Der unsterbliche Messi und die Kunst des schönen Spiels – Zum Buch „Messi, eine Stilkunde“ von Jordi Punti

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"Messi, eine Stilkunde" von Jordi Punti. © Kunstmann

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Maradona war nur manchmal Maradona. Messi ist jeden Tag Maradona“, kündete einst der spanische Journalist Santiago Segurola und brachte damit auf den Punkt, was alle Anhänger des göttlichen Messi denken.

Weder der eitle Ronaldo noch der Treter Pepe oder andere profane Balltreter konnten oder können jemals an Messis Klasse heranreichen. Ein Messi wird alle fünfzig Jahre geboren. Einem Messi gilt es zu huldigen oder wegtreten ins Heer der namenlosen Dilettanten.

Messijünger Jordi Punti, Katalane und damit quasi automatisch glühender Anhänger des FC Barcelona, feiert in seinem Epos den großen Kleinen, der seit seinem 14. Lebensjahr für Barcelona aufläuft. Davor kickte er beim Nachwuchs der Newell`s Old Boys aus dem argentinischem Rosario.

In Argentinien steht Messi ewig im Schatten Maradonas, weil es Messi an Argentinität fehlt. „Die Argentinier lieben Maradona, weil sie in seinen Exzessen, seinen Fehltritten, seinem Straucheln sich selbst widerfinden – und das, was wir gern glauben wollen: dass zu viel Talent dem Menschen unweigerlich zum Fluch wird und man sich deshalb am besten gar nicht erst groß anstrengt.“

Okay, Messi ist in Spanien wegen Steuerhinterziehung im Jahr 2016 zu 21 Monaten Haft auf Bewährung sowie einer Geldstrafe in Höhe von 3,7 Millionen Euro verurteilt worden. Immerhin etwas. Aber viel zu wenig Dreck am Stecken im Vergleich zu Maradona, dessen Koksexzesse, Unterhaltsklagen, Dopingvergehen, Fressattacken, Magenverkleinerungen, Pleiten usw. unerreicht bleiben.

Vielleicht ist Messi zu anständig, hat sich in Europa den Tango aus dem Blut quetschen lassen, um als emsiges Bienchen, als lebende Legende auf ewig Barcas Rivalen das Fürchten zu lehren.

Nennen wir ihn mythisches Polarlicht am Himmel, Dribbelpoet, Hexer der Schwerkraft… Seine Tore, seine genialen Spielzüge stehen für sich und werden täglich in Endlosschleifen im Netz bewundert.

In seinem Buch widmet Punti dem Wirken Messis 2 mal 11 Kapitel. Über die legendäre Papierserviette, auf der Messis 1. Vertrag bei Barca fixiert wurde, geht es zum Hauptfeind Ronaldo. Es folgen zwei Kapitel Maradona (Kapitel 10 Diego Armando, Kapitel 12 Maradona), Messis stetiges Scheitern in Argentiniens Nationalteam, eine Deutung der Tätowierungen Messis, etwas wie der Katechismus Messi, nebst anderen lebenswichtigen Punkten, um die wahre Größe des Meisters zu begreifen.

Punti hat Messi nie persönlich getroffen. Anfangs dachte ich, wie schade. Nach der Lektüre verstand ich ihn. Die Gefahr, Messi bei einer unbedachten Äußerung, einer allzu menschlichen Geste erleben zu müssen, ist bei so einem Treffen riesig. Welcher Horror! Es kann schon die Wahl des falschen Getränks, oder ein falscher Halbsatz zu einem ewigen Zerwürfnis zwischen geliebtem Subjekt und andächtigem Bewunderer führen. Punti wollte den Zauber des heiligen Messi nicht mit der profanen Wirklichkeit konfrontiert sehen. Das ist völlig verständlich.

Puntis Werk ist liebevoll übersetzt vom Fußballkenner Michael Ebmeyer und ist ein Muss für Liebhaber des technisch brillanten Fußballs, wie auch für Freundinnen feiner Sätze und blitzgescheiter Rhetorik. Alle lieben Messi, nach der Lektüre der Stilkunde noch ca. 20% inniger.

Der letzte Satz gehört dem Fußballphilosophen und Unternehmensberater Jorge Valdano: „Der beste Spieler der Welt ist Messi. Der zweitbeste Spieler der Welt ist Messi mit Verletzung.“

Bibliographische Angaben

Jordi Punti, Messi, eine Stilkunde, 160 Seiten, Übersetzer: Michael Ebmeyer, Verlag: Antje Kunstmann GmbH, München, 2020, ISBN: 978-3-95614-361-8, Preise: 20,00 EUR (Deutschland), E-Buch: ISBN: 978-3-95614-380-9, Preis: 15,99 EUR (Deutschland)

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