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Matthäuspassion von J.S. Bach am Karfreitag im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie – Figuralchor

Ein Blick auf den Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie. © Münzenberg Medien, Foto/BU: Stefan Pribnow, Aufnahme: Berlin, 14.8.2022

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Mit der Überschrift ist für Kenner fast alles gesagt: Die Matthäuspassion von J.S. Bach wird am Karfreitag im Kammermusiksaal der Philharmonie gegeben – vom wunderbaren Berliner Figuralchor. Das Was des Konzerts wäre geklärt und das Wo, gibt es doch sogar eine Bushaltestelle „Philharmonie“ der 200er BVG-Buslinie in der deutschen Hauptstadt Berlin. Direkt vor dem Kammermusiksaal, der „kleinen Schwester“ der großen Philharmonie, die kriegs- und teilungsbedingt in den 60er Jahren gebaut werden musste. Hans Scharouns Kammermusiksaal wurde zu seinen Lebzeiten ebensowenig fertig wie das Kulturforum, aber große Teile davon. Das lag am Geld. Das wann geht noch etwas genauer: Im April am 3. um 3. Das Was geht auch genauer: Bach-Werke-Verzeichnis (BWV) Nr. 244.

Nach Scharoun wurde wenigstens die Straße zwischen (neuer) Potsdamer und Eingang zum Kunstgewerbemuseum, wo das Lüneburger Ratssilber steht, benannt. Umbenannt. In den 80ern, als der Grundstein zum Kammermusiksaal gelegt wurde, hieß sie noch Margaretenstraße. Die Bushaltestelle des 48ers auch.

Was ist eine Matthäuspassion?

Es geht um die Leidensgeschichte Christi. Gott, der Vater wirkte durch Jesus, der am Kreuz starb. An einem Freitag. Am Kreuz. Deswegen und weil Himmel und Erde sich kreuzen am Horizont tragen viele Christen eines am Hals. Andere meinen, damit hätten sie sich etwas aufgehalst. Das diskutieren wir hier nicht. Es geht um die Musik, die leidenschaftlich vorgetragen wird vom Berliner Figuralchor.

Trotzdem muss man wissen, warum Passion – und warum Matthäus? Es gibt ja auch eine Passionsfrucht, die im Namen der Globalisierung jetzt meist Maracuja genannt wird. Eine Passion für Musik ist eine Leidenschaft. Leidenschaft ist das, was Leiden schafft. Die Passion ist aber auch die Leidensgeschichte. Eine Geschichte. Die des Leidens Jesu. Wenn wir hier schreiben, das Konzert wäre am 3.4.’26 um 3, dann meinen wir 2026. Das ist die Anzahl Jahre ’n.Chr.‘, also nach Christi Geburt. Er starb erst später und das ist wohl noch keine 2000 Jahre her, auch keine 1999. Andere Kalender rechnen anders. In der Republik China, die auf das Kaiserreich der Mitte folgte, wird innerhalb der Dynastie gerechnet (zurzeit auf der Insel Formosa (Taiwan)). Dynastie X, 2. Jahr oder Dynastie Y, 44. Jahr. Die Moslems machen, was sie wollen und haben „natürlich“ einen anderen Kalender. Weltweit kommt man mit der Zeitangabe 3.4.2026 aber gut durch.

Und warum Matthäus?

Hat Lothar Matthäus soviel Einfluss? Auch in einem Jahr mit Herrenfußballweltmeisterschaft nicht. Außerdem zeigt die Liste der Vertonungen, die unten aufgeführt ist, dass das zeitlich nicht hinhaut. Wenn die Uppsala-Passion, die 1667 in Lüneburg entstand, auch nicht die älteste ist, aber sie zeigt, dass Lothar M. für das 17. Jahrhundert ein Alibi hat.

Was also haben Lothar Matthäus und die Matthäuspassion gemeinsam? Viele werden nach einem Apostel (altgriechisch: Gesandter, Sendbote) benannt. Die zwölf Apostel sind ja Bartholomäus, Jakobus der Jüngere, Andreas, Judas, Petrus, Johannes, Thomas, Jakobus d. Ältere, Philippus, Matthäus, Thaddäus und Simon Zelotes. Hier mal in der Reihenfolge aufgezählt, wie Leonardo (nicht di Caprio, Da Vinci) sie sah, beim Abendmahl in Mailand. Ja, Herrgott, in Mailand, aber kein Abendessen des AC Milan. Und nein, das letzte Abendmahl fand nicht in Mailand statt. So, das hätten wir jetzt auch geklärt. (Aber: Lothar Matthäus ging, als der Kammermusiksaal gebaut wurde, zu Inter Mailand. Also doch!? Lothar Matthäus wurde Europameister und auch Weltmeister – in Italien! Und Weltmeister, ist das Jesus Christus nicht irgendwie auch?!)

