Doña Quijote gegen sterile Grünflächen und aufgeräumte Gärten – Annotation zum Taschenbuch „Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam“ der Guerillagärtnerin Christiane Habermalz

"Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam" von Guerillagärtnerin Christiane Habermalz. © Heyne, Verlagsgruppe Random House GmbH

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ja, es gibt sie, Gärten des Grauens. Doch was darunter zu verstehen ist und was nicht, das liegt im Auge des Betrachters, des Gärtners, des Beackerers. Nennen Sie den Gartenmeister, wie sie wollen, der Gärtnernden gibt es viele, der Ansichten und Anschauungen auch. Doch unter dem Begriff Garten darf im Großen und Ganzen immer noch ein kleines Stückchen Land, meist gut abgegrenzt, verstanden werden, in dem ein paar Pflanzen und Tiere vorkommen können und dürfen, andere nicht wie Unkraut und Untier.

Sicherlich ist mancher Mensch auch ein Untier, ganz oder teilweise, und das erkennen Mitbürger auch am Garten. Schottergärten sind die schlimmsten, oder?

Ein Fotografie eines schlimmen „Schottergartens bei Hannover“ befindet sich auf Seite 147 des 288 Seiten umfassenden Taschenbuches von Christiane Habermalz, die als Guerillagärtnerin gilt, mit dem Titel „Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam“. Der Untertitel lautet „Bekenntnisse einer Guerillagärtnerin“. Erschienen ist das Fachbuch mit der Forderung „Gebt Insekten ein Zuhause“ im Heyne-Verlag in der Verlagsgruppe Random House. Von Verlagsseite heißt es: „Nächtliches Sträucherpflanzen in öffentlichen Parks, heimliches Begrünen karger Straßenränder, subtiles Unterwandern der Petunienkultur: Christiane Habermalz ist als Guerilla-Gärtnerin in ihrem Kiez in Berlin unterwegs, um Inseln für Insekten zu schaffen.“ Habermalz ist nicht die einzige Guerillagärtnerin, aber sie hat über ihre Sisyphusarbeit ein Buch geschrieben. Das kann nicht jeder Berliner mit grünem Daumen von sich behaupten.

Ob der „Kampf gegen das Artensterben“ wirklich „vor der eigenen Haustür“ beginnt oder dort endet, darüber kann man beim Kämpfen gegen Windmühlen streiten. Doña Quijote streitet auch mit der Feder. Die 1968 geborene Autorin ist auch Journalistin, vielleicht auch Verlegerin der Heimatseite „Die Flugbegleiter“ im Weltnetz. Vor allem aber scheint sie mit Hirn und Humor, mit Liebe und Leidenschaft angeblich „für Sechsbeiner aller Art“, vermutlich auch für Vierflügler und so weiter und so fort ins Feld zu ziehen. Das mit Illustrationen von Inka Hagen abwechslungsreich gestaltete Werk ist in 20 Kapitel gegliedert, verfügt allerdings über keinen Anhang, kein Register, keine Literaturhinweise oder ähnliches.

Umso mehr finden Leser über Pflanzen und Insekten, an denen die meisten Menschen im Migrantenmoloch Berlin scheinbar blind, bisweilen achtlos vorbeihuschen und ihre Vierbeiner eines heben. Denen scheint sie Rat für die Tat und tolle Tipps für die „persönliche Auflehnung gegen sterile Grünflächen und aufgeräumte Gärten“ zu geben. Sie appelliert an Eigenverantwortung und Selbsttägigkeit. Einfach aktiv werden, gerne immer und überall. Fürs Grüne!

Bibliographische Angaben

Christiane Habermalz, Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam, Bekenntnisse einer Guerillagärtnerin: Gebt Insekten ein Zuhause!, 288 Seiten, Illustrationen im Text, Illustrationen: Inka Hagen, Redaktion: Kerstin Lücker, Taschenbuch, Broschur, Format: 11,8 x 18,7 cm, Verlag: Heyne in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München, 13.4.2020, ISBN: 978-3-453-60547-3, Preise: 9,99 EUR (Deutschland), 10,30 EUR (Österreich), 14,50 SFr (empfohlener Verkaufspreis)

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