Busse fahren. Wenn nicht mit Fahrgästen, dann nach Berlin

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Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Busse standen still. Nicht wegen eines Streiks, die sind ja in Deutschland sowieso eher selten. Seit wenigen Tagen erlaubte Schleswig-Holstein Bussen die Einreise, das Bundesland war wie Mecklenburg-Vorpommern insgesamt ziemlich abgeriegelt. Auch Niedersachsen erlaubte lange sogar Zweitwohnungsbesitzern nicht die Einreise. Später hieß es, wie in Schleswig-Holstein, Zweitwohnsitzern sei es erlaubt. Allerdings gab es eine niedersächsische Spezialität: … wenn sie schon da waren. Die Beschränkungen des 2. Quartals und Ende des ersten schlossen die Einreise oder das Pendeln aus. Damit war auch der dritte großen Küstenzugang in Deutschland blockiert.

Und Verkehrsträger zur Untätigkeit verdammt. Die Deutsche Bahn und kleinere Unternehmen fuhren weniger Touren. Busse wegen der Enge gar nicht, nur im Nahverkehr.

Jetzt sehen die Busunternehmen einen Silberstreif am Horizont. Italien erlaubt seit dem 3. Juni die Einreise, Schweden ab dem 15. wieder. Auf Spanien hofften viele. Das sonnige Südreich auf der Iberischen Halbinsel bleibt aber bis Anfang Juli geschlossen, wie die sozialistische Regierung entschied.

Horst Seehofer (CSU), der deutsche Innenminister und ehemaliger bayerischer Ministerpräsident, verkündete mit großväterlicher Güte, dass die Grenzkontrollen in Europa bis Ende Juni sämtlich aufgehoben würden. Die meisten Länder verfügten das für Mitte Juni, einige „kleinere“, Zitat Seehofer, würden Ende des Monats folgen.

Wenn nicht mit Fahrgästen, dann nach Berlin

Doch bevor sich langsam alles wieder zu normalisieren scheint, jedoch mit anderen Vorzeichen, fuhren am 27. Mai 300 Busse nach Berlin, um dem Volk das Leiden der untätigen Unternehmen zu zeigen und von der Politik staatliche Hilfen zu fordern.

Die Berliner Bürger hupten kaum und regten sich wenig auf, als der Kurfürstendamm, der „Ku‘damm“, blockiert war. Die Busse befuhren nur die Busspur – passenderweise – jedoch war die Nebenspur, die einzige Fahrspur für das Volk, gesperrt und von sausenden Polzeikrädern genutzt. Der Verkehr nicht nur in der deutschen Hauptstadt war und ist allerdings so zurückgegangen, dass bei blauem Himmel mangels vieler Abgase Postkartenmotive strahlten. Leider gibt es kaum noch Postkarten.

Die Aktion hinterlässt gemischte Gefühle. Soll denn jeder etwas bekommen? Die ganze Wirtschaft 1:1 eingefroren werden? Keine Firma verschwinden? Das wäre das erste Mal bei einer Krise, auch wenn diese, wirtschaftlich betrachtet, künstlich herbeigeführt wurde.

Die andere Sorge ist die: Unternehmer und Unternehmen sind das Rückgrat der Wirtschaft. Wenn sie jetzt zu Hilfeempfängern werden, ist das nicht nur hochriskant, sondern auch 180° etwas anderes. Unternehmer sind aktiv (Unternehmerinnen selbstredend genauso, keine Frage), Hilfeempfänger sind passiv. Die Aktivität bestand darin, Forderungen zu erheben und zu fahren. Ein bisschen spät, oder zu früh?

Sieht man Busse im übertragenen Sinne nur noch von hinten?

Manche Busunternehmen werden wohl tatsächlich schließen müssen. Wenn nur etwa jeder 8. Platz besetzt werden darf – es gibt ja auch VIP-Busse mit großem Komfort und in der Komfortzone mehr Platz, sprich Möglichkeit zum Abstand, können viele nicht mehr wirtschaftlich arbeiten.

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