Nacht der Solidarität, Macht der Solidarität, nach der Soli. 1 Zählung

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Organisiert hatte die "Nacht der Solidarität" der Senator für Integration und Soziales. Sitz ist in der Oranienstraße. Hausbesetzer verteilten als Trittbrettfahrer diesen Flyer, der vom Zählen abrät. © 2020, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Nacht der Solidarität heißt die Veranstaltung „offiziell“. Da es um einen guten Zweck geht, gibt es viele Unterstützer. Freiwillige, Privatpersonen, der Chor Different Voices of Berlin unter der Leitung der Jazzgröße Jocelyn B. Smith aus New York, sogar die Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linken), die mit dem Regierenden und weiteren Sprechern gegen 18.30 Uhr am Mittwoch abend eine Pressekonferenz geben wird. Die Berliner Bahnhofsmission eröffnet bald am beziehungsweise im Bahnhof Zoo einen neuen Bereich. Der erste Auftakt mit Angehörigen des Senats, der Landesregierung, und eben Sängern und Sängerinnen. Im Chor Different Voices of Berlin sangen auch schon einmal Obdachlose. Es ist ein integratives Chorprojekt, das eigene Lieder verfasst. Eines davon, „Wenn Du wegschaust“, wurde am 29. Januar 2020 am Abend der Nacht der Solidarität zum besten gegeben.

Verschiedenste Ursachen

Obdachlosigkeit ist immer noch ein Thema, hat mannigfaltige Ursachen und ist im Winter ein Riesenproblem, da es immer wieder vorkommt, dass Menschen erfrieren. Davon, alle Berliner und Dauergäste dauerhaft mit Wohnraum zu versorgen, ist man weit entfernt. Anderen Städten geht es nicht anders und auch auf der Urlaubsinsel Mallorca gibt es nicht nur leerstehende Fincas, sondern auch Menschen ohne Dach über dem Kopf.

Auf der Straße

Dabei wird immer wieder etwas dagegen unternommen. Das Theaterstück „Auf der Straße“, Eröffnungsstück 2018 im „kleinen Haus“ des Berliner Ensembles (BE), thematisiert(e) neben der Armut die Wohnungslosigkeit. Da das soziale Engagement der weltbekannten Theaters sich nicht nur in den Stücken selbst und der Themenauswahl zeigt, gab es bereits im Herbst 2018 mehrere Begleitveranstaltungen, wie ein Konzert und eine Podiumsdiskussion. Theaterregisseurin Karen Breece nahm daran teil, wie Jocelyn B. Smith aus den Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch Barbara John, eine Vertreterin des Theaters am Schiffbauerdamm, ein Staatssekretär von Frau Breitenbach und ein Obdachloser. Letzterer machte den Vorschlag, Housing first in der Hauptstadt anzuwenden, also erst einem Bedürftigen einen Wohnungsschlüssel zu geben und sich dann anschließend um die anderen Probleme zu kümmern. In Finnland funktioniert diese Methode der Problemlösung gut.

Housing first – wie es hätte sein können und wie es war

Der Staatssekretär trug diesen Vorschlag weiter und Frau Breitenbach reagierte prompt: Schon im Oktober desselben Jahres 2018 konnte man in der Zeitung lesen, dass aus Mitteln des Sozialsenats Wohnungen bereitgestellt würden während zweier Jahre. Da trotz stark sprudelnder Steuereinnahmen die Mittel nicht ausreichen, jedem, der nicht selbst Miete oder Eigentum bezahlen kann, sofort oder kurzfristig Wohnraum zur Verfügung zu stellen, sollte wenigstens ein Anfang gemacht werden. Housing first wurde ein Pilotprojekt. Nun schien es zunächst so, als hätte die Senatorin schnell reagieren können. Doch die politische Realität sieht anders aus. Die Mühlen mahlen langsam.

Auf Nachfrage bei Frau Breitenbach erscheint die ganze Sache in einem etwas anderen Licht. 2017 traten „Neue Chance“ und Stadtmission an Frau Breitenbach heran mit dem Ziel, Housing First, ein aus dem Ausland bekanntes Vorgehen in der Stadt umzusetzen. Es gab ein Positionspapier und dann lange nichts. Anschließend ging eine Organisation katholischer Frauen mit einem ähnlichen Ansinnen auf die Senatorin zu. Nichts konnte man sofort umsetzen, aber nach einer Pause wurden es schließlich eingeführt – zufällig kurz nach der Podiumsdiskussion im BE.

Nacht der Solidarität

Live aus der Nacht der Solidarität – veröffentlicht in der „Nacht der Solidarität“. Sogar bedruckte T-Shirts gab es dafür. Doch dazu später mehr. Fortsetzungen sollten und sollen folgen. Übrigens auch der Nacht der Solidarität: alle anderthalb Jahre sollen alternierend im Sommer und im Winter die Wohnungslosen gezählt werden.

Anhänge-Flyer: ViSdP ist angeblich: K.-P. Licht aus Kreuzberg oder 10969 Berlin, Oranienstraße 106. Auch ein Teil der Hauptstadt.

Die Dienstadresse des Senators. Dazu später mehr.

Angekündigt wurde dort eine Mahnwache, eine „Protestmahnwache“ vor dem Roten Rathaus, „Start 29.01., 14 Uhr“. Und eine „Große Demonstration gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“, Start am Potsdamer Platz am 28.3.2020 um 13 Uhr.

https://kulturexpresso.de/haus-sucht-als-kunstwerk-anhaenger-menschenrechte-und-winzige-haeuser/
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