Emily Mortimer und Bill Nighy beim Freiheitskämpfchen in einem Fischerdörfchen gegen Patricia Clarkson – Zum Rosamunde-Pilcher-Filmchen „Der Buchladen der Florence Green“ von Isabel Coixet

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Der Buchladen der Florence Green
Zärtliche Zuneigung bei rauem Wetter an der Küste des zwangsvereinigten Königsreiches. © Capelight Pictures, BU: Stefan Pribnow

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Schauspieler Emily Mortimer, Bill Nighy und Patricia Clarkson versprechen Klasse in einem Kinofilm, der die Klassenfrage kratzt.

Auf der 68. Berlinale lief im Februar 2018 ein wenig beachteter aber durchaus beachtlicher Beitrag aus dem kleiner gewordenen Großbritannien, nebenbei bemerkt auch aus Spanien und Deutschland, der im Jahr 2017 produziert wurde. Bei „Der Buchladen der Florence Green“ handelt es sich um eine klassische Literaturverfilmung von Isabel Coixet, die nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb und zwar auf Basis des Buches „The Bookshop“ von Penelope Fitzgerald.

Coixets Geschichte ist schnell erzählt. Ende der Neunzehnhundertfünfzigerjahre will die junge Witwe Florence Green, ihr Mann starb im letzten Krieg, ihre Trauer hinter sich lassen und einen lang gehegten Traum zu wirklichen. Sie kauft ein verwittertes Haus in dem verschlafenen englischen Küstenort Hardborough in Suffolk am Mare Germanicum und eröffnet darin gegen anfängliche leichte Widerstände eine Buchhandlung. Dass das Vorurteile und schlafende Hunde weckt, das glaubt der Zustauer gerne und so stößt die naive Liberale und selbständige Lohnarbeiterin, die für Einkommen schuftet, auf Gegenwehr der örtlichen Bourgeoisie und Feuerwehr, die vom Vermögen lebt.

Die Bewohner der Provinz im Osten von Old England und vor allem die Fischer und sonstigen Einwohner des Fischerdörfchen Hardborough kamen bisland kaum mit den kulturellen Umbrüchen in den fernen urbanen Zentren in Kontakt, geschweigen denn, dass sie damit konfrontiert wurden, wie beisielsweise mit zeitgenössischer Literatur à la „Lolita“ von Vladimir Nabokov oder „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury.

Der von Florence Green gehauchte Wind der Liberalität scheint einige aus ihrer Lethargie zu reißen.

Florence Green findet in dem zurückgezogen lebenden Edmund Brundish (Bill Nighy) eine verwandte Seele, doch in Violet Gamart (Patricia Clarkson), einer Lokalgröße der Bourgeoisie, die eifersüchtig über ihr Einflussgebiet wacht, die Leute auf ihrem Land überwacht und bestraft, aber als Mäzenin Aftergang belohnt, auch eine nicht zu unterschätzende Kontrahentin. Lustig, dass Green ganz in Rot gekleidet der goldklitzernden Dame anfangs ihre Aufwartung macht.

Die Adaption von Penelope Fitzgeralds Roman von 1978 darf als eine Hommage an die Bibliophilie verstanden werden. Doch am Ende siegt die besitzende Klasse über die Büchernärrin. Der liberale Zeitgeist verschwindet in Gestalt der Green übers Wasser, während im Hintergrund Rauch aufsteigt. Ihr Buchladen geht in Flammen auf, angezündet von ihrer rechten Hand, ihrer Schülerhilfe fürs Entstauben und Bringen von Büchern.

Regisseurin Isabel Coixet, die auch das Drehbuch schrieb, gelang einerseits ein eigenständiges Werk einer wagemutigen jungen und hübschen Frau, die ihren Blick in Bücher und nicht auf Männer wirft und an der Kurste der Klassengesellschaft kratzt. Die Fratze gediegener Konversation, hinter der sich die Böswilligkeit der provinziellen Bourgeoisie, des eingebürgerten Establishments verbirgt, entlarvt sich von selbst.

Andererseits spielt Coixet mit Symbolen wie dem Buch „Fahrenheit 451“ ohne die Sache beim Namen zu nennen. Dass die Gesellschaft der Gentlemen-Piraten des zwangsvereinigten Königreiches, das von London aus regiert wird, ein System ist, in dem das gemeine Volk abhängig, anonym und unmündig gehalten wird, das hätte man deutlicher rausstellen können. Zudem ist Coixets Literaturverfilmung kaum von einem Rosamunde-Pilcher-Filmchen zu unterscheiden. Der Berlinale-Beitrag mag für viele Betrachter trotz Emily Mortimerm Bill Nighy und Patricia Clarkson langweilig sein. Vielleicht sind auf der anderen seite die Bilder von Jean-Claude Larrieu wegen dieser Schauspieler sehr sehenswert.

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Freiheitskämpfchen in einem Fischerdörfchen in dem Film „Der Buchladen der Florence Green“ von Isabel Coixet von Stefan Pribnow.

Filmografische Angaben

Originaltitel: The Bookshop
Deutscher Titel: Der Buchladen der Florence Green
Land: UK, Spanien, BRD
Jahr: 2017
Regie: Isabel Coixet
Drehbuch: Isabel Coixet basierend auf dem Buch „The Bookshop“ von Penelope Fitzgerald
Musik: Alfonso Vilallonga
Kamera: Jean-Claude Larrieu
Schnitt: Bernat Aragonés
Ton: Albert Gay
Production Design: Llorenç Miquel
Kostüm: Mercè Paloma
Maske: Montse Sanfeliu
Regieassistenz: Luca Vacchi
Casting: Jeremy Zimmermann
Production Managers: Jordi Berenguer, Alex Boyd
Produzenten: Joan Bas, Jaume Banacolocha, Adolfo Blanco, Chris Curling
Ausführende Produzenten: Albert Sagalés, Manuel Monzón, Paz Recolons, Fernando Riera
Co-Produzenten: Jamila Wenske, Sol Bondy
Co-Produktion: One Two Films, Berlin
Schauspieler: Emily Mortimer (Florence Green), Patricia Clarkson (Violet Gamart), Bill Nighy (Edmund Brundish), Honor Kneafsey (Christine), James Lance (Milo North), Harvey Bennett (Wally), Michael Fitzgerald (Mr Raven), Jorge Suquet (Mr Thornton), Hunter Tremayne (Mr Keble), Frances Barber (Jessie), Gary Piquer (Mr Gill), Lucy Tillett (Mrs Gilling), Lana O’Kell (Ivy Welford), Nigel O’Neill (Mr Deben), Toby Gibson (Peter Gipping), Charlotte Vega (Kattie), Mary O’Driscoll (Mrs Keble), Karen Ardiff (Mrs Deben), Rachel Gadd (Female Inspector), Richard Felix (William), Barry Barnes (Inspector Sheppard), Nick Devlin (Harold)
Länge: 112 Minuten
Originalsprache: Englisch

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