Die Schwarzseher aus Manchester – Zum Buch „Sengendes Licht, die Sonne und alles andere“ von Jon Savage

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"Sengendes Licht die Sonne und alles andere" von Jon Savage. © Heyne Hardcore

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ian Curtis, der legendenumwobene Sänger der englischen Industrial-Band „Joy Division“ lebt. Zumindest für den Augenblick der Lektüre von „Sengendes Licht, die Sonne und alles andere“. Der rüstige Punkrentner John Savage hat eine Bandgeschichte in Oral History vorgelegt, die recht nah an den Ereignissen bleibt und wenige Fragen offenlässt. Letztes Jahr in England veröffentlicht, ist sie nun übersetzt von Conny Lösch auch in der BRD erschienen.

Ian mochte alles was anders war. Thatcher, Nazikitsch, Trommeläffchen und ein kleines bisschen Lebensglück. Diese Infos kommen nicht unerwartet, er musste der etwas andere Punk sein, er brauchte Platz, er machte es sich schwer, um sich danach selbst zum Besten halten zu können.

Neu sind die geballten Geschichten aus den Mündern der Band (die noch lebenden Bandmitglieder – Bernard Sumner, Peter Hook und der Schlagzeuger Stephen Morris, ihr Produzent Martin Hannett, der Chef ihres Factory Labels, Tony Wilson, oder ihr Manager Rob Gretton), diverser Begleiter, Exfrauen und sonstigem Weihnachtslichtern dieser großartigen Musik, die mich Anfang der 80er Jahre einholte wie ein Trupp Rotarmisten auf der Jagd nach weißen Konterevolutionären.

Anmutsvoll beschreiben die Protagonisten den ersten Auftritt der Sex Pistols in Manchester, der nur wenige Aliens aus den Löchern holte. Die Auserwählten fühlten sich aber sofort einander nah und gründeten schnell Notgemeinschaften = Bands, die den Punkgedanken in die Welt bellten.

Die Musik von Joy Division drang um die Welt und bis Weimar vor, wo sie knapp zwanzigjährige hungrige Gestalten aufsagten wie Honigtau.

Als sich Ian Curtis kurz vor der Amerikatournee der Band aufhängte, macht er alles richtig, um im Fegefeuer des ewigen Ruhms einen der ersten Plätze einzunehmen. Freilich mag dies nicht seine Absicht gewesen sein. Er war ernsthaft psychisch krank, hatte des nachts einen depressiven Streifen geschaut, dazu sehr viel Schnaps gebechert, stand vor den Scherben seiner Ehe…

Savage schafft es, die Tragödie der Band und ihres Sängers in allen Facetten aufzuzeichnen. Die 384 Seiten kreisen um die Erlösung, die Curtis in der Musik fand. Und um den Tod, leider ohne Auferstehung.

Das Buch unterhält bestens, manifestiert die Curtislegende und macht Hoffnung. So höret: Es gibt immer den Punk nach dem Punk.

Bibliographische Angaben

Jon Savage (Autor), Sengendes Licht, die Sonne und alles andere, Die Geschichte von Joy Division, Übersetzerin: Conny Lösch, 384 Seiten, 20 s/w Abbildungen, Format: 13,5 x 21,5 cm, fester Einband, Pappband, Verlag: Heyne Hardcore, 1. Auflage, München, 27. April 2020, ISBN: 978-3-45327-251-4, Preis: 20 EUR (Deutschland), 20,60 EUR (Österreich), 28,90 SFr (empfohlener Verkaufspreis)

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