Null Bock auf Migranten? – Zum Film „Waren einmal Revoluzzer“ von Johanna Moder

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Szene aus dem Film "Waren einmal Revoluzzer". © jip film & verleih GbR

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eine Wohnsiedlung. Einfamilienhäuser. Ein kleiner Teich. Ein kleines Diktiergerät. Eine Frau. Eine Ex-Revoluzzerin im richterlichen Einsatz, also beim Geld verdienen. Dann die Überraschungsfete daheim. Für Helene zum 40. Mit dem eigenen Mann, den eigenen Kindern, dem eigenen Ex-Freund Volker.

Nennen wir das Ganz schlicht aktuelles kleinbürgerliches Milieu.

Szene aus dem Film „Waren einmal Revoluzzer“. © jip film & verleih GbR

Volker soll bei einem Dienstausflug ein Päckchen mit Moneten nach Moskau zu Pavel, Helenes Ex-Liebhaber, mitnehmen. Doch nach durchzechter Nacht in einer Arbeitersiedlung mit Moskowitern will der Volker den Pavel nach Wien mitnehmen. So sind sie, die Hirngespinste von Psycho-Therapeuten. Ansonsten scheint nach Fehlern, Flops und Fatalem vor allem immer und überall „Verdrängen“ zu gelten.

Szene aus dem Film „Waren einmal Revoluzzer“. © jip film & verleih GbR

Dazu heißt es in den Weiten des Weltnetzes: „Nach dem Hilferuf eines russischen Freundes aus Studentenzeiten ergreifen zwei befreundete Wiener Paare, moderne urbane Enddreißiger, kurzentschlossen die verlockende Chance zu helfen: Endlich einmal nicht nur reden, sondern wirklich was tun. Doch was die Wiener als Abenteuer begreifen, bedroht rasch das Gefüge der alten Freundschaft und der Beziehungen zueinander. Vor allem weil Hilfe sehr unterschiedlich definiert werden kann, und auch, weil sich die Hilfsbedürftigen anders verhalten als die Helfenden das gerne hätten.“

Szene aus dem Film „Waren einmal Revoluzzer“. © jip film & verleih GbR

Allerdings kommt Pavel unter Vorspielung falscher Tatsachen mit Kind und Kegel. Eugenia wird als „Regimekritiker“ geführt, nicht als Grenzstürmerin und Geldgräberin. Und Pavel wird nur als lieber Papa, der alle umarmt, gezeigt.

Als bei Helene der erste russische Abend mit Wodka und kalten Platten, also verschmierten Schallplatten, steigt, wird die russische Bagage ausquartiert zu Volker. Der hält’s auch nicht lange aus. Seine Wiener Stadtwohnung sei schließlich kein Hotel. Er schieb die Migranten aus Moskau zu Jacob, Helenes Mann, der als Musiker auf dem Land an einem Album werkelt, ab. Wohl wahr, weder Helene noch Volker haben Bock auf diese Migranten.

Szene aus dem Film „Waren einmal Revoluzzer“. © jip film & verleih GbR

Bei russischer Musik bricht das Eis auch nicht in der Provinz, aber Beziehungen zerbrechen und zwar schneller als man denkt. Die sechs ohne Sex geht halt auch nicht.

Szene aus dem Film „Waren einmal Revoluzzer“. © jip film & verleih GbR

Irgendwann fliegt auch Wellensittich Piepsi weg. Am Ende des Dramas muß Pavel weg mit Kind und Kegel. Revolution und Pension passen irgendwie nicht auf Dauer angenehm genug zusammen. Alle Häuser sind bereits besetzt und also bewohnt, auch die Häuser der Revoluzzer und Lampenputzer.

Und die Moral von der geistreichen Geschichte, die in einer Mittelschicht, die sich moralisch gibt, aber von Tuten und Blasen keine Ahnung hat? „Wie man revoluzzt und anbei noch Lampen putzt…“ Nebenbei bemerkt, Lampen gehen entzwei, nicht nur Beziehungen.

Szene aus dem Film „Waren einmal Revoluzzer“. © jip film & verleih GbR

Filmographische Angaben

  • Originaltitel: Waren einmal Revoluzzer
  • Staat: Österreich
  • Jahr: 2019
  • Regie: Johanna Moder
  • Buch: Johanna Moder
  • Drehbuchmitarbeit: Marcel Mohab, Manuel Rubey
  • Kamera: Robert Oberrainer
  • Szenenbild: Martin Reitr und Johanna Hierzegger
  • Schnitt: Karin Hammer
  • Tongestaltung: Claus BEnischke-Lang, Nils Kirchhoff, Manuel Meichsner
  • Darsteller: Julia Jentsch (Helene), Manuel Rubey (Jakob), Aenne Schwarz (Tina), Marcel Mohab (Volker), Lena Tronina (Eugenia), Tambet Tuisk (Pavel)
  • Produzenten: Oliver Neumann, Sabine Moser
  • Laufzeit: 104 Minuten

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