Orgelkonzert in der Berliner Kapernaumkirche: Bach, Mendelssohn, Mozart

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Der Haupteingang der Berliner Kapernaumkirche am Abend in der dunklen Jahreszeit (ein Oktoberbild). © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Orgelkonzert in der Berliner Kapernaumkirche ist eigentlich nichts besonderes, auch Bach, Mendelssohn und Mozart nicht. Jeden Sonntag erklingen konzertante Töne in der Weddinger Kirche im Bezirk Berlin-Mitte. Im Jahr also 52 oder 53mal. Dazwischen gibt es Festtage, die auch mit Musik gefüllt sind; Gelegenheiten, Orgeltöne in dieser Kirche zu hören, gibt es, so scheint es genug. Warum also hingehen oder ankündigen?

Die Kirche

Haupteingang Kapernaumkirche im Oktober nach 9 Uhr abends von der Straßenecke Antwerpener und Seestraße. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Was macht die Kirche besonders? Anders gefragt: Muss sie es sein? Als Eckgebäude an einer Magistrale, an der die Stadtautobahn A 100 (innerer „Ring“) weitergebaut werden sollte, der Seestraße, ist die Erhabenheit und Kraft des Ortes selbst nachts nicht unbedingt zu spüren.

In der Abendstille und Dunkelheit mächtiger und spiritueller wirkt eine andere Kirche ganz in der Nähe. Das Weddinger Eckgebäude an der Samoastraße hat vielleicht einfach das Glück, an Wohnstraßen gelegen zu sein. Obgleich beide Kirchengebäude direkt mit dem Bus erreichbar sind, ist es an der Samoastraße zwischen Luxemburger und Kanal wesentlich ruhiger. In der Ruhe liegt die Kraft.

Die Kapernaumkirche ist nicht die einzige Berliner Kirche, die kriegsbeschädigt ist. Photos an den Pfeilern und im Seitenschiff zeigen heute kaum vorstellbare Zerstörungen. Christus stand noch (last man standing). Doch die Plastik hat ein Loch, das man bis heute sehen kann.

Transparent über dem Haupteingang der Berliner Kapernaumkirche. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Der Wert, neben der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mindestens ein weiteres Gotteshaus zu besuchen, das als Gebäude den Zweiten Weltkrieg nicht unversehrt überstanden hatte, liegt vielleicht darin, sich endgültig von allen Kriegen zu verabschieden. Wenn weder das Rote Kreuz noch Spitäler noch Kirchen und Gemeindehäuser heilig sind, das Leben schon gar nicht, dann muss jetzt einfach mal Schluss sein mit den Kriegen. Anders geht es nicht.

Wenn man mal daran denkt, wieviel Umweltverschmutzung und Kohlendioxid selbst ein kleiner Krieg verursacht, selbst wenn keine Menschen sterben sollten, ist klar, dass das so nicht weitergeht.

Es wäre ein Fehler, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche als Einzelfall zu betrachten. Das ist das Gute daran, verschiedene Kirchen zu besuchen.

Orgelkonzert in der Berliner Kapernaumkirche: Die Stücke

Auf dem Programm stehen drei Komponisten. Im Alphabet und vom Können ganz vorne steht Bach. Seinen Namen kann man spielen auf dem Klavier. Den Namen des Autors dieses kleinen Beitrags nur vier Buchstaben lang, dann wird es schwierig, das mo ist keine Mischung aus Do-re-mi-fa-so, das ‚s‘ mit Phantasie ein Es und nach dem spielbaren E ist man am Ende angelangt. Zwar hat statistisch ein kürzerer Name größere Chancen, vertont zu werden, doch ist Bachs Name kein Zufall. Jemand meinte, es solle „Strom“ heißen, da Bach eine Untertreibung. Strom ist heute nicht nur umstritten, sondern auch schlecht spielbar.

Von Bach zu hören sein wird Präludium und Fuge Es-Dur Air. In Bachs Werkeverzeichnis finden sich gleich drei solche Kombinationen in dieser Tonart, die Nummern 552, 852 und 876. Letztere sind aus dem Wohltemperierten Klavier (I und II). (Hörprobe für Nr. 852 unter https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4ludium_und_Fuge_Es-Dur_BWV_852_(Das_Wohltemperierte_Klavier,_I._Teil) ).

BWV 552 ist ein Präludium pro Organo pleno und eine Fuge dito. Die beiden Stücke sind also für die Orgel, eine mehrmanualige mit Pedal. Gut, wenn man so etwas hat. Zuhause fehlt es bei manchem. Ein Grund, in die Kirche zu gehen. Live ist es sowieso viel schöner. Live ist auch nicht digital und man braucht beim Bach-Hören keinen Strom.

Ein weiterer Grund: Orgel muss man auch spielen können. Johannes Pangritz kann‘s und wird es tun.

Neben anderem wird von Mendelssohn die Sonate 3 in A-Dur und von Mozart das Streichquartett Köchelverzeichnis 156 gegeben.

Wann? Am Sonntag, den 20. Oktober 2019 um 17 Uhr MESZ. Der Eintritt ist frei. Spenden sind erbeten.

Wo? Kapernaumkirche, Seestraße 34, 13353 Berlin

U-Bahn-Linie 6 Seestraße, Bus 106 u.a., Straßenbahn M13 + 50.

Plakat für das Orgelkonzert in Berlin am 20. Oktober: Bach, Mendelssohn, Mozart. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser
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1 KOMMENTAR

  1. Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt! Trotz des Plakats war die Realität anders. Das Konzert fand zwar statt, Johannes Pangritz spielte, doch nach Bach (außer Präludium + Fuge 552 noch „Wenn wir in höchsten Nöten sein“, Choralbearbeitung BWV 668) und Mozart folgten drei andere Komponisten: Slögedal, der norwegische Musiker (Organist) und Dirigent, Rheinberger und Dupré.
    Von Bjarne Slögedal, der von 1927-2014 lebte – und nicht, wie im Programm angegeben von 1685-1750, das sind J.S.Bachs Lebensdaten – Variationen über den norwegischen Volkston „Wie gesegnet wird es sein“/ „A hvor salig det skal blive“. Von Joseph Daniel Rheinberger (1839-1901) die Cantilene F-Dur op. 148,2 und von Marcel Dupré drei Stücke op 62: Entrée, Canzona, Sortie. Dupré (1886-1971) war der Organist von Notre Dame.