Charlotte Salomon. Leben? oder Theater?

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Charlotte Salomon. Leben? oder Theater?
Charlotte Salomon. Leben? oder Theater? © Taschen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Sorg gut dafür, es ist mein ganzes Leben!“ Mit diesen Worten soll die Künstlerin Charlotte Salomon (von 1917 bis 1943) einem Freund und Vertrauten 1942 einen Koffer voller Bilder übergeben haben. In ihrer Bildsprache verwandte sie Elemente aus Film und Comic und fügte Musiktitel als Begleitmelodien hinzu, um ihr Leben zu erzählen in der Art eines Theaterstücks mit Akten und Szenen.

Der Bilderzyklus „Leben? oder Theater?“, der zwischen 1940 und 1942 in 18 Monaten zu Papier gebracht wurde umfasst 1325 Gouachen expressionistischen Stils. Etwa 800 Blätter im Format 32,5 × 25 cm hat Charlotte Salomon ausgewählt und nummeriert.

Einige Monate später wurde sie – im Alter von 26 Jahren – und im fünften Monat schwanger in Auschwitz ermordet.

In Berlin-Charlottenburg erinnert seit dem 21. April 2012 ein Stolperstein in der Wielandstraße 15 an die deportierte und ermordete Berlinerin.

„Das Werk, das die in Berlin geborene Malerin Charlotte Salomon hinterließ“, sei „im wahrsten Sinne des Wortes ihr pièce de résistanc“, freuen sich die Macher des Buches mit dem Titel „Leben? oder Theater?“, das Laien und Fachleuten das „Stück, das Widerstand leistet“, gleichermaßen mundgerecht serviert.

Dafür haben die beiden Autorinnen Judith C. E. Belinfante und Evelyn Benesch ihr ganzes Können gegeben. Die Essays stammen aus der Feder von Belinfante und Benesch. Die 1943 im holländischen Vooburg geborene Belinfante, so verrät das Buch, habe Moderne Geschichte an der Universität Amsterdam stdiert und von 1976 bis 1998 als Direktorin das Jüdische Historische Museum in Amsterdam geleitet. Zudem sei sie sozialdemokratische Abgeordnete des Parlaments gewesen und von 2003 bis 2008 leitende Kuratorin der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Amsterdam. Den Vorsitz der Charlotte-Salomon-Stiftung hatte sie von 2002 bis 2017 inne. Benesch ist stellvertretende Direktorin des Bank Austria Kunstforums in Wien. In ihrer langjährigen Tätigkeit als Ausstellungskuratorin habe sie sich mit den verschiedenen Künstlern der klassischen Moderne beschäftigt – von Paul Cézanne bis Henri de Toulouse-Lautrec, von den Futuristen bis zu den Brücke-Malern, mit Pierre Bonnard oder Balthus.

Zum „Malen am Rande des Abgrunds“ heißt es weiter: „Den destruktiven Kräften“ würde Charlotte Salomon „mit subtiler Ironie“ entgegengetreten sein. Sie habe dabei „fantastische Elemente und verspielte Pseudonyme“ eingesetzt. Der Bilderzyklus, von dem im vorliegenden Buch im Taschen-Verlag „die 450 wichtigsten Guachen gezeigt werden“, seien von „schonungsloser Offenheit und bemerkenswerter Beobachtungsgabe“ gekennzeichnet.

„Dichtung, Musik und Bilder von glühender Intensität vereint die Künstlerin zu einer fiktionalisierten Autobiografie, die alle Facetten ihres Leben umkreist: die Kindheit und Jugend in Berlin, das Kunststudium im Schatten des Dritten Reichs, Charlottes Beziehung zu dem Musik­pädagogen Alfred Wolfsohn, das Exil in Frankreich und vor allem die von Suiziden überschattete Familiengeschichte.“

Dass „Charlotte Salomon ein unvergleichbares Werk von großer künstlerischer Kraft geschaffen“ habe, „das alle Register sprengt“, davon zeugt das Buch. Wer die mehr als die Auswahl und vor allem einen Blick auf die Originale werfen möchte, der besuche das Joods Historisch Museum in Amsterdam.

Bibliographische Angaben

Judith C. E. Belinfante und Evelyn Benesch, Charlotte Salomon, Leben? oder Theater? 600 Seite, Hardcover, in Leinen gebunden, mit zweifarbiger Siebdruckillustration und Banderole, Format: 17,2 x 24 cm, gedruckt in Italien, Verlag: Taschen, 1. Auflage, Köln 2017, ISBN: 978-3-8365-3925-8, Preis: 30 EUR

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