Rotes Hühnerblut auf weißem Schnee – Die Bandini-Romane: Zum Buch „Arturo Bandini, Die Trilogie“ von John Fante

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"Arturo Bandini. Die Trilogie" von John Fante. © Blumenbar

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Fast wäre der amerikanische Autor John Fante in Deutschland vollständig in Vergessenheit geraten, doch dank der unermüdlichen Trommelei seines Übersetzers Alex Capus, erlebt der italienischstämmige Fante aktuell eine verdiente Renaissance.

Fante hat leider nichts mehr davon, er starb 1983 an den Folgen einer Zuckerkrankheit, die ihm bereits 1976 beide Beine, sowie das Augenlicht gekostet hatte. Seinen letzten Roman, der im vorliegenden Buch der dritte ist, diktierte er 1983 im Sterben liegend seiner Frau.

Er war 1983 nicht mehr auf der Höhe seiner Schaffenskraft, immerhin erschienen die ersten beiden Bandini-Romane „Wait until Spring, Bandini“ (dt. „Warte bis zum Frühling, Bandini“) 1938 und 1939 die Fortsetzung „Ask the Dust“ (dt. „Frag den Staub“). Warum er sich 1983 zu einer Fortsetzung entschlossen hat, ist mir nicht schlüssig. Vielleicht haben ihn die Geister der Vergangenheit zu sehr gequält?

Der erste Roman behandelt ein Weihnachten in der Jugend Bandinis. Der pubertierende Arturo hasst seine italienischstämmige Herkunft, besonders seine frömmelnde Mutter und den Bruder, ihre Armut kotzt ihn an, er dackelt verliebt einer gleichaltrigen Mitschülerin hinterher, die ihn für ein kleines dummes Tier hält. Er bewundert seinen Vater, ein selbstherrlicher Maurer, der um Weihnachten zur reichen Nachbarin verschwindet.

Es ist kalt, der Schnee plättet jedes aufkeimende Gefühl, die bösartige Oma kommt und wirft hämisch Kleingeld unter die Geschwister. Die Mutter nestelt gestört am Rosenkranz und wird langsam irre, indes Arturo den letzten noch lebenden Hahn der Familie in einem Wutanfall grausam tötet. Rotes Hühnerblut auf weißem Schnee, fast ein romantisches Bild.

Arturo Bandini ist das Alter Ego Fantes. Im zweiten Roman ist er ein kleiner, kompakter Mann geworden, nun nach Kalifornien, nach L.A. entschwunden, um Schriftsteller zu werden.

Wieder verliebt er sich hoffnungslos, diesmal ist es eine Barfrau. Er beleidigt sie aufs Widerlichste, weil sie einem anderen ihre Gunst schenkt, lebt in bitterer Armut und schreibt schmalzige Geschichten – bis das Wunder passiert und ein Verleger sein Talent erkennt.

Wer nun denken mag, es würde alles gut, hat die Rechnung ohne John Fante gemacht. Bandini ist immer im Kampfmodus, ein flackerndes Irrlicht im Kreuzfeuer seiner Leidenschaft.

Arturo Bandini wird pausenlos vom Leben hart gefickt, es ist ein dramatisches Hin und Her, dass man das Buch an die Wand klatschen möchte… doch es ist so gut, so überzeugend in seiner dokumentarischen Härte und Klarheit, bisweilen mild wie eine Sommernacht am großen Ozean… dann wieder bitter wie ein Mix aus kaltem Kaffee und stinkenden Kippen. In jedem Fall sind die Bandini-Romane große Werke eines Außenseiters der amerikanischen Literaturgeschichte, nicht ohne Grund ist das Vorwort von Charles Bukowski, dessen Vorbild Fante war.

Lasst Fante zu eurem Gott werden und rennt den Buchläden die Türen ein!

Bibliographische Angaben

John Fante, Arturo Bandini, Die Trilogie, Übersetzer: Alex Capus, 608 Seiten, gGebunden mit ausklappbarem Vorsatz, Verlag: Blumenbar, Berlin 2019, ISBN: 978-3-351-05055-9, Preis: 24 EUR (D)

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