Literatur als Quiz? – Zum Buch „Das Literaturquiz“ von Maximilian Hauptmann und Stefan Kutzenberger

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"Das Literaturquiz" von Maximilian Hauptmann und Stefan Kutzenberger. © edition a

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Kulturwandel ist immer, oder? Dass immer mehr „Geschichten per Knopfdruck auf den Bildschirm geliefert“ werden, wie Maximilian Hauptmann und Stefan Katzenberger in ihrem 240 Seiten starken Buch „Das Literaturquiz“ aus dem Verlag Edition a schreiben, das ist wohl so wahr wie die Behauptung, dass „Netflix und ähnliche Dienste boomen“ würden. Shit happens, meine Herren!

Boomte nicht im alten Rom der Blödsinn mit der christlichen Religion, der sich zur römisch-katholischen Kirche konstituierte, mit dessen Segen auch Deutsche bombten? In einer Welt der Ware und des Spektakels müssen diejenigen, die im Kopf voraus sind, auch „Netflix und ähnliche Dienste“ ertragen. Einerseits.

Andererseits sollten ihre Antworten Kopfbomben sein, oder etwas nicht? Nichts gegen „123 Antworten, die Sie kennen sollten, um über Literatur mitreden zu können“, aber mehr als ein nettes Brimborium für die sich zum Bildungsbürgertum wähnenden Bluffer sind sie nicht. Immerhin bieten Hauptmann und Kutzenberger nicht nur Fragen in der Manier eines Hans Rosenthal und jedes Mal drei mögliche Antworten wie einst bei Michael Schanze, sondern die richtige darunter auch etwas ausführlicher, sodass der Wiener Verlag dessen Buch mit „Infotainment für Anspruchsvolle in Form eines Quizbuches mit 123 spannenden Fragen aus der Literatur“ anpreist, so falsch nicht liegt. Bleibt es am Ende nicht doch dabei, dass das ein Gaudi für die Möchtegern-Masse ist, die sich Klasse vorgaukelt?

Unter der Überschrift „123 Tore zur Welt“ heißt es eingangs (Seite 5): „1998 wechselte ich die Seiten und wurde vom Studenten der Literaturwissenschaft zum Lehrbeauftragten. Oft frage ich meine Studierenden, warum sie sich für dieses Studium entschieden haben. Die Antworten darauf haben sich in den letzten zwanzig Jahren stark verändert. Ende des vergangenen Jahrhunderts führte noch die Begeisterung für die Klassiker der Literaturgeschichte, für Goethe oder Thomas Mann, junge Menschen zur Literaturwissenschaft.

Einige Jahre später war ihre Motivation nicht mehr von so hohen bildungsbürgerlichen Maßstäben geprägt, sondern auffallend oft durch Harry Potter.

Ich fand das ganz in Ordnung, Literatur ist etwas Lebendiges und der Kanon der Werke, die »man gelesen haben muss«, verändert sich ständig. Doch heute, weitere zehn Jahre später, haben viele meiner Studentinnen und Studenten Harry Potter nur noch als Film gesehen, die Bücher dazu jedoch nicht gelesen.

Auf meine Frage nach dem Motiv für ihr Studium bekomme ich heutzutage immer wieder eine Netflix-Serie genannt.“

Kutzenberger scheinen das traurig zu finden und sich zu mühen, eine Lanze für die Literatur zu brechen, die „einfühlsamer, präziser und mitreißender“ sein könne als alle Harry-Potter- und Netflix-Filme zusammen. „Vor allem“ halte die Literatur „länger an“ und könne „auf geheimnisvolle Weise Teil des ganz persönlichen Lebens werden“.

Ob dieses besondere Literaturquiz den allgemeinen Kulturverfall bremsen kann, das darf bezweifelt werden.

Maximilian Hauptmann war übrigens Student bei Dr. Stefan Kutzenberger am Institut für Vergleichende Literaturwissenschaften an der Universität Wien. Hauptmann studierte in Wien auch Philosophie. Seit 2015 arbeitet er zudem für die edition a.

Bibliographische Angaben

Maximilian Hauptmann, Stefan Kutzenberger, Das Literaturquiz, 123 Antworten, die Sie kennen sollten, um über Literatur mitreden zu können, 240 Seiten, gebundene Ausgabe, Verlag: edition a, Wien, 2019, ISBN: 978-3-99001-335-9, Preis: 16,90 EUR (A)

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