Scheitern mit Schiffen oder Dutzende Seiten Seemannsgarn – Zum Buch „In Seenot. Dramatische Stunden auf dem Meer“ von Thomas Käsbohrer

"In Seenot. Dramatische Stunden auf dem Meer." von Thomas Käsbohrer. © Millemari

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Landratten und Feuchtmatrosen sei gesagt, dass Seemannsgarn nicht gesponnen wird, sondern eine vom Schiemannsgarn, das geteert ist wie manche Seemannslunge zwischen Haithabu und Kap Horn, hergeleitete Metapher für den Schnack tatsächlicher oder vermeintlicher Erlebnisse in der Seefahrt ist. Daher stecken im Buch mit dem Titel „In Seenot. Dramatische Stunden auf dem Meer“ von Thomas Käsbohrer aus dem Verlag Millemar Dutzende Seiten Seemannsgarn.

Loïck Peyron, Christian Kargl, Boris Herrmann, Bernard Stamm, Tahsin Oezen, Mathias Müller von Blumencron, Manfred Schöchl, Karl-Heinz Beständig, Antke Reemts und viele andere erzählen Käsbohrer vom Scheitern mit Schiffen, allerdings auch von der Rettung aus Seenot. Sowohl Gerettete als auch Retter berichten über ihre Erfahrungen auf dem Wasser, das sich auf der Erde mit „Urgewalt“ bewegt. Menschen auf dem Meer, auf Schiffen in Stürmen, mit Grundberührungen und „Motorversagen, in brenzligen Situationen und Wassereinbruch“ sowie „vom Alptraum jeden Skippers, dem Über-Bord-Gehen auf hoher See, während das eigene Schiff weitersegelt“.

So verschieden die Autoren sind, so verschieden ist auch das Scheitern und die Schreibe. Thomas Käsbohrer, der als professioneller Segler, Seenotretter und Fahrtensegler gilt, macht sich als Chronist von Typen und Tatsachen auch mit diesem Werk einen Namen. Er führte nicht nur Gespräche zu den 23 Geschichten, die Skipper-Erlebnisse wiedergeben, sondern auch Fachinterviews. Beispielsweise habe er nach eigenen Angaben auf seinem Blog http://marepiu.blogspot.com „mit dem Psychologen Bernhard Streicher und etlichen anderen“ gesprochen, „auch ausführlich mit Antke Reemts, der Pressesprecherin der DGzRS“. Vielleicht war das ein Grund dafür, dass „10 Prozent des Erlöses eines jeden Exemplars … zur Unterstützung der Seenotretter an die DGzRS in Bremen“ gehen.

Dass jemand wie Käsbohrer Leuten auf dem Wasser und Land begegnet und daraus Bücher werden lässt, das ist eine gute Sache für alle, die gerne dabei gewesen wären, aber das nicht konnten. Doch die Bücher sind zu klein, um alle Begegnungen darin unterzubringen. Außerdem hätte er „noch so viele Menschen auf“ seiner „Liste“ gehabt, „mit denen“ er „gerne über das Thema ‚Seenot‘ gesprochen hätte“. Und selbst das, was man geschafft, hat kann man „nicht tief genug ausloten“. Nützlich für Segler und solche, die das werden wollen, ist das Buch bereits, denn wer das Scheitern der anderen versteht, muss es nicht wiederholen, der nimmt das nächste Mal ein paar Löschdecken mehr mit oder „Lüftungskäfige um Kühlschrankkompressor und Bugstrahlruder“ oder legt sich „einen Treibanker als Notruder“ zu, worauf Thomas Käsbohrer am Schluss seines Buches hinweist, das mit den Worten „Wenn die hier gesammelten Geschichten auch nur einen Menschen irgendwo auf dem Meer davor bewahren, in Seenot zu geraten, hätte sich unsere Mühe mehr als gelohnt“ endet.

Bibliographische Angaben

Thomas Käsbohrer, In Seenot. Dramatische Stunden auf dem Meer, 290 Seiten,Paperback, Verlag: Millemari, Iffeldorf, 2020, ISBN: 978-3-96706-008-9, Preis: 24,95 EUR (Deutschland), auch gebunden mit Schutzumschlag, ISBN: 978-3-96706-009-6, Preis: 39,95 EUR (Deutschland), als E-Buch, ISBN: 978-3-96706-010-2, Preis: 14,99 EUR, und als Hörbuch, ISBN: 978-3-96706-011-9, Preis: 19,99 EUR

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