Ab in die Maske? Vermummung gut? Anleitungen zur Deckung eines Mangels

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"Ausverkauft"-Schild an einer Apotheke. Kein Einzelfall und keine Eintagsfliege. Und das in Berlin am Kurfürstendamm. Im April 2020. Photo/BU: copyright Andreas Hagemoser 2020

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Ab in die Maske“, das könnte man bei einem Filmdreh oder im Theater sagen, ist doch mit „der Maske“ der Raum gemeint, in dem die Maskenbildnerinnen und -bildner das Ma(s)ke-up auftragen, die Schminke. Natürlich umfasst das, was in der Maske passiert, noch wesentlich mehr.

Wer in den Neunzigern von „Maske“ sprach, meinte meist Maske, Henry, den Gentlemanboxer. Der Olympiasieger von 1988 aus Treuenbrietzen am südöstlichen Ende des Landkreises Potsdam-Mittelmark (PM) wurde 1990 Profi. Sein Auftritt bei der Boxveranstaltung auf der documenta IX in Kassel (mit Samson Cohen im Ring, neben Axel Schulz und anderen) und die breite mediale Präsenz über den Fernsehsender RTL, als es noch nicht für jeden hunderte Sender zur Auswahl gab, führte zu einer großen scheinbaren Wichtigkeit dieses Sports in den 1990er Jahren. Ähnlich wie Tennis in der Bundesrepublik Deutschland in Mode kam, als Steffi Graf und Boris Becker siegten, wurde nun ein anderer Sport „gehypt“, also durch die Medien „nach vorn gebracht“.

Unterm Strich bedeutete „Maske“ in den 90ern meist Henry. Das hat sich inzwischen geändert. Nicht nur Sportarten sind Zeitphänomene, sondern auch das Verständnis von Begriffen.

Maske 2020

Im März und April 2020 meint man damit meist etwas vor das Gesicht Gehängtes. Fachleute wie Ärzte verstehen darunter etwas Bestimmtes, das Volk oft einen Mund-Nasen-Schutz. Während seit langem das Maskieren auf Demonstrationen – siehe den Streit um das „Vermummungsverbot“ – und beim Betreten von Banken (Absetzen von Helmen) verpönt oder verboten ist, wird aktuell gar medial über eine Pflicht zum Tragen von Masken diskutiert. Im MDR-Fernsehen wurde am 2.4. eine stichprobenartige Umfrage, wie die Bevölkerung dazu stehen könnte, erwähnt. Wie immer, wenn Veränderungen anstehen, könnte man meinen, sprachen sich zwei Drittel der Befragten – über deren Anzahl wurde nicht gesprochen – positiv aus; wobei nicht klar war, ob die Leute es gut fänden, wenn die Mehrheit einen Mundschutz trüge oder ob sie die Einführung einer Pflicht guthießen, und sei es auch nur beim Einkaufen, dem Betreten eines Ladens.

Kanzler Kurz hat in Österreich so etwas verfügt. In einem kleineren Land ist das leichter durchzusetzen. Allerdings könnte man auch schlecht im Moment dagegen demonstrieren oder sich „zusammenrotten“, wenn man etwas dagegen hätte. Die Kontaktbeschränkungen von Bund und Ländern lassen außer Familien in der Öffentlichkeit ja nur zwei Menschen zu, alle anderen nur im Abstand von zwei Metern. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Was tun Masken?

Wichtig ist, dass ein Mundnasen- oder Nase-Mundschutz die anderen schützt – nicht den Träger oder die Trägerin. Jedenfalls hauptsächlich. Deshalb ist auch Angst unbegründet, wenn man jemanden mit einer „Maske“ sieht. Diese sind unter Asiaten recht gebräuchlich und man sollte jedem Träger einer Maske dankbar sein, bedeutet sie doch Rücksichtnahme – egal, ob es sich um eine Erkältung, eine Influenza oder was auch immer handelt.

Ein bisschen schützt sie doch, schwenkte jetzt das Robert-Koch-Institut (RKI) um. Nicht der erste Schwenk, doch darum geht es hier nicht. Die Maske solle drei Lagen haben (mindestens) und trocken sein, um zu wirken; auch wurde von Stoffmasken gesprochen.

Maskenbauanleitungen und eine Bauanleitung für eine Schutzbrille

Denn kaufen kann man so etwas schon lange nicht mehr oder nur mit Glück.

6 Anleitungen mit jeweils einem Link:

– Maske aus Stoff + 2 Gummis, 50 x 50 cm, dreimal gefaltet, ohne zu nähen.

+ Schutzbrille (könne zum Eigenschutz wichtig sein). Man braucht eine durchsichtige, leere Einwegkunststoffflasche, die wenig geriffelt ist, Cutter, Locher, Schere und eine etwa 55 cm lange Schnur. Der Sitz ist regelbar!

– Eine Maske machen ohne zu nähen.

– Wie man in einer Minute eine (Atemschutz-)Maske herstellt – ohne zu nähen. Man braucht ein Bügeleisen, einen Hefter mit Klammern, eine Schnur, ein Stück Stoff oder mindestens ein paar Papierservietten.

– Maske aus Kaffeefiltern und Gummiband – ohne zu nähen (Erklärung auf deutsch):

– Maske desinfizieren leicht gemacht.

(Zum Teil ist die Anleitung in einer Fremdsprache, doch schon allein aus den Bildern gut zu verstehen. Die US-Amerikaner loben an Bord der internationalen Raumstation ISS die russischen Besatzungsmitglieder immer für ihre Improvisationsstärke. Weltraumwissenschaften kann man nicht studieren, wenn man kein Russisch lernen will.)

