Feste Burg am Kilimandscharo – Die Musikdoku „Sing it Loud“ folgt christlichen Chören in Tansania

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Plakat zum Film "Sing it loud - Luthers Erben in Tansania". © JIP Film & Verleih

Dodoma, Tansania (Kulturexpresso). Im Norden von Tansania gibt es ist eine besondere Art des Chorgesangs, eine Mischung aus deutschem Choral und ostafrikanischer Folklore. Besonders intensiv kann das beim Nationalen Chorwettbewerb erleben, der seit 1954 alle zwei Jahre stattfindet. Mehr als tausend Chöre nehmen daran teil.

Die Regisseurin Julia Irene Peters hat drei der teilnehmenden Ensembles begleitet. Fünf Wochen lang drehte sie in abgelegenen Dörfern und in der Großstadt Arusha im Nordosten des Landes. Ihr Film „Sing it loud – Luthers Erben in Tansania“ lief bereits 2017 erfolgreich in den Kinos. Jetzt ist er erstmals online und auf DVD erhältlich.

Kirchenchöre sind in Tansania außerordentlich populär. Die beliebtesten Gruppen bringen Musikvideos oder Klingeltöne auf den Markt. Jede Gemeinde hat mehrere Chöre, die für sozialen Zusammenhalt sorgen und Möglichkeiten zur kreativen Entfaltung bieten. Die Mitglieder singen nicht etwa nur, sondern tanzen und trommeln, komponieren und arrangieren.

Der Film zeigt Proben, Auftritte und die Vorbereitung auf den Wettbewerb, aber auch den Alltag der Sänger. So besucht die Regisseurin die Bauern Martha und Simon auf ihrer kleinen Farm. Martha hat für ihren Chor ein schwungvolles Lied im traditionellen Wagogo-Stil geschrieben; der Chorleiter erhält Gemüse als Honorar.

Wohlhabender sind Maria und Evarest, die eine Autowerkstatt in Arusha betreiben und vor 20 Jahren den Cantate Chor gründeten. Und dann gibt noch den Kanaani Jugendchor. Hier finden zahlreiche Jugendliche, die mutterseelenallein in der Großstadt Arusha gestrandet sind, Anschluss und Perspektive. So wie Nuru, der inzwischen bei den Aufführungen als Solist singt.

Für den Nationalen Chorwettbewerb müssen alle eine Eigenkomposition und das vom Veranstalter, der Evangelischen Kirche, vorgegebene Pflichtstück einstudieren. 2016 war das „Ein feste Burg ist unser Gott“, auf Swahili „Mungu Wetu Ndiye Boma“.

Der Film erinnert auch an die Rolle der deutschen Kolonialherren in Ostafrika. Tansania war Teil der Kolonie Deutsch-Ostafrika. Ende des 19. Jahrhunderts brachen deutsche Missionare in die Region Arusha auf. Willkommen waren sie nicht: Arusha-Krieger töteten die Leipziger Missionare; als Strafe folgte ein blutiger militärischer Gegenschlag.

Erst 1993 feierten die deutsche und die tansanische Kirche ihre Versöhnung. Heute bekennen sich rund zwölf Prozent der Tansanier zum Luthertum. Glaubt man dem Film, ist ihre Religiosität stark und selbstverständlich, fest im Alltag verwurzelt.

„Sing it loud – Luthers Erben in Tansania“ ist ein mitreißender Musikfilm. Von den schwungvollen Harmonien und den fröhlichen Gesichtern der Sänger kann man gar nicht genug bekommen. Den Satz „Singen macht glücklich“ hört man im Laufe der 94 Minuten immer wieder.

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