Bittersüße Ukraine – Annotation zum parahistorischen Roman „Die Lieblinge der Justiz“ von Juri Andruchowytsch

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"Die Lieblinge der Justiz" von Juri Andruchowytsch. © Suhrkamp

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Geheimdienstler, Killer, Verschwörer, Verräter, Diebe und ähnlich lichtscheues Gesindel haben es Juri Andruchowytsch in seinem neuen Buch angetan. Er folgt ihren Biografien, füttert sie mit fiktiven Geschichten, erzählt von ihren Abenteuern und Schicksalen. Eine listige Angel ist ein Zirkus, der alle Geschichten miteinander verwebt. Wirklichkeit und Fantasie sind verflochten, was zählt ist die gute Geschichte.

Meist handeln die Figuren in der Gegend um Lwow, nennt es meinetwegen Galizien, augenscheinlich sind die Verknüpfungen, die uns hin und wieder nützliches Fragment sind.

Andruchowytsch ist ein Protokollant des Schreckens, denn nur wenige Geschichten haben ein Happy End. Er schreibt über die Entwurzelten, in die Enge getriebenen, die Verzweifelten, die Krieg, Kommunismus und anderweitige Plagen der Menschheit hinterließen.

Doch er ist auch ein Autor des Schalks, so lesen wir im schlimmsten Stahlgewitter immer wieder einen guten Witz, der das Leid auf den Kopf stellt und die Drehrassel des Schmerzes zum Stillstand bringt.

Lesenswertes Buch!

Bibliographische Angaben

Juri Andruchowytsch, Die Lieblinge der Justiz, 299 Seiten, Parahistorischer Roman in achteinhalb Kapiteln, Übersetzerin aus dem Ukrainischen, Sabine Stöhr, gebunden, Verlag: Suhrkamp, Berlin, 23.3.2020, ISBN-13: 3-51-8429-068, Preis: 23 EUR (Deutschland), 23,70 EUR (Österreich), 32,90 SFr (auch als E-Buch erhältlich)

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