Sämtliche Links zu den Anleitungen ohne Gewähr. Natürlich kann auch Gesundheit nicht garantiert werden. Doch Hilflosigkeit und Ohnmacht beseitigt werden. Viele möchten einen Mundschutz haben. Woher? Selbst zu Wucherpreisen sind diese vielerorts ausverkauft. Onlinebestellungen sind auch nicht jedermanns Sache und nicht für jeden praktikabel. Vieler dieser Anleitungen hingegen schon. Nähen muss man dazu nicht können.

Wer nähen kann, ist klar im Vorteil. Um andere zu schützen, ist das aber keine zwingende Bedingung.

In Pflegeheimen und in Unternehmen wie Trigema werden Masken genäht. Am 2. April gab es einen Medienbericht, dass in einer Feuerwache Masken genäht würden. Der Beruf des Feuerwehrmanns zeichnet sich zum Glück unter anderem durch Warten aus; nach dem Motto Carpe Diem wurde die Zeit genutzt.

Maske mit Musik

Wem das alles jetzt zu sehr auf den Magen schlägt, dem sei noch der eine oder andere musikalische Link mit auf den Weg gegeben. Da der Artikel fast zu Ende ist, passt der Songtitel. Einen den wirtschaftlich erfolgreichsten Hits überhaupt landete Sarah Brightman, die Henry Maske kennt. Sie hörte in einer Gaststätte, eine zugegebenermaßen heute surreale Situation, einen Song und trat an den Sänger heran. Das Lied wurde Henry Maske gewidmet und dadurch zu einem Riesenerfolg.

Für Bocelli ist es ein „signature song“; es gab Versionen auf französisch, spanisch, englisch und deutsch; teils mit zwei Sprachen in einem Song.

Sarah Brightman und Andrea Bocelli – (1997):

Andrea Bocelli und Aida Garifullina – „Con Te Partirò“ (Dirigent: Eugene Kohn, Aufführungsort: Verizon Center (seit August 2017 Capital One Arena) Washington D.C.):

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2 KOMMENTARE

  1. Ich finde, so etwas muss hier einfach stehen. Umso mehr, als man solche Unverschämtheiten heute online liest: „Senator: USA konfiszieren Schutzmasken für Berlin“ (nicht für Berlin, sondern Berliner Masken für die USA, müsste es eigentlich heißen.) Nachricht ist v. 3.4., aktualisiert 16:29 h: „Berlin (dpa/bb) – Berlin muss in der Corona-Krise auf eine dringend benötigte Lieferung von 200 000 medizinischen Schutzmasken verzichten.“ (!)

    DIE WAREN SOGAR BEREITS BEZAHLT! Guckstu:

    „Grund: Die USA haben die Ware in Bangkok konfisziert, wie Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Freitag mitteilte. Die Masken der Klasse FFP-2, die vor Ansteckung mit dem Coronavirus schützen können, waren nach seinen Angaben für die Berliner Polizei bestimmt. Berlin habe sie bei einem US-Unternehmen bestellt und bezahlt. Nach Recherchen des „Tagesspiegel“ wurden sie in China hergestellt, offizielle Angaben dazu lagen nicht vor.“

    Immerhin hat der Berliner Innensenator das nicht auf sich sitzen lassen:

    „Geisel kritisierte das Vorgehen der USA scharf. „Wir betrachten das als Akt moderner Piraterie“, erklärte er. „So geht man mit transatlantischen Partnern nicht um. Auch in globalen Krisenzeiten sollten keine Wildwest-Methoden herrschen.“ Die Bundesregierung müsse bei den USA auf die Einhaltung internationaler Regeln dringen.“

    Die Sache, dass die Vereinigten Staaten ein deutsches Unternehmen kaufen wollten, um den seriös frühestens für März 2021 verfügbaren Impfstoff für sich allein zu haben – der sollte nur in den USA bleiben! – war also kein Einzelfall.

    Jetzt wurden sogar bereits bezahlte Waren weggenommen. Was ist das? Wegelagerei? Jedenfalls nichts, was man unter Freunden tut! Die Berliner Polizei ist für die Aufrechterhaltung der Ordnung unerlässlich und muss oft die Drecksarbeit tun. Ihr 200.000 Atemmasken zu klauen, ist ein Unding, ein No-Go, ein „Mir fehlen die Worte“!

    Da hilft es auch nichts, dass es in dem Artikel weiter heißt: „Berlin steht mit dem Maskenverlust nicht allein da“. Ja, toll. „Jüngst hatten etwa französische Politiker (aha, also auch andere!!) den USA vorgeworfen, für Frankreich bestimmte Lieferungen von Schutzmasken in China aufzukaufen.“ Kaufen, na gut. Hamstern, ähem. Aber BEZAHLTE WARE einfach AN SICH NEHMEN? Pfui! Das ist mehr als Diebstahl, oder? Sollen das die Juristen klären. Erhält Berlin wenigstens sein Geld zurück? Und woher nehmen die Polizisten jetzt ihre Masken? woher nehmen, wenn nicht stehlen? Gibt’s doch gar nicht!

    Gut, dass wir jetzt wenigstens wissen, wie man sich behelfsmäßig etwas zusammenschustern kann!

  2. Ich habe den Aushang in der Apotheke auch gesehen. Eigentlich komme ich jeden Tag da vorbei. Heute, am 21.4.2020, habe ich bemerkt, dass er entfernt worden war.

    Es hat also nach Veröffentlichung des Artikels noch fast 3 Wochen gedauert, bis der Mangel an den 4 notwendigen Dingen beseitigt war und wahrscheinlich hing das Papier ja auch schon ein paar Tage im Schaufenster/ in der Tür, bevor das Bild entstand.