Bonsai schauen beziehungsweise Fotografien von Norbert Schoerner im Museum Angewandte Kunst am Schaumainkai in Mainhattan

10
Ein beachtlicher Bonsai. Quelle: Pixabay, Foto: Peter Kraayvanger, BU: Stefan Pribnow

Frankfurt am Main, Deutschland (Kulturexpresso). In einer mit Doppelpunkten verseuchten Pressemitteilung der Stadt Frankfurt vom 22.3.2022 wird auf das Museum Angewandte Kunst aufmerksam gemacht, in dem vom 14. Mai bis zum 18. September 2022 eine Ausstellung mit dem dummdeutschen Titel „Die Natur der Natur. Fukushima Project“ präsentiert werde, die Fotografien von Norbert Schoerner zeige. Der 1966 geborene Fotograf und Filmemacher, der seit 1998 in London lebt, solle 1992 „erstmals nach Japan“ gereist sein kehre „seitdem regelmäßig zurück; manchmal für mehrere Monate am Stück“.

Anscheinend haben es ihm die Bonsais angetan. Die von Norbert Schoerners fotografierten seien „aus der Aufzucht der Familie Abe, die in der Bergregion Azuma in der Nähe von Fukushima lebt“ heißt es und weiter: „Seit drei Generationen ziehen diese – Meister Kurakichi, sein Sohn Kenichi und sein Enkelsohn Daiki – Bonsai aus Samen. Dabei handelt es sich ausschließlich um Samen von Baumarten, die im Schatten des Vulkanberges Azuma-Kofuji zu finden sind. Für seine Fotografien stieg Schoerner auf den Berg und nahm eine Reihe von Landschaftsbildern auf. Davon ließ er Abzüge so großformatig anfertigen, dass wenn die Bonsais der Familie Abe davor aufgestellt und im richtigen Licht fotografiert wurden, die Miniaturkiefern aussahen wie ausgewachsene Bäume.

Die Tatsache, dass er die Bonsais in konstruierten dioramahaften Umgebungen fotografiert, lässt vermuten, der Künstler würde die Bonsai an ihren Ursprungsort zurückbringen, ihnen ermöglichen, ihr volles Wachstumspotenzial zu erreichen. In diesem visuellen Ereignis vereinen sich unterschiedliche Chronologien: die Herausbildung der Topografie des Azuma-Kofujis über mehrere geologische Epochen hinweg, die zum Teil mehrere Jahrhunderte umspannende Lebensdauer eines Bonsais, die Belichtungszeit einer Fotografie und schließlich das Eigenleben dieses Bildes in der Zukunft. Allerdings ist es angesichts der Auswirkungen des nuklearen Desasters des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi am 11. März 2011 auf die Ökologie der Region unmöglich, diese Werke unabhängig von dieser Katastrophe zu betrachten. Die Besucher:innen der Ausstellung werden unmittelbar mit den zerstörerischen Folgen dieses Ereignisses und den Versuchen der Menschheit, die Natur für ihre eigene Zwecke zu nutzen und zu beherrschen, konfrontiert.“ Aha!

Mit anderen Worten: Schaun mer mal, dann sehn mer scho – vor allem Bonsai.

Anzeige

Vorheriger ArtikelPAF oder antideutsch und atlantisch, totalitaristisch und umvölkerisch sollte es werden, das Programm der dummdeutsch „Performing Arts Festival“ genannten Veranstaltung
Nächster ArtikelSmartphonebasierter Parcours oder „Cyber-Staub“-(Ver-)Führung im Marta in Herford