Aufbegehren, Revolte, Punkrock – Eine Stimme für die Stimmlosen: „Rock against Racism“ – Wenn Musik die Welt verändert

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Szene aus dem Dokumentalfilm "White Riot". © Ray Stevenson

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In ihrem Dokumentarfilm „White Riot“ verleiht Rubika Sha den Stimmlosen eine Stimme und erinnert an die 1970er Jahre in England, wo in einer rigiden politischen Atmosphäre, aus einer kleinen Gruppe von Aktivisten eine große Bewegung erwächst – und das mit der Stoßkraft von Rock- und Punkmusik. „White Riot“ erinnert an die musikalische Revolte gegenüber Rassismus, die neofaschistische National Front Partei und schlägt eine Brücke zur aktuellen politischen Situation.

Die Dokumentation „White Riot“ von Rubika Sha, die auf der 70. Berlinale in der Sektion Generation 14+ gezeigt wird, setzt sich aus Schnipseln von Archivmaterial, Interviews, Collagen, Einspielungen aus Magazinen und originellen Animationen zusammen. Rasante Schnitte, im schnellen Wechsel, Einblicke in Konzerte, Straßendemonstrationen, Interviews, Zeitschriftenausschnitte und dokumentarische Fotoaufnahmen, spiegeln die Kraft der explosivem Aufbruchsstimmung der Zeit wieder.
Bands wie The Clash, über Sham 69, Steel Pulse oder Poly Styrene bis hin zu Tom Robinson mischen das erzkonservative England der 1970er Jahre und einer erstarkten neofaschistischer National Front Partei auf. Es entwickelt sich eine revolutionäre Bewegung für Toleranz und Gerechtigkeit.

Der Angel Punkt ist der Musikphotograf Red Saunders, der die Initialzündung zu der Bewegung „Rock against Racism“ gibt. Aufgebracht über eine rassistische Äußerung von Eric Clapton schreibt er einen Brief an die Musikpresse, indem er nach Rock als Kraft gegen den Rassismus ruft.

„What is going on in our country?“, schreit Saunders auf, nachdem die neofaschistische Partei National Front immer mehr erstarkt, Zulauf bekommt und sich rassistische Gewalt im Land ausbreitet.
England ist tief gespalten. Ausländische Menschen sind nicht mehr sicher auf den Straßen. Eine rigide Atmosphäre hat sich über das Land gelegt. Angefeuert durch Politiker wie Enoch Powell, die radikale ausländerfeindliche Kampagnen provozieren. „Die National Front ist kein Problem, das du einfach ignorieren kannst und dann ist es weg. Weil es nun einmal ein Problem ist, das wächst und wächst wie Krebs, wenn du es nicht beachtest.“

In dieser Atmosphäre wird der Brief von Red Saunders in mehreren Zeitungen veröffentlicht, die Resonanz ist überwältigend. Saunders gründet zusammen mit Gleichgesinnten ein Fanzine: Temporary Hoarding und die Bewegung Rock Against Racism. (RAR) wird ins Leben gerufen. Mehrere Bands kollaborieren, die junge Generation wird aktiviert. Das Magazin Temporary Hoarding berichtet über Themen, die die Mainstreampresse komplett ignoriert, wie Immigration, Polizeigewalt oder die Katholische Seite von dem Nord Irland Konflikt.
Die Nationale Front schießt mit aller Gewalt dagegen, RAR Unterstützer werden angegriffen und das Hauptquartier mit Petrolbomben attackiert.
Trotz dieser aufgewühlten Stimmung wächst die antirassistische Jugendbewegung immer mehr. Bands wie The Clash springen an Board und werden ein Sprachrohr für eine ganze Generation, die sich für Gerechtigkeit, Ausländerrechte und Toleranz einsetzt.

In einem fulminanten Rockkonzert im Viktoria Park 1978 in London hat die Bewegung einen Höhepunkt und setzt ein starkes Zeichen gegen Rassismus.

„White Riot“, dessen Titel der ersten veröffentlichten Single von The Clash entstammt, zeigt den Moment in der Zeitgeschichte als eine ganze Generation den Status Quo in Frage stellt. Die Bewegung wird so stark, dass die National Front 1979 politisch geschlagen ist. Punk übte dabei einen prägenden Einfluss aus.

Der Dokumentarfilm „White Riot“ erinnert an das Aufbegehren der Zeit und vermittelt in gut zusammengefügten und überzeugend geschnittenem Archivmaterial und Interviewausschnitten, ein explosives Zeugnis der Revolte – oft unterlegt mit der Musik der verschiedenen Punk- und Rockbands.
Der Film ruft ins Bewusstsein, welchen Einfluss Bewegungen aus der Subkultur in Verbindungen mit der Kraft der Musik und aufbegehrenden, engagierten Menschen haben kann.

Red Saunders dazu: „The lesson from Rock Against Racism is, that we can all intervene, make a difference and change things: nothing is inevitable.“

Ein Zeichen, das gerade heute, – angesichts der derzeitigen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen – aktueller denn je wäre.

Filmographische Angaben

  • Originaltitel: Rock Against Racism
  • Originalsprache: Englisch
  • Art: Dokumentarfilm
  • Staat: Vereinigtes Königreich
  • Jahr: 2019
  • Regie:Rubika Shah
  • Drehbuch: Rubika Shah, Edward Gibbs
  • Produzent: Edward Gibbs
  • Dauer: eine Stunde, 20 Minuten

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