Schlemmen in Berlin, Brandenburg und Thüringen. Vor dem Essen Maske ab!

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Wie hier im Flughafen Tegel dürfen in Berlin Restaurants und Cafés nun wieder öffnen. Allerdings maximal 6-22 Uhr. Archivbild aus dem Jahr 2017. © Photo Andreas Hagemoser 2017

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Maske fallen lassen. Viele wünschen sich das von der Politik, manche von der chinesischen Regierung. Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg‘ auch keinem andern zu! Bedeutet: Man muss auch selbst die Bereitschaft haben, die Maske fallen zu lassen. Die meisten tun das – vor dem Essen. Jetzt auch in der Mitte Deutschlands – in der Öffentlichkeit! Kochmuffel atmen auf – nicht erst, wenn die Maske runter ist, der Mund-Nasenschutz.

Schluss mit den Abholungen an der Restauranttür, die als Minimalumsatz den Gaststätten sowieso nicht halfen. Zuwenig zum Leben, zum Sterben eines Betriebs hätte es auf die Dauer gereicht.

Selbstverständliches wieder möglich

Selbstverständliches ist jetzt wieder möglich! Bedienen am Platz! Bedientwerden am Platz! Hurra!

Es ist erstaunlich, wie bescheiden man werden kann, wenn einmal (fast) „alles“ verboten war.

An fließendes Wasser und ein Badezimmer haben wir uns gewöhnt. Müssen einmal die Handwerker für einen Arbeitstag alles abstellen, bekommt „müssen“ eine neue Dimension. Man macht sich Gedanken über große, verschließbare Gefäße für frisches Wasser, Nachttöpfe und Campingtoiletten. Viele Anschaffungen können noch gemacht werden, das wird die deutsche Wirtschaft wieder ankurbeln.

Freunde treffen gehörte einmal zum Leben dazu. Hände wurden zuviel geschüttelt, aber das störte nur selten einmal jemanden. Umarmungen waren an der Tagesordnung, in Frankreich und anderswo wird „jeder“ 2-3mal geküsst. Wurde. Im April war damit nichts. Dittsches Ellenbogenberührung ist, ma sagen, für viele kein Ersatz, aber fast korrekt und eine Hilfe für Gewohnheitstiere. Allerdings gelingt diese auch nicht bei einem Abstand von anderthalb geschweige denn zwei Metern. Gefühlsbetonte und erdverbundenere Naturen litten und leiden unter dem Berührungsverbot besonders.

Der kleine Schnack nebenbei, in der Bäckerei, im Laden oder unterwegs, war vielen noch nicht einmal als Teil des Lebens aufgefallen. Alte Menschen wurden belächelt, angepflaumt oder zur Eile angetrieben, wenn sie an der Supermarktkasse mit einem Viertelpfund Butter 5 Minuten über das Wetter oder ähnliches sprachen. Dass auch Jüngere solche „belanglosen“ Sozialkontakte brauchen, fiel nun auf.

Vom Singen wollen wir gar nicht sprechen. Abgesehen davon, dass Konzerte monatelang verboten sind und sein werden taucht das Verb im Moment in der Verbindung mit „besonderer Gefahr“ auf.

Brandenburg und Thüringen: Gastronomie auf

Im Bundesland Brandenburg, das ähnlich wie Niedersachsen ein Loch in der Mitte hat, sind Restaurants und Cafés wieder geöffnet. Der Wettbewerbsvorteil der Imbissbuden schmilzt damit dahin. Man wird bedient. Bisher waren viele einfach nur bedient.

In Thüringen öffnen gleich auch die Hotels mit. Sowieso ist Gastronomie von Hotels kaum wegzudenken. Restaurants mit eigenem oder gleichem Namen sind häufig, ebenso Cafés in der Lobby oder Bars.

Im Nachbarfreistaat Sachsen sind Hotels sowie Ferienwohnungen wieder im Angebot.

Berliner Gaststätten-Regelungen: Die Einzelheiten

Ein Restaurant-cum-Kneipe im Westen der Hauptstadt in Berlin-Grunewald. © Photo Andreas Hagemoser 2019

In der Hauptstadt kehren nicht die alten Verhältnisse ein, wie manche vielleicht irrigerweise annehmen möchten. Die Vorsichtsmaßnahmen gelten weiter. Alle Lockerungen – auch die an den Grenzen – können sofort zurückgenommen werden (!), wenn sich Menschen nicht an die Regeln halten! Das sollten alle wissen, damit uns nicht ein paar Sorglose die „neuen Freiheiten“ versauen.

Im einzelnen gilt im Berlin, worauf die zuständige Senatorin Dilek Kalayci hinweist:

1.- Der Besuch einer Gaststätte ist nur allein möglich (klar), mit Angehörigen des eigenen Haushalts oder mit Bewohnern und/ oder Bewohnerinnen eines anderen Haushalts.

(Also: Kein gemeinsames Essen dreier Freunde aus drei Wohnungen! Geschweige denn mehr.)

2. – Geöffnet wird nur zwischen 6 und 22 Uhr. Was diese ausgangssperrenähnliche Regelung in einer Stadt wie Berlin, die immer stolz darauf war, dass es keine Sperrstunde gab, soll, weiß kein Mensch, aber nichtsdestotrotz. Sie gilt.

3. – Zwischen den Tischen muss mindestens ein Abstand von 1 Meter 50 sein.

4. – Das Personal muss einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

5. – Der Verzehr der Speisen und Getränke ist nur am Tisch möglich. Buffets bleiben geschlossen.

6. – Eine Kontaktnachverfolgung* für den Fall einer zukünftig festgestellten Infektion wird den Gaststätten empfohlen. Anderswo ist sie Pflicht. Also: Bereitschaft, Personalien zu hinterlassen, wenn man selbst nicht kochen will.

7. – Reine Schankwirtschaften bleiben zu (zum Beispiel Clubs oder Shishabars).

Datenschutz beim Restaurantbesuch im neuen Jetzt

*Zur Zurückverfolgung Infizierter können Daten erhoben werden. Allerdings nur erforderliche. Als not-wendige Daten gelten Name, Telefonnummer und der Aufenthalts-Zeitraum der Gäste. Es muss sichergestellt sein, dass Kunden die Angaben anderer Gäste nicht zu Gesicht bekommen. Einsehbare DIN-A4-Listen am Eingang mit engen, papiersparenden Spalten oder digitale Listen, auf denen die Daten anderer zu sehen sind, sind unzulässig. Stattdessen kann für jeden Gast ein eigenes Blatt verwendet werden (jede Kleingruppe). Dies folgt aus den bindenden Vorschriften des Berliner Datenschutzbeauftragten.

Datenspeicherung nur taggenau 4 Wochen, Löschung/ Vernichtung muss zuverlässig sein

Nach vier Wochen sicherer Aufbewahrung müssen die Daten wieder gelöscht oder vernichtet werden. Bei Papierform reicht ein einfaches Zerreißen von Zetteln nicht. Es muss schon ein Verbrennen im Ofen oder ein stromfressendes Füttern des Aktenvernichters sein.

Mehr zum Thema Reisen und Reisefreiheit hier (nebenbei gesagt: Schweden hat gerade das Einreiseverbot verlängert):

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