Das Jubiläum fällt aus – Vor 500 Jahren starb der Renaissance-Maler Raffael, doch die Pracht-Ausstellungen zu diesem Anlass bleiben geschlossen

0
202
Eine Raffael-Statue in Urbino. © 2020, Foto: Anje Rößler

Rom, Italien (Kulturexpresso). Der Maler Raffael starb mit 37 Jahren. Zog sich der bekannte Frauenheld die Syphilis zu? Rafften ihn Pest oder Malaria dahin? Das ist unbekannt. Momentan macht das Corona-Virus einen Strich durch die Jubiläumsfeiern anlässlich seines 500. Todestages. In Rom sind die Pforten der großen Raffael-Ausstellung versperrt.

Raffael bildet zusammen mit Leonardo da Vinci und Michelangelo das Dreigestirn der italienischen Hochrenaissance. Im knappen Zeitfenster zwischen 1500 und 1520 setzten die drei Meister Maßstäbe für kommende Jahrhunderte.

Raffaello Autoritratto Self portrait 1506-1508 olio su tavola di pioppo / oil on poplar wood panel Firenze, Gallerie degli Uffizi, Galleria delle Statue e delle Pitture Gabinetto fotografico delle Gallerie degli Uffizi – Su concessione del Ministero per i Beni e le Attività Culturali e del Turismo

Raffael starb am 6. April, am Karfreitag des Jahres 1520. In Rom hatte er als Hofmaler für die Päpste gearbeitet. Er war als Architekt und Bauleiter mit der Errichtung der Peterskirche betraut und machte sich auch mit seinen Fresken einen Namen.

Raffaello Sanzio da Urbino lautet sein vollständiger Name. In Urbino kam der Künstler 1483 zur Welt.

Urbino ist ein beschauliches Städtchen auf einer Hügelkuppe, wo man über Treppen und schmale, steile Gassen durch mittelalterliche Viertel spaziert. Es liegt in den mittelitalienischen Marken, einer Hügellandschaft, die malerisch zwischen Adria und den Apenninen-Gipfeln eingebettet ist.

Ein Blick auf den Herzogspalast in Urbino. © 2020, Foto: Anje Rößler

Einst herrschten hier die Herzöge von Urbino, die nicht nur diplomatische und militärische Erfolge feierten, sondern auch Literatur, Kunst und Architektur förderten. So heuerte der Herzog Federicoda Montefeltro für seinen riesigen, prachtvollen Palazzo die besten Architekten seiner Zeit an. Seine wertvolle Kunstsammlung bildet den Grundstock für die heute hier ansässige Nationalgalerie von Marken.

Raffael wuchs in einem bescheideneren Palazzo auf. Sein Vater war als Hofmaler beim Herzog beschäftigt. Schon als Kind verlor Raffael beide Eltern. Er lebte bei einem Onkel und ging bald darauf nach Perugia. Hier lernte er in der Malerwerkstatt von Perugino, dem wichtigsten Meister der schlichten, naturnahen Umbrischen Schule.

Die Via Raffaello in Urbino. © 2020, Foto: Anje Rößler

Zunächst arbeitete Raffael für wohlhabende Patrizier, denen er Porträts Andachtsbilder und Madonnen malte. Überhaupt sollten ihn Madonnen sein Leben lang begleiten. Er schuf sie in zahlreichen Varianten; auf Holz, Leinwand oder Gips. Bekannteste unter ihnen ist die „Sixtinische Madonna“, die im Dresdener Zwinger hängt.

Raffael zog schließlich nach Rom, wo er zum Hofmaler der Päpste Julius II. und später Leo X. aufstieg. Er schuf Wandgemälde in den Gemächern des Vatikans und entwarf Wandteppiche für die Sixtinische Kapelle. Außerdem war er mit der Denkmalpflege und Restaurierung der antiken Monumente betraut.

Italien wollte das Jubiläum seines großen Renaissance-Künstlers ganz groß feiern. Doch nun fallen die Aktivitäten corona-bedingt aus. Anfang März wurde im römischen Museum Scuderie del Quirinale die bislang größte Raffael-Ausstellung der Welt eröffnet. Vorab waren bereits 60.000 Tickets verkauft. Ganze drei Tage blieb das Museum zugänglich; nun stehen die Säle leer.

Auch das Berliner Kupferstichkabinett ist derzeit verriegelt; und damit auch die kleine, feine Schau mit Zeichnungen und Druckgrafiken des Meisters. Sie soll jedoch noch bis Juni zu sehen sein.

Im Herbst haben auch die Nationalgalerien in London und in Washington große Raffael-Ausstellungen geplant.

Anmerkung:

Die Recherche wurde unterstützt vom Reiseveranstalter tuquitour.com, der in Marken einen Schwerpunkt auf Kulturprogramme setzt.

Anzeige