Über den Vater – Annotation zum Buch „Lügen über meinen Vater“ von John Burnside

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"Lügen über meinen Vater" von John Burnside. © Penguin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Fucking Corona hat auch was Gutes, ich lese mehr Bücher! So ist mir dieser Tage der Schotte John Burnside unter die Lesebrille gekommen, ein ziemlich stranger Außenseiter des Literaturbetriebs.

Er kam erst spät zum Schreiben, werkelte vorher da und dort und hat sich nebenher ein riesiges Repertoire an Geschichten über Einsamkeit, Sex, Liebe usw. zusammen ge… ja, gesucht trifft es wohl am ehesten. In loser Folge stelle ich seine Bücher vor.

Ich setze fort mit Lügen über meinen Vater (Das autobiografische Projekt, Band 1)

Wer wissen will, warum reichlich kranke Gestalten durch jedes der Werke Burnsides marschieren, dem wir dieses Buch eine Hilfe sein.

Burnside wuchs in einer sozial schwachen Familie auf. Der Vater ein despotischer Säufer und Spieler, die Mutter die klassische Dulderin, die es früh hinwegrafft.

Junior Burnside selbst schnabuliert Drogen und Alkohol wie unsereins Butterkekse und landet früh in der Psychiatrie. Vom Vater missachtet, der seinerseits ein Findelkind war und ohne Familie aufwuchs, von den Freunden belächelt oder frühzeitig verscheucht, war der junge Burnside ein Kandidat für einen frühen Tod.

Die Eltern wechselten immer mal wieder die Stadt, wenn Vati sich in den billigen Kneipen nicht mehr blicken lassen konnte, ihm keiner mehr einen Aushilfsjob auf dem Bau anbot, bzw. sämtliche Kredite aufgebraucht waren.

Trotzdem er sehr gute schulische Leistungen hat, gibt es vom Vater keinen Support, im Gegenteil, er macht John und seine Schwester für den frühen Tod der Mutter verantwortlich.

Kein Wunder, dass John nur mal schnell Kippen holt (und gleich in die nächste Stadt zieht), um nie wieder bei seinem Alten unterkriechen zu müssen.

Ein hartes Stück Buch ohne Gnade. Wer wissen will, warum Burnside die dunklen Seiten der Menschen beschreibt, bekommt hier eine Antwort.

Bibliographische Angaben

John Burnside, Lügen über meinen Vater (Das autobiografische Projekt, Band 1), 384 Seiten, Übersetzung aus dem Englischen: Bernhard Robben, Taschenbuch, Broschur, Format: 11,8 x 18,7 cm, Verlag: Penguin, München, 9. Januar 2017, ISBN-13: 978-3328101727, Preise: 10 EUR (Deutschland), 10,30 EUR (Österreich), 14,50 SFr (empfohlener Verkaufspreis)

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