Alice. Everyone says I love You. THE BOY. Winona eröffnet Hellas Filmbox

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Der Kuss von The Boy. Er singt bei der Eröffnung der Hellas Filmbox, ist Regisseur und Singer-Songwriter in einem. Auf der Leinwand die deutsche Übersetzung des griechischen Textes. © 2020, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Winona“ ist der jüngste Film von The BOY, der auf dem Filmfestival Hellas-Filmbox gezeigt wird, aber nicht der erste. Vor zwei Jahren bei der dritten Ausgabe des Filmfests in Urban Spree, zu dem Zeitpunkt noch unter anderer Leitung, war „Fred“ zu sehen.

„Winona“ ist etwas besonderes. Kein Film, den man unbedingt gesehen haben muss. Aber einer, der einem empfohlen wurde, und einer, der definitiv nicht das fortsetzt, was man am Anfang vermutet. Dabei geht es nicht um den üblichen „Twist“ in einem Film, die Wendung, die für Überraschung sorgen soll und Langeweile verhindern. So wird es an den Filmhochschulen gelehrt. Doch gerade diese „Twists“, diese Wendungen, können einen Film manchmal langweilig machen, vorhersehbar; und die Wendung passt auch nicht immer zum Drehbuch oder ganzen Film. Sie wird auch mal übers Knie gebrochen, „weil da ja eine Wendung hinein muss“.

„Winona“ ist anders. Ein (sehr) persönlicher Film, wie The Boy am Mittwoch mündlich mitteilte.

The Boy schreibt Songtexte, Liedtexte, und trägt sie auch selbst am Keyboard vor. Er ist also nicht nur Regisseur, sondern auch Singer-Songwriter und Musiker.

Um andere Bereiche macht er sich auch Gedanken. Zum Beispiel ist er der Meinung, dass alle das Recht hätten, auf ihre Weise zu trauern.-

Der Film ist „scripted“, das heißt, die Schauspieler richten sich in den Dialogen nach dem Drehbuch. Dennoch scheint eine gewisse Freiheit und Leichtigkeit im Spiel erkennbar.

Der Film feierte seine Premiere am ersten Abend auf dem Filmfestival Hellas-Filmbox am Mittwch, den 15. Januar 2020.

Spoiler – Wer „Winona“ von The Boy sehen möchte, ohne zu wissen, worum es geht, bitte hier nicht weiterlesen

Am Anfang scheint es, dass vier Mädchen, junge Frauen, Freundinnen oder Geschwister, einen entspannten Tag am Strand verbringen möchten. Der Badestrand der Bucht ist menschenleer; sie kennen ihn von früheren besuchen. Von einer Fähre ist die Rede, die man auf dem Rückweg bekommen müsse. Landeinwärts sieht man ein alleinstehendes Haus am Hang, das kubisch über vier Etagen gebaut ist. Die Frauen stellen Vermutungen an, wer dort wohne – eine finnische Wissenschaftlerin? – und dass man beobachtet würde.

Ebenso von einem britischen Geländewagen aus, der stundenlang zwischen den prachtvoll blühenden Büschen am landseitigen Rande des Sandstrands steht. Die zwei Männer hinter der Windschutzscheibe unterhalten sich und steigen nie aus.

Irgendwann gehen die vier baden, nachdem sie vorher noch eine Art „erotisches Fotoshooting“ veranstaltet haben, das unter ihnen und im Publikum Erheiterung auslöst. Man döst, liest Zeitschriften oder blättert in Illustrierten, ein Hund ist dabei. Der Hund ist wichtig. Mit ihm kuschelt man gern, schläft dann ein.

Beim Baden, das erst fröhlich vonstatten geht, werden plötzlich Tränen vergossen. Die Zuschauer wissen nicht warum. Ist jemand auf einen Seestern getreten, hat sich sonstwie verletzt? Ein Streit war nicht zu sehen – was ist geschehen?

Anders als so, wie es gedacht ist, ist es kaum zu verstehen, dieser plötzliche Sinneswandel, als die Situation kippt.

Auch die Unterwasserszene, als in Schnorchelhöhe bzw. direkt unter der Wasseroberfläche des klaren, lichtdurchfluteten Wassers eine Frau, ein Mädchen taucht, an den Freundinnen/ Verwandten vorbei, die jeweils zu zweit Spalier stehen. Woher kommt das fünfte Mädchen? Wir sind auf einer Insel, aus dem SUV ist niemand ausgestiegen.

Es waren fünf

Es ist die Tote, die erinnert wird. In den vier weiblichen Wesen ist die Erinnerung an sie noch stark. Kinder sollen nach dem Eltern sterben, sagt man. Doch auch für Gleichaltrige ist das Sterben eines sehr jungen Menschen besonders hart.

Diese Auflösung des Rätsels, auf die auch erfahrene Filmkritiker, mit denen wir sprachen, nicht kamen, war nicht selbstverständlich.

Ebenfalls nicht leicht verständlich ist eine Szene, in dem die vier alle Woody-Allen-Filme chronologisch aufzählen und ausrufen. Alice. Everyone says I love You.

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https://kulturexpresso.de/soundtracks-von-melentini-zutage-gefoerdert-durch-die-hellas-filmbox/

www.hellasfilmbox.de/programm-2020/

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