzte Mythos, Kriege seien gut für die Wirtschaft, griffe schon in Ansätzen zu kurz.
Die Erklärung der gegenwärtigen Geschichtsbücher kommt der Wahrheit schon viel näher. Nachdem aus den Verbündeten Sowjetunion und Vereinigte Staaten Gegner wurden, suchten die „Westmächte“ Verbündete und fanden sie im besetzten Deutschland, das keine eigene Regierung mehr hatte. Aus Bi- und Trizone wurde mit dem Grundgesetz am 23. Mai 1949 ein eigener Staat, die Bundesrepublik. In der sowjetischen Besatzungszone wurde am 7. Oktober die DDR gegründet, übrigens 6 Tage, nachdem in China ein zweiter Staat entstanden war, die Volksrepublik.
Nur Berlin blieb als Viersektorenstadt vom Militär regiert.
Das Zentrum der Stadt, der Bezirk Mitte, kennt als Prachtboulevard „die Linden“, die vom Berliner Schloss und Dom zum Brandenburger Tor führ(t)en und weiter durch den Tiergarten und das Charlottenburger Tor in die reichste Stadt Preußens. Diese Ost-West-Achse wird mit der Nord-Süd-Verbindung der Friedrichstraße gekreuzt. Die Hauptstraße der Friedrichstadt des Kurfürsten Brandenburgs und ersten Königs in Preußen, Friedrichs I., durchquerte ganz Berlin von Nord (Oranienburger Tor) bis Süd zum Halleschen Tor. Parallel dazu die nach seiner Frau, der Königin Sophie-Charlotte, der Tochter des Kurfürsten von Lüneburg-Braunschweig, benannte Charlottenstraße.
Drive – ein Museum und Erlebnisort mit Café in allerbester Lage (Alt-) Berlins
Bleibt noch nachzutragen der zweite Grund für den wirtschaftlichen Aufschwung der jungen Bundesrepublik Deutschland, des sogenannten Wirtschaftswunders unter Ludwig Erhard neben den Zuschüssen aus den USA und der Notwendigkeit, die Fabriken ganz neu wieder aufzubauen; was nicht zerbombt war, wurde abgebaut und in England und der Sowjetunion wieder aufgebaut.
Dr. Erich Hagemoser aus Wien erkannte in dem Aufbauwillen der Vertriebenen den eigentlichen Grund für das Wirtschaftswunder. Geld allein hätte ja nicht gereicht. Eine gleichgültige, teilnahmslose oder faule Bevölkerung hätte so ein Wunder nicht vollbracht. Doch die Millionen Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten wollten wieder ein Leben, und zwar ein gutes Leben. Zum Beispiel in Ostpreußen war es ihnen sehr gut gegangen.
Große, reiche Güter in einem verhältnismäßig dünnbesiedelten Landesteil, dazu alte, jahrhundertalte Städte wie Tilsit, die Stadt des Friedens mit Napoleon; das 750 Jahre alte Memel, nördlichste Stadt des deutschen Reiches, Hafen- und Handelsstadt mit Börse und 1807/8 Hauptstadt Preußens, als Berlin besetzt war; sowie Königsberg, die Königs-, Krönungs- und Kantstadt am Pregel waren eine geliebte Heimat mit einem Wohlstand, den die geflohenen, vertriebenen und überlebenden Ostpreußen nun in ihrer neuen Heimat wieder haben wollten.
In Kombination von Marschallplan und der erklärenden These Dr. Hagemosers wird ein Schuh daraus, das heißt, das Wirtschaftswunder wird verständlich, die Phase bis zur Ölkrise, in dem Deutschland durch Außenhandelsüberschüsse einen großen Goldschatz aufbauen konnte, die Grundlage für die spätere G7-Mitgliedschaft legte und sich Exportweltmeister nennen durfte. Ein verkleinertes, kleines Land als wirtschaftlicher Nummer 3 in der Welt. Die anderen Wirtschaftsmächte, die Vereinigten Staaten, Japan und China haben mehr Fläche und Bevölkerung.
Und wenn man jetzt ein Symbol des Wirtschaftswunders suchen müsste. Ein, zwei, drei Photos, die einem Außenirdischen mehr sagen als tausend Worte? Wäre es das Konterfei Ludwig Erhards, was alles erklärt?
Was wäre, in a nutshell, ein Symbol für Deutschlands Wirtschaftsstärke, das Wirtschaftswunder und eine „Design-Ikone“ zugleich? „Iconic“?
Oder doch in diesem Kernland Mitteleuropas die Fabrik am Mittellandkanal in Wolfsburg, mit den vier Schornsteinen; und dessen Verkaufsschlager Nr. 1, der VW-Käfer?
Der sich auch in den USA großer Beliebtheit erfreute, obwohl das reichste Flächenland der Welt, der einzige Hauptkriegsteilnehmer, dessen Fabriken nicht bombardiert werden konnten, selbst viele Wagen herstellte? Große Schlitten?
Die Moderne und Post- oder wie auch immer man die heutige Zeit auch nennen möchte, von mir aus „Übergangszeitalter“, hat viel Kritik an der Autoindustrie parat. Ein Großteil der Gen Z ist durch Prophezeiungen des „Global warming“ so verunsichert, dass viele gar keinen Führerschein mehr erwerben wollen und überhaupt Gedanken des Untergangs hegen. Gegen Automobile spräche viel. Stichwörter Resourcenverschwendung, Umweltverschmutzung, nicht Teil der Lösung, autogerechte Stadt, keine lebenswerte Stadt usw. usf. Eine Welt nur mit öffentlichem Nahverkehr scheint weder erstrebenswert oder auch nur, sogar finanziell, möglich.
Ob man Autos nun als Erscheinung einer in nahen Zukunft schon Vergangenheit oder als Mittel der Mobilität und Freiheit (des Reisens) sieht – hier in Berlin Unter den Linden ist eine sehenswerte Ausstellung, die eine Reise durch mehrere Jahrzehnte darstellt. Ein Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich.
Eintritt frei und auch für Schulkassen geeignet – die Ausstellung ICONIC im DRIVE mit neuen Exponaten zum Reisethema
„Ikonisches Reisen“. Neue und alte Ausstellungsstücke: Ob „kultiger VW-Camper „Irene“, Autoradios aus verschiedenen Epochen“ mit Klangbeispielen (zum Beispiel „Born to be Wild“).
Oder der Blick in die Zukunft „mit der immersiven Experience“.
Hier gibt es einiges zu entdecken und vieles, was sich lohnt. Schauspielerin und Autorin Maria Ehrich erzählte der Presse im Mai persönlich im Drive ihre (Reise-) Geschichte mit ihrem Liebsten, auf die anhand einer Ausstellungsecke eingegangen wird.
Ist der ID- Buzz (sprich Bas-s mit weichem „s“, das in der Aussprache an das englisch Wort für „Bus“ erinnert) der VW-Bus der Zukunft?
Jedenfalls lebt Christian Schlüter das elektrische Reisen, fuhr zur Pressepräsentation für die neuen ICONIC-Exponate im Drive mit einem „Buzz“, übernachtete darin und fuhr am gleichen Tag weiter nach Hamburg. Alles möglich, alles machbar. Ladetechnisch kein Problem. Und, naja, so ein Volkswagen „fährt und fährt und fährt …“
Christian Schlüter ist wohl das, was man einen Markenbotschafter nennt. Und seine Reisen sind rekordverdächtig.
In Europa hat er schon fast alle Länder bereist. Das mit San Marino hat neulich wieder nicht geklappt, aus Zeitgründen. Wie er uns berichtete, war er mit dem Auto sogar in der Vatikanstadt. Außer San Marino – Italien wird ja auf dem Landweg dabei automatisch durchquert – fehlen ihm noch Russland und Weißrussland. Das hat auch versicherungstechnische Gründe.
Christian Schlüter ist auch der Verfasser, oder hier wohl passender der Autor des Buches „Europa elektrisch – Vanlife im ID. Buzz“.
Was, wann, wo? Iconic
Was? Ausstellung „Iconic“.
Wann? Bis ‘27 (also 2027). Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 10-19 Uhr ist das „Drive“ geöffnet.
Wo? Volkswagen AG. DRIVE. Volkswagen Group Forum (Eigenschreibweise).
Anschrift: Friedrichstraße 84/ Unter den Linden in 10117 Berlin.
Tel. 0 30 20 92 13 00 . (ohne Gewähr)
Anfahrt ohne Volkswagen, aber mit Deutschlandticket o.ä.: BVG-Busse 100, 200 (Haltestelle Unter den Linden/ Friedrichstraße) und 147.
U-Bahnhof Unter den Linden der Linien 5 und 6.
S-Bahnhof Brandenburger Tor (ehemals „Unter den Linden“) der Linien 1, 2, 25 und 26 mit etwa 8 bis 12 Minuten Fußweg nach Osten Richtung Spreeinsel.
Noch näher ist der Fernbahnhof Friedrichstraße mit dem Tränenpalast und den Abfahrts- und Anlegestellen der Reedereien Riedel, Kreis und Stern etc. an der Spree. Allerdings wird der Bahnhof Friedrichstraße an der Spree dort, wo die Panke mündet, zurzeit noch etwa dreieinhalb Jahr nicht von durchgehenden Fernzügen auf der Stadtbahn angesteuert. Von Westen kommt man mit dem RE nur bis Charlottenburg. Den Hauptbahnhof fährt man zurzeit nur im Tiefgeschoss (von Norden oder Süden) an mit den Gleisen 1-8 oder mit der S-Bahn (Gleis 22 tief und 15/16 hoch.)
Eintritt frei. Iconic.
Man kann als Berliner wie als Besucher der Stadt einen Ausstellungsbesuch „ICONIC“ im Drive je nach Geschmack wunderbar kombinieren. Mit einem Besuch des Berliner Schlosses, des Doms, der Oper, Staatsbibliothek oder des Gendarmenmarktes mit seinem Konzerthaus. Dies alles fußläufig und auch mit dem Fahrrad überhaupt gar kein Problem.
Mit Parkplätzen ist es hier oberirdisch sowieso unterirdisch.
Driven kann man, stehen kaum.





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