Schon am Anfang schwieg die Musik – Auf der Titanic spielte das Bordorchester noch bis zum Schluss

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Eine Nixe vor dem Titanic-Museum in Belfast. Quelle: Pixabay, Foto: Irek Marcinkowski

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Viruskrise hat in Europe gleich zu Beginn Opern- und Konzerthäuser zum Schweigen gebracht. Nach und nach musste jedes Theater, auch die kleinen Säle schließen. Das war vor zwei Wochen, doch erscheint es nun schon wie eine Ewigkeit. Dieser Tage begannen auch die Sommerfestivals Absagen zu formulieren. Letzte Woche kündigten Bayreuth und Erl das Nichtstattfinden der Sommersaison an. Andere werden folgen. Salzburg ringt noch mit einer Entscheidung und vertagt diese bis nach Ostern. Bregenz hat vor Tagen bekannt gegeben, dass man die Seefestspiele durchführen werde. Darauf kann man nicht bauen, denn die neuen traurigen Meldungen aus Wien, dass nun auch die Stadtparks geschlossen werden, stimmen nicht hoffnungsvoll. Man wundert sich, dass ausgerechnet die Orte, die für geistiges Heilen und auch für körperliche Fitness als wohltuend anerkannt sind, nun ‚off Limits‘ für Menschen erklärt werden.

Die Bayerische Staatsoper versuchte bis letzte Woche noch einige interne Abläufe aufrecht zu halten, auch Probenarbeiten fanden statt. Eine Pressemeldung erklärt nun das totale Aus: „Leider sieht sich die Bayerische Staatsoper gezwungen, Marina Abramovićs Opernprojekt „7 Deaths of Maria Callas“, das in den letzten Wochen in Form von Workshops in Kleinstgruppen vorbereitet wurde, auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen. Grund dafür ist die Tatsache, dass ab sofort die Beteiligung von Orchester und großer Bühnencrew notwendig wäre und Alternativen nicht verantwortbar sind. Im Zuge dessen sind Teile der Belegschaft in Absprache mit dem Bundesministerium bis zum 19. April vom Dienst freigestellt. Damit kann das Haus auch die live im Internet übertragenen Montagskonzerte nicht mehr fortsetzen. Ausnahmen sind die Administration – teilweise aus dem Homeoffice – und die Produktion von Schutzmasken in der Kostümabteilung der Staatsoper, natürlich nur auf freiwilliger Basis.“

Ärger gab es auch mit dem Ballett, lt. Münchner Abendzeitung fiel einem Passanten am Dienstag auf, dass im Probengebäude des Bayerischen Staatsballetts am Platzl trainiert wurde. Er holte daraufhin die Polizei – offenbar, weil er einen Verstoß gegen die bayernweiten Ausgangsbeschränkungen und das Veranstaltungsverbot vermutete.

Nun, Tänzer haben die Aufgabe zu tanzen und andere dürfen auch ihren Beruf ausüben. Man informierte die Behörden, dass man das Training unter strengen Sicherheitsvorschriften durchführe, ein Tänzer müsse sich fit halten. Es gab kein Pardon, Intendant Bachler sprach unglücklicherweise von „Blockwarten“– wofür er sich entschuldigte! Den Tänzern wurde nun empfohlen Zuhause zu trainieren. Hoffen wir, dass alle in großzügigen und schalldichten Wohnungen leben, um ihre Pirouetten und Sprünge ausführen zu können.

Dass uns dieser Virus mit dem hübschen Namen Corona – nun auf Covid19 umgetauft – so viel Ärger machen würde, hat wohl niemand erwartet. Haben wir doch schon andere solcher Epidemien in den letzten Jahrzehnten durchlebt. Doch dieses Mal ist es anderes, und die Welle rollt und rollt. Nur auf die Klassikszene einmal bezogen, kann man jetzt schon sagen, es wird Vieles anders werden und für viele Menschen wird nichts mehr so sein, wie es einmal war in. Nicht jedes Theater wird in der Lage sein wieder zu spielen und so manches Orchester wird nicht überleben können. Künstleragenturen entlassen jetzt schon Mitarbeiter und das ist erst der Anfang. Es wird hart sein für viele in dieser Branche, doch es kann auch ein Neuanfang sein, wenn er dann mal kommt. Subventionen könnten noch weiter gekürzt werden, der Dienstleistungsauftrag wird dann vermehrt im Mittelpunkt stehen, eine intellektuell erzieherisch geprägte Klassikszene für eine Elite dürfte nicht mehr funktionieren, dass gilt auch für die renommierten Sommerfestivals. Schmerzlich nur, dass es für die Rückbesinnung einer Katastrophe bedurfte. Das gilt sicherlich ebenso für alle anderen gesellschaftlichen Bereiche, wenngleich es auch eine Chance für einen interessanten Neubeginn sein könnte. Darf man von einer Zeitenwende sprechen? Das werden die Geschichtsschreiber dann entscheiden.

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