David gegen Ikea – „Kill Billy“ bietet reichlich schwarzen Humor

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© NFP

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Mann schließt die Augen. Wartet auf den Tod. Gerade hat Harold Lunde (Björn Sundquist) sich in seinem Möbelgeschäft mit Benzin übergossen. Um ihn herum lodern bereits die Flammen. Doch statt zu verbrennen, regnet es auf ihn herab – das Feuer hat die Sprinkleranlage ausgelöst. Der Selbstmordversuch endet in einem unfreiwilligen Duschbad. Was bleibt, ist Verzweiflung, Verbitterung über den Ruin, über sein zerstörtes Lebenswerk – sein Möbelgeschäft war einst eine Institution in Äsane, seinem norwegischen Heimatort. Doch gegen den neuen Konkurrenten hatte es keine Chance: Ikea, „unmögliches“ Möbelhaus und wirtschaftlicher Gigant.

Ein Szene, die zeigt, wie dicht Tragik und vor allem Komik beieinander liegen in „Kill Billy“. Der Titel des Films erinnert an ein berühmtes Ikea-Produkt – und an ein Meisterwerk von Quentin Tarantino. Nur verzichtet Regisseur Gunnar Vikene fast völlig auf Blei und Blut, nicht aber auf schwarzen Humor und Sarkasmus. Schon deswegen ist dieser herrlich nordisch-lakonisch inszenierte und wunderbar fotografierte Film sehr sehenswert.

Mit Harold schuf der Regisseur eine Art skandinavischen Don Quijote der Neuzeit, eine Figur, die gegen das Unabänderliche aufbegehrt, einen sinn- und ausweglosen Kampf führt. Nicht nur sein Lebenswerk ist zerstört. Marny, seine langjährige Ehefrau ist verstorben, Jan, sein Sohn, wurde gefeuert und floh in den Alkohol. Das Haus ist auch weg. Harold hat nichts mehr zu verlieren, sinnt auf Rache. Er möchte Ikea-Gründer Ingvar Kamprad (Björn Granath) entführen. Mit Knarre, altem Saab, und einer jungen Dame aus schwierigen Verhältnissen als Hilfe. Ein wohl aussichtsloses Unterfangen. Doch der schwedische Unternehmer macht es ihm leicht und steigt einfach in sein Auto. Kamprad will seine Angestellte überraschen, jetzt, zur Weihnachtszeit, vielleicht nimmt es ja jemand mit seinem Handy auf. Dann landet das Video im Internet, bald kennt es die ganze Welt, so hofft er.

Opfer und Täter begeben sich auf eine Odyssee durch tief verschneite Landschaften. Schnell entpuppt sich Kamprad, der muntere Magnat, als Pfennigfuchser. Fliegt nur Economy, spart an den Bleistiften seiner Angestellten. Harold bekommt immer wieder Gratis-Lektionen in Sachen Kosteneffizienz, Marketing, Medien. Ungefragt und gratis. Seinem Opfer kommt die Entführung gar nicht so ungelegen, wie Kamprad versichert: Endlich erlebt er mal etwas Spannendes, etwas Außergewöhnliches.

Richtig abenteuerlich war es auch für die Darsteller. Gedreht wurde nämlich bei bitterer Kälte, es herrschten bis zu 35 Grad minus.

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