Realismus im Theater oder Reden über ungeschminkte Wahrheiten auf dem Boden der Bühnen

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Theater
© 2017, Foto: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In Berlin wird gleich an zwei Tagen über Realismus im Theater gesprochen. Die ungeschminkte Wahrheit auf den Boden der Bretter, die für manche die Welt bedeuten, zu bringen und also den Begriff in Übereinstimmung mit seinem Gegenstand, braucht einen Standpunkt, am besten einen Gegenstandpunkt in einer Welt der Ware und des Spektakels.

Dafür dürfte das Theater als Spielwiese der Berliner Republik nicht der rechte Ort sein und wenn er es ist, dann als Bahnhofsmission für Berufsbedienstete in eigener Sache, aber lassen wir das Meckern und melden zwei Veranstaltungen, geben Hinweise zu Diskussionen, die vermutlich als Spektakel und also Unterhaltung veranstaltet werden, was zu vermuten steht, denn der Ort, an dem diskutiert werden soll, ist unter anderem der Rote Salon der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Und es sollen mit Ulrike Krumbiegel, Wolfram Lotz, Armin Petras und Bernd Stegemann gleich vier verschiedene Personen über Realismus im Theater diskutieren. Das ist mit Moderator Jakob Hayner am Freitag, den 9. November 2018, ab 19 Uhr, allerhand und also absurd, aber so ist das, wenn Bühnen nur noch den Boulevard und die Bourgeoisie sowie Proletarier bedienen, die sich als Kleinbürger kleider und leiden, und diejenigen, die sich dazu als Alternative verstehen, aber das Abspülbecken einer Gesellschaft, in der sie stecken, nicht erklären können, und als ein beiläufiger wie belangloser Ort konfligierender Interessen bloß Aftergang politischer Korrektheit betreiben.

Dazu heißt es in einer Presse- und Veranstaltungsmitteilung des Eulenspiegel-Verlages vom 27.9.2018: „Eine der wichtigsten Debatten in den Künsten ist die über einen neuen Realismus. Im Theater ist sie dem Unbehagen an der postdramatischen Ästhetik entsprungen. Formlosigkeit bedroht Kunst als Medium kritischer Reflexion. Dagegen opponiert Realismus, der mehr meint als die einfache Widerspiegelung der Realität oder deren unmittelbare Präsenz im Theaterraum. Ist Realismus möglicherweise das, was den späten Brecht interessierte: Dialektik auf der Bühne? Darüber diskutieren Menschen aus dem Theater, die in den Bereichen Dramatik, Schauspiel, Regie und Dramaturgie arbeiten. Wie funktioniert ein Text auf der Bühne? Was macht eigentlich ein Schauspieler – und wie ist dessen Verhältnis zum Text? Wie befördert die Regie Text und Schauspiel durch das Einrichten einer Szene? Und wie blickt die Dramaturgie auf die dramatische Situation? Und zuletzt: Wie steht das so entstandene Bühnenwerk zur gesellschaftlichen Wirklichkeit?“

Ja, wie, wenn nicht in Widerspruch zu Wahrheit und Klarheit?

Zum Thema passt auch die einen Tag später, nämlich am Samstag, den 10. November 2018, ab 10 Uhr im Magnus-Haus Berlin
Am Kupfergraben 7, 10117 Berlin stattfindende „Elfte wissenschaftliche Tagung der Peter-Hacks-Gesellschaft“ unter dem Motto „Mensch sein ist Ursach sein – Realismus auf dem Theater“ zu der es in derselben Pressemitteilung heißt: „In acht Beiträgen werden zentrale Begriffe der Ästhetik von Peter Hacks (Realismus und Dramaturgie) geklärt und damit an Debatten der vergangenen Jahren, die zur Krise des postdramatischen Theaters und zur Wiederbelebung des Realismus geführt wurden. Geprüft wird, in welche Traditionslinien sich Hacks stellt und welche er ablehnt, wie sich Hacks’ Begriff des Realismus auf die gegenwärtige Diskussion beziehen lässt und wie sich derzeitige dramaturgische Ansätze, Realität auf der Theaterbühne zu repräsentieren, aus diesem Blickwinkel ausnehmen.“

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