James Ellroy metzelt sich mit dicker Hose durch L.A. – Annotation zum Roman „Jener Sturm“

"Jener Sturm" von James Ellroy. © Ullstein

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Hallo ihr Krimimäuse, auch wenn selbst ich es kaum glauben mag, Altstar James Ellroy lebt und hat mal wieder eine Krimi-Schwarte dicker als ein Telefonbuch zurechtgelötet.

Lasst es euch gesagt sein, es ist echte Arbeit die 976 Ellroysalm Seiten zu entziffern. Denn nur fürs Leservolk übe ich diese unmenschliche Anstrengung aus.

Die älteren von euch werden möglicherweise noch wissen wer Ellroy ist, der mit „Die schwarze Dahlie“ im letzten Jahrtausend mal einen Klassiker des Gewalt=Krimi-Genres geschrieben hat. Damals, bei den sieben Zwergen, hinter den 77 Bergen, als wir alle noch Playboy lasen und wussten wo der Mike Hammer hängt.

Heute ist Ellroy ein alter weißer Autor, der seine bizarren Stoffe in der Matschepampe seines Kleinhirns findet, komische Getränke wie Highballs mag und gern den harten Opamann spielt.

In „Jener Sturm“ geht es wieder mal um jede Menge Psychopathen, die ihre korrupten Neigungen und ihre allgemeine Bösartigkeit wahlweise als Polizist, FBI-Mann, Politiker, Dealer, Militärangehöriger, Nutte, Musiker usw. ausleben. Sie saufen, huren, fressen Drogen, betrügen alte Omas und halten in jede Richtung die Tasche auf. Neu ist: auch zwei Frauen dürfen mitmischen und sind nicht nur Fickobjekt, wie üblicherweise in Ellroys dicke-Hose-Dichtung.

Es gibt hunderte Tote, bis endlich der Quark auf Seite 976 gelöffelt ist. Ellroy ist ein Gewaltphantast, seine Figuren sind Vollspinner, tumbe Ochsen und Frauenfeinde. Der Plot ist langweilig und umstandskasperig ausgewalzt bis St. Nimmerlein. Es geht um Fieslinge, die sich auf richtig gemeine Art bereichern wollen und dabei vor Mord- und Totschlag nicht zurückschrecken. Hilfffe, ich bekomme Angst! Ein Comic, eine Bumsfantasie auf 20 Seiten hätte gereicht. Ellroy legte 957 Seiten drauf…

Ich frage mich, wer diesen Mist heutzutage lesen will. Junge Leute bestimmt nicht, dazu ist es zu dröge, Machomatschig, auf dämlich=hart getrimmt. All die ausgeschlagenen Zähne, zermatschten Hoden, Tabletten zum Munterbleiben, Steakbrote und ewigen Highballs… all dies rammdösige Gelaber um Nutten, Bimbos… jede Nationalität, jede Hautfarbe bekommt ihren bescheuerten Spitznamen, das Buch strotzt vor Klischees, es ist auf eine unangenehme Art 80er und 90er Style, vor allem ist es LANGWEILIG. Pausbäckiger Nazidreck, Pornoscheiss und Stalinspinnereien wechseln einander ab, eine schier unübersehbare Anzahl handelnder Personenlässt lässt uns permanent den Faden verlieren…

Ein Krimi, fast so verlabert und überflüssig, wie Wondratscheks Spätwerk, der wie Altnuss Ellroy, auch nur auf seiner eigenen Pippi segelt.

Was will uns Ellroy erzählen? Das Nazis und Kommunisten Gespenster von gestern sind? Dass nur die Liebe zählt? Das amerikanische Bullen wahnsinnig sind? Ich weiss es nicht… Warne euch aber eindringlich, diesen Buchmüll in euren Kuschelbetten zu bugsieren.

Bibliographische Angaben

James Ellroy, Jener Sturm, Roman, 976 Seiten, Originaltitel: This Storm, Übersetzer (aus dem VS-amerikanischen Englisch): Stephen Tree, fester Einband mit Schutzumschlag, Verlag: Ullstein, Berlin, 14.9.2020, ISBN: 978-3550050411, Preis: 35 EUR (Deutschland), 36 EUR (Österreich)

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