Prügelnder Vater, depressive Mutter, leidende Kinder – Annotation zum Buch „Ein Mann seiner Klasse“ von Christian Baron

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"Ein Mann seiner Klasse" von Christian Baron. © Claassen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Christian Baron hat ein großes Kunststück abgeliefert. In seinem Buch „Ein Mann seiner Klasse“ schildert er die eigene, höchst dramatische Kindheit.

Sein Vater war ein kleiner Arbeiter, der Zeit seines Lebens mit der Wirklichkeit in Streit stand. Seine Frau und seine Kinder waren ihm willkommene Opfer im Kampf gegen die böse Welt, die ihm vermeintlich keine andere Chance ließ. Der Suff nach der Arbeit besorgte den Rest. Sehr intensiv und mit erzählerischer Wucht berichtet Baron von seinem Scheusalvater, der realen Armut einer Familie und der Geistesleere, in der er aufwuchs.

Baron schafft es, sich aus der Suppe des Elends zu ziehen, in der sein Vater stumpf verendet. Wir Leser sind hin und her gerissen zwischen Mitleid und Ekel. Das Buch ist an einigen Stellen auch unheimlich lustig und ohne jeden moralisierenden Zeigefinger, es ist eine fiese, schöne, bittere Achterbahnfahrt durch eine Kindheit ohne wirkliche Freude. Heftig, intensiv, unbedingt lesenswert.

Das Leben kann dreckig sein, Baron schildert Leid in bunten Farben. Dabei liebt er seinen Vater bis zum Schluss und wartet vergeblich darauf, dass dieser sich ändert.

Bibliographische Angaben

Christian Baron, Ein Mann seiner Klasse, 288 Seiten, fester Einband, Verlag: Claassen, 1. Auflage, Berlin, 21.1.2020, ISBN: 978-3-5461000-7, Preis: 20 EUR (Deutschland), 20,60 EUR (Österreich)

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