Bonn kriegt „die Kurve“, jedenfalls ein Stückchen von Bettina Pousttchi

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Das berühmte Fiat-Werk Lingotto bei Turin 1928 mit der Rennstrecke auf dem Dach. CC BY-SA 3.0

Bonn, Deutschland (Kulturexpresso). Wer kennt sie nicht, die berühmte Test- und Rennstrecke auf dem Dach des Fiat-Werkes Lingotto an der Via Nizza in Groß-Turin. Von 1923 bis 1982 wurden dort nicht nur Automobile gefahren, sondern auch hergestellt und zwar in den Etagen darunter.

Die Produktionsanlage von Fiat war damals die mächtig gewaltigste und modernste. Die einen Kilometer lange Rennstrecke auf dem Dach war ein Rundkurs mit zwei Kurven.

Die Autofabrik ist längst dicht. Zwar wurde noch bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhundert dort produziert, insgesamt rund 80 verschiedene Modelle, aber 1982 war damit Schluß. Zuletzt lief ein Lancia Delta vom Band, doch der wird nicht mehr gebaut.

Das mächtig gewaltige Gebäude, daß 1915 von dem Architekten Giacomo Mattè-Trucco geplant und anschließend in sieben Fahren bis 1923 gebaut wurde, wurde umgebaut worden. Geschäfte und Theater, Hotels und Büros, sogar ein Museum und anderes mehr sind unter dem Rennstrecken-Dach untergekommen. Ein Museum? Das Kunstmuseum Pinacoteca Giovanni e Marella Agnelli! Giovanni Agnelli wollte das schon in den 1960er Jahren, aber er legte damit erst Ende der 1980 Jahre los und zwar im Palazzo Grassi in Venedig. Immerhin besann er sich eines Besseren und ließ auf dem Dach des Fiat-Werkes in Lingotto ein Kunstmuseum errichten. Sowohl in der Pinacoteca Agnelli als auch auf der Rennstrecke sollt man einmal gewesen sein, auch in einer der beiden Kurven.

Womit wir beim Thema wären. „Die Kurve“ ist als riesige Skulput von Bettina Pousttchi zu sehen und zwar in Bonn.

Inspiriert worden sei die Berliner Künstlerin bei ihrem Werk „für den Dachgarten der Bundeskunsthalle“, so heißt es in einer Pressemitteilung der Bundeskunsthalle vom 24.5.2022, „von der legendären Teststrecke“ in Turin. „Die Kurve“ von Pousttchi gilt als Kunst. Sie ist eine „Steilrampe“, „die trotz ihrer Steigung begehbar“ sei.

Daß am Eröffnungstag, Samstag, 4. Juni, um 18 Uhr, die Künstlerin Betina Pousttchi und die Kuratorin Susanne Kleine ein Gespräch vor der Skulptur auf dem Dach führen würden, das wird auch noch mitgeteilt, aber nichts darüber, daß von Pfiffen und Buhrufen, Eierwürfen oder Würfen von faulen Obst und Gemüse Abstand genommen werden solle.

Wie lange „diese brandneue Installation“, welche „die zwei spielerischen Komponenten im Außenbereich der Bundeskunsthalle“ ergänze“, unbeschädigt bleibt, auch das darf abgewartet werden. Die Nutzung von Pousttchis „Kurve“, die vom 4 Juni 2022 bis zum 29. Oktober 2023 ausgestellt werde, müsse laut Bundeskunsthalle „auf eigene Gefahr und eigenes Risiko“ erfolgen und sei „ausschließlich für Fußgänger zu nutzen“. Das gilt auch für das Original in Turin-Lingotto, einem Staddteil der Po-Metropole, die mehr oder weniger vom einstigen Fiat-Konzern geprägt wurde.

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