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„Wer Angst vor gelben Briefen?“ „Und wenn sie kommen? Dann laufen wir!“ Der Film von Ilker Çatak gewinnt ‘26 nicht nur den Goldenen Bären, sondern kommt bald auch noch ins Kino!

Der Regisseur, Ilker Catak (Ilker Çatak), Hauptdarstellerin Özgü Namal, und Hauptdarsteller Herr Tansu Biçer (in GELBE BRIEFE in der Rolle des "Aziz") auf dem Roten Teppich vor dem Berlinale-Palast (Theater am Potsdamer Platz) nach der Vergabe des Hauptpreises der Internationalen Filmfestspiele Berlin, Frau Özgü Namal hält den Goldenen Bären gut sichtbar vor ihrem weißen Kleid.
Regisseur Ilker Catak (Ilker Çatak), Hauptdarstellerin Özgü Namal, und HauptdarstellerTansu Biçer (in GELBE BRIEFE "Aziz") auf dem Roten Teppich vor dem Berlinale-Palast nach der Vergabe des Hauptpreises der Internationalen Filmfestspiele Berlin, Frau Özgü Namal hält den Goldenen Bären gut sichtbar vor ihrem weißen Kleid. Photo/ BU: COPYRIGHT 2026 BY Andreas Hagemoser, Aufnahmeort: Berlin, -datum 21.2.'26


Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Sie haben die Berlinale ‘26 verpasst? Macht nichts! Zumindest, wenn Sie sich, wie viele, nur für den Wettbewerb interessieren. Und da nur für den Gewinner des Goldenen Bären. Denn der blieb in Berlin. Der Berliner Ilker Çatak gewann mit “Gelbe Briefe” mit Frau Özgü Namal und Tansu Biçer die Haupttrophäe. Der Film, der jetzt mit “Goldener Bär” vermarktet werden kann, kommt am 5.3. bundesweit ins Kino. Das ist in weniger als zwei Wochen. Der BR meldete nach der Preisverleihung: „Damit hat erstmals seit mehr als 20 Jahren der Film eines deutschen Regisseurs die wichtigste Auszeichnung des Filmfestivals erhalten. Zuletzt hatte „Gegen die Wand“ von Fatih Akin im Jahr 2004 den Goldenen Bären gewonnen.“ Vor 22 Jahren.


Allerdings zählen viele die „Berlinale 2021“, die nicht stattfand, sondern irgendwie online im Netz lief und die Berlinale 2022, die nur unter strengsten Impf- und täglichen Testbedingungen mit Masken und Abstandsregeln sowie mit digitalen Hürden mit Ach und Krach und ohne Freude übers Knie gebrochen wurde, gar nicht mit. Dementsprechend wäre die Berlinale ‘26 die 74. Berlinale, und nicht die 76. Der Abstand zum vorigen Gewinn eines Goldenen Bären für einen Langfilm durch einen Regisseur aus der Bundesrepublik Deutschland betrüge also zwar 22 Jahre, aber nur 20 Berliner Internationale Filmfestspiele. Es wird länger dauern, falls es überhaupt noch einmal dazu kommen wird, bis ein deutscher Regisseur mit einem deutschen Vornamen die Auszeichnung erhalten wird. Das ist aber nicht wichtig, sondern nur eine Feststellung. Eine Feststellung, die sich beim Lesen der Meldung der Kollegen des Bayerischen Rundfunks vom 21.2.‘26 aufdrängte. Denn viel mehr Wirbel machte die „politische Berlinale“.


Wie „politisch“ hätten Sie’s denn gern?


Einerseits sind die Internationalen Filmfestspiele Berlin schon fast „traditionell“ ein „politisches Festival“. Das heißt, das Renommée der Veranstaltung wurde genutzt, um Themen zu setzen, eine Sprache und ein Wording zu benutzen, die mit dem bundesdeutschen Mainstream mindestens Hand in Hand geht sowie Werbung für Demokratie, Gleichberechtigung und den Respekt vor gesellschaftlichen Minderheiten zu machen.

Die bayerischen Kollegen von „BR24 Kultur“ verwiesen auch auf „die Reden des erneut politisch aufgeladenen Festivals“.


Andererseits war es einigen wenigen, die sich dafür aber sehr lautstark in den Vordergrund drängten, nicht politisch genug. Sie meinten, die Berlinale müsse ihre Forderungen durchsetzen, die sie in ihrer asiatischen Heimat nicht durchsetzen konnten.

Präsident Wim Wenders betonte, dass die Berliner Filmfestspiele eine Kulturveranstaltung seien, womit er zweifellos recht hat.

Als Jury-Präsident wählte er aber einen Film mit aus, der auch politisch ist und Fragen nach Selbstverrat, Verrat an den eigenen Idealen bei hohem politischen und wirtschaftlichen Druck und dem Funktionieren von Demokratie und Rechtsstaat stellt.


Filmographie „Gelbe Briefe“ von Ilker Çatak


Regie: İlker Çatak

Drehbuch: İlker Çatak, Ayda Meryem Çatak, Enis Köstepen

Darsteller: Frau Özgü Namal, Herr Tansu Biçer, Leyla Smyrna Cabas, İpek Bilgin, Aydin Işik und andere

Produktion: Ingo Fließ (Fliess, nach den Initialen if… Productions) mit Haut et Court (Paris) und Liman Fil (Istanbul) mit arte/ZDF.

In Crew und Cast finden sich viele alte Bekannte aus dem Film „Das Lehrerzimmer“ der Berlinale ’23. Crew sind die Mitarbeiter hinter der Kamera, Cast die im Film Sichtbaren. (Vergleiche das Wort ‚Outcast‘).


Herr Biçer, der die männliche Hauptrolle spielt, ist Jahrgang 1948 und „Born on the 4th of July“, also am (US-amerikanischen) Unabhängigkeitstag geboren worden (Wortspiel mit dem Titel eines Ron-Kovic-Films aus dem Jahr 1976). Er ist wie die Hauptdarstellerin, Frau Namal, in der Türkei wirklich eine große Nummer



Übrigens unverständlich, warum in der bekanntesten Onlineenzyklopädie auf deutsch kein Artikel über ihn existiert. Es gibt nur einen arabischen, einen englischsprachigen und natürlich einen türkischen. Und dass, obwohl er in fünf Kurzfilmen mitspielte, in über dreißig Langfilmen, in denen er vom Frisör über einen Mann im Laden bis zum Postzusteller, wie Tommy Lee Jones in „Men in Black II“ schon viele Rollen mimte, auch einen Vater, wie jetzt in „Gelbe Briefe. („Gelbe Briefe heißen auf englisch „Yellow Letters“, m Original bzw. auf türkisch „Sarı Zarflar“.) Auch in vielen Serien spielte er mit, u.a. fürs Fernsehen.


Von Ankara nach Istanbul – wie im Film, so im Leben


Biçer wurde in Ankara geboren, besuchte und absolvierte im westlichen Izmir an der Ägäis die Karşıyaka Şemikler High School und zog 2002 nach Istanbul. Obwohl er nicht das Drehbuch schrieb, ist das genau die Reihenfolge der Film locations. Denn erst spielt der Streifen in der Hauptstadt – „Berlin als Ankara“ – und dann in einer Stadt, die von einem breiten Wasser im zwei Teile getrennt wird. „Hamburg als Istanbul“. Zwar fließt in Hamburg die Elbe und der asiatische Teil des heutigen Istanbuls trennt kein Fluss von Europa, sondern der Bosporus. Der fließt zwar auch, in der Tiefe das kalte Wasser aus dem Schwarzen Meer in ein anderes Teilmeer des Mittelmeers, das Marmarameer, und an der Oberfläche das warme Wasser aus dem Süden des Mittelmeers zurück ins Schwarze Meer.

Aber der Bosporus ist kein Fluss, sondern eine Meerenge, Aber wenn im Film der Hauptdarsteller in Begleitung mit der Fähre über die Elbe gleitet, und das nicht nur einmal, dann kommt ein Istanbulgefühl auf. Denn trotz vieler moderner, riesiger Brücken über das trennende Nass, das Byzanz und Ostrom so lange, nämlich bis ins 15. Jahrhundert vor Eroberung schützte (durch nichtchristliche Völker), ist das Übeersetzen mit der Fähre Alltag für Zigtausende, Hunderttausende Istanbuler.

So wie es für Kenntnisse über Russland wichtig ist, den Unterschied zwischen dem Macht-, Handels- und Wirtschaftszentrum Moskau und der Kultur-, Wissenschafts- und Kunstmetropole St. Petersburg zu kennen, so ist es für die drei größten Städte der Türkei wichtig, sie einordnen zu können.


Die großen drei


Izmir, wo Tansu Biçer zur Schule ging, ist die drittgrößte türkische Millionenmetropole und nicht nur geograpisch am westlichsten. Biçers Geburtsort Ankara liegt in Anatolien mittig und ist die Hauptstadt der modernen Türkei. Seit den 20er Jahren. Also erst ein Jahrhundert etwa. Die einwohnerreichste Stadt ist immer die gewesen, die auf zwei Kontinenten liegt und Eurasien verbindet. Im Süden Anatolien und also Kleinasien (Asia minor), im Norden Europa. Die Stadt hieß Konstantinopel, Byzanz, Stambul oder Istanbul. Sie scheint liberaler als Ankara und der Bürgermeister ist ein wichtiger Mann, vielleicht vergleichbar mit dem New Yorker Bürgermeister. (Auch im Fußball spiegelt sich die Bedeutung.)


Spoileralarm (weiterlesen enthüllt Inhalt!):

Nach politischen Äußerungen werden die gefeierte Schauspielerin und der Universitätsdozent und Stückeschreiber, ihr Ehemann Aziz (gespielt von Tansu Biçer), unter Druck gesetzt. Sie erhalten Gelbe Briefe. Sie wissen noch nicht einmal, ob die vom Bildungs- oder Innenministerium kommen. Da sie standhaft bleiben, verlieren sie ihre Arbeit und dann auch ihre Wohnung. Sie ziehen mit der gemeinsamen Tochter zu seiner Mutter, ihrer Schwiegermutter. Eine Privatschule können sie nicht bezahlen. Es gibt Streit, und zermürbendes Warten auf nicht nur einen Gerichtsprozeß.


Im Film „Gelbe Briefe“ geht es von Ankara nach Istanbul, im Leben des Hauptdarstellers auch.

Auf geht’s zum Goldenen Bären-Film von Ilker Çatak!

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