Lothars Familie ist nach einem der 12 Apostel benannt und er selbst hatte auch eine Leidensgeschichte, na klar. Aber eben auch seine großen Momente. Bei Jesus hat es auch nicht immer geklappt, ben Jeschua hieß er wohl auch, er war Jude und wurde Christus. Am Karfreitag regnet es meist, der Himmel weint, weil Jesus starb. Am Ostersonntag ist die Karwoche vorbei. Da lief’s dann schon viel besser für Jesus Christus. Irgendjemand hat den Stein vor dem Grab weggerollt – war das nicht Jesus selbst? Oder hieß er da schon Christus?

Das große Rätsel: Wer hat das Evangelium geschrieben?

Jedenfalls gibt es im Evangelium nach Matthäus die Leidensgeschichte Jesu von Nazaret(h). In Kapitel 26 und 27. Ist also dieses und nächstes Jahr ganz aktuell.

Das Evangelium nach Matthäus ist im Neuen Testament der Bibel das 1. der vier Evangelien. Unterschrieben hat der Autor allerdings nicht. Entweder war er nicht eitel oder er war’s vielleicht auch gar nicht.

Könnte vielleicht der Lothar …? Nein, das haut ja zeitlich auch wieder nicht hin.

Vertonungen der Matthäuspassion in Aufzählung

Bäche sind auch dabei. Die unten stehende Aufzählung machte Wikipedia möglich. Da fehlt nur Sandström 2014. Wie man unten sehen kann, gibt es in der Online-Enzyklopädie eigene Lexikoneinträge zur Matthäuspassion von Carl Philipp Emanuel und Johann Sebastian Bach. Beide sind u.a. nach Aposteln getauft, wie man leicht an der Apostelliste oben überprüfen kann.

Kurios, das Johann Sebastiani Ende des 17. Jahrhunderts eine Matthäuspassion komponierte, ein halbes Jahrhundert später Johann Sebastian B. wie Barock.

Und Heinrich Schütz steht auch in der Liste! Henrich oder Henricus Sagittarius. Er war Waage, nicht Schütze. Und da war doch was? Richtig! Heinrich Schütz komponierte die Psalmen Davids und der Figuralchor führte die fulminant und fantastisch im Januar auf! Hier gleich nochmal der Link zu dem Artikel. Da steht auch drin, wie man sonst beim Chor Karten bestellen kann, fernmündlich und so.

Wildwestfans hören wohl am liebsten die Lasso-Version.

„Unter anderem haben folgende Komponisten die Leidensgeschichte Jesu nach Matthäus zum Gegenstand von Passionsmusiken gemacht:

Fazit

Es ist eigentlich egal, ob Sie das Obenstehende wissen oder nicht. Bachs Musik – die des Johann Sebastian Bach – ist so grandios, dass schon jemand sagte, er solle nicht Bach, sondern Strom heißen. Mit solcher Macht flösse da die Energie.

Faszinierend finden wir auch, dass sich der Name „BACH“ in den Noten b,a,c,h spielen lässt, die obendrein alle benachbart sind. Das kriegen nicht viele Namen hin. Da Vinci zum Beispiel nicht, Nikola Tesla nicht, Giordano Bruno (1548-1600) auch nicht. Schon des i-Punkts wegen.

Bach zu hören, kann verwandeln. Wenn die Matthäuspassion nicht so beliebt wäre, müssten wir hier noch viel mehr Werbung machen. Doch ist das Konzert schon fast ausverkauft. Also hurtig zum Endspurt auf in den Kammermusiksaal, es lohnt sich, oder, wenn man am Nachmittag an der Abendkasse keine Karte mehr kriegt (heißt die dann Nachmittagskasse?), geht man eben im Tiergarten spazieren oder in die Große Philharmonie. Lohnt sich auch immer. Aus der Ferne Anreisende können vom Regionalbahnhof Potsdamer Platz zu Fuß gehen.

Für Leute, die vor einem Film immer einen Trailer gucken wollen und vor einem Konzert ein Hörprobe hören wollen: diese finden auf der Website des Chors, der übrigens auch sinnvoll angelegte Spenden annimmt, eine Hörprobe auch Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion.

Man sucht einfach auf der Website mit Strg + F (Steuerung und F wie Finden) die Zahl 244. BWV 244 ist die Matthäuspassion. Der erste Treffer ist die Konzertankündigung, der zweite die Hörprobe. Raufklicken, anhören, fertig. „Kommt ihr Töchter, helft mir klagen“.

Zuhören. Hingehen. Spenden.

Einfach hingehen.